Der Zweite Weltkrieg war ein globaler Krieg, der Europa, Asien, Afrika und die Weltmeere erfasste. In Europa begann er mit dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939. In Ostasien hatte Japan bereits 1931 die Mandschurei besetzt und führte seit 1937 einen umfassenden Krieg gegen China. Der Konflikt endete 1945 mit der Niederlage Deutschlands und Japans. Er kostete viele Millionen Menschen das Leben und veränderte die internationale Ordnung grundlegend.
Seine Geschichte umfasst mehr als Schlachten und Feldzüge. Besatzung, rassistische Herrschaft, Holocaust, Zwangsarbeit und die Erfahrungen der Zivilbevölkerung gehörten zum Kriegsgeschehen. Dieser Überblick verbindet die wichtigsten Stationen des Verlaufs mit Ursachen, globalen Schauplätzen und Folgen.

Winston Churchill, Franklin D. Roosevelt und Josef Stalin bei der Konferenz von Jalta, 9. Februar 1945 (von links). U.S. Army Signal Corps, Wikimedia Commons, gemeinfrei (US-Regierungsaufnahme).
Ursachen: Expansion, Diktaturen und internationale Konflikte
Die Friedensordnung nach dem Ersten Weltkrieg blieb umstritten. Wirtschaftliche Krisen, nationalistische Bewegungen und das Versagen kollektiver Sicherheit verschärften die Konflikte. Daraus folgte jedoch kein zwangsläufiger neuer Weltkrieg. Entscheidend waren aggressive politische Ziele und konkrete Entscheidungen. NS-Deutschland wollte weit mehr als die Revision des Versailler Vertrags: Hitler verband Eroberung mit rassistischer Neuordnung und der Forderung nach „Lebensraum“ im Osten.
Japan verfolgte imperiale Ziele in China und später in Südostasien. Italien griff 1935 Äthiopien an und expandierte im Mittelmeerraum. Der Völkerbund konnte diese Angriffe nicht wirksam verhindern. Großbritannien und Frankreich versuchten gegenüber Deutschland zeitweise, durch Zugeständnisse einen Krieg zu vermeiden. Das Münchner Abkommen von 1938 opferte dabei das Sudetengebiet der Tschechoslowakei. Die deutsche Besetzung der böhmischen Länder im März 1939 zeigte, dass weitere Konzessionen die Expansion nicht beendeten.
Im August 1939 schlossen Deutschland und die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt. Das geheime Zusatzprotokoll teilte Teile Osteuropas in Interessensphären. Es erleichterte den Angriff auf Polen, ohne den Beteiligten einen rechtmäßigen Anspruch auf die vereinbarten Gebiete zu geben. Nach dem deutschen Überfall erklärten Großbritannien und Frankreich am 3. September Deutschland den Krieg.
1939–1941: Der Krieg in Europa
Die Wehrmacht überfiel Polen aus mehreren Richtungen. Am 17. September marschierte die sowjetische Armee im Osten ein. Beide Mächte teilten das Land; Besatzung und Verfolgung begannen unmittelbar. Deutsche Einheiten ermordeten Angehörige der polnischen Eliten und verfolgten die jüdische Bevölkerung. Der rasche militärische Sieg war somit von Anfang an mit Gewalt gegen Zivilisten verbunden.
Am 9. April 1940 griff Deutschland Dänemark und Norwegen an. Im Mai begann die Offensive gegen die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich. Der Begriff „Blitzkrieg“ beschreibt die schnellen Erfolge, erklärt aber nicht sämtliche militärischen Voraussetzungen. Nach dem französischen Waffenstillstand im Juni blieb Großbritannien im Krieg. Unter Premierminister Churchill setzte es den Widerstand fort. Die deutsche Luftwaffe konnte in der Luftschlacht um England keine ausreichende Luftherrschaft für eine Invasion gewinnen.
Im Frühjahr 1941 überfiel Deutschland Jugoslawien und Griechenland. Seit Februar unterstützten deutsche Truppen Italien in Nordafrika. Am 22. Juni begann der Angriff auf die Sowjetunion. Stalin und die sowjetische Führung waren trotz zahlreicher Hinweise auf den bevorstehenden Überfall unzureichend vorbereitet. Der deutsche Vormarsch erreichte große Gebiete, scheiterte jedoch Ende 1941 vor Moskau. Ein schneller Sieg über die Sowjetunion war ausgeblieben.
Asien und Pazifik: Vom chinesisch-japanischen Krieg zum Weltkrieg
Japan besetzte seit 1937 weite Teile Chinas, konnte den chinesischen Widerstand aber nicht brechen. Die Besatzung war mit Massakern und weiterer schwerer Gewalt verbunden, darunter das Massaker von Nanjing. Für Millionen Menschen begann der Krieg daher früher als 1939. Auch die europäischen Kolonien in Asien wurden später zu Kriegsschauplätzen; ihre Bevölkerung und Soldaten gehörten zur globalen Geschichte des Konflikts.
Am 7. Dezember 1941 griff Japan den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor an. Gleichzeitig beziehungsweise kurz darauf begannen Angriffe auf weitere Gebiete im Pazifik und Südostasien. Die USA traten in den Krieg gegen Japan ein. Deutschland und Italien erklärten ihnen am 11. Dezember den Krieg. Die europäischen und asiatischen Konflikte waren nun auch durch die Kriegführung der USA eng miteinander verbunden.
Im Pazifikkrieg eroberte Japan zunächst zahlreiche Gebiete. Bei Midway im Juni 1942 verlor es vier Flugzeugträger; die Kämpfe um Guadalcanal begrenzten seine weitere Expansion. Die Alliierten rückten später über Inselketten vor und schwächten die japanischen Nachschubwege. Zugleich kämpften chinesische Truppen weiter, und in Burma standen sich japanische Kräfte und alliierte Verbände gegenüber. Ein Blick allein auf amerikanisch-japanische Seeschlachten würde diese Schauplätze ausblenden.
1942–1944: Wendepunkte und alliierter Vormarsch
1942/43 verschob sich das Kräfteverhältnis. In Nordafrika wurden die Achsenmächte bei El Alamein zurückgedrängt; die alliierte Landung in Marokko und Algerien erhöhte den Druck. Im Mai 1943 kapitulierten ihre letzten Verbände in Tunesien. Die Niederlage bei Stalingrad im Winter 1942/43 wurde zu einem entscheidenden Einschnitt an der Ostfront. Der deutsche Angriff bei Kursk im Juli 1943 scheiterte; die Sowjetunion übernahm zunehmend die militärische Initiative.
Im Atlantik versuchte die Kriegsmarine vor allem mit U-Booten, die Versorgung Großbritanniens zu unterbrechen. Geleitschutz, Ortungstechnik, Luftüberwachung und Entschlüsselung trugen zur alliierten Überlegenheit bei. Seeverbindungen waren auch für die Lieferung von Waffen, Rohstoffen und Lebensmitteln an die Sowjetunion entscheidend. Der Krieg hing daher nicht nur von Frontschlachten, sondern ebenso von Produktion, Transport und Nachschub ab.
Nach der Landung auf Sizilien 1943 und Italiens Waffenstillstand besetzten deutsche Truppen große Teile Italiens. Im Osten erzielte die Rote Armee 1944 weitreichende Erfolge. Am 6. Juni landeten westalliierte Truppen in der Normandie und eröffneten eine neue Front in Frankreich. Deutschland musste nun auf mehreren Fronten zurückweichen. Neue Waffen wie V1 und V2 verursachten zahlreiche Opfer, konnten den Kriegsverlauf aber nicht entscheidend verändern.
Besatzung, Holocaust und Massenverbrechen
Besatzung bedeutete je nach Gebiet unterschiedliche Formen der Unterdrückung. Deutsche Behörden und Unternehmen plünderten Ressourcen und nutzten Zwangsarbeit. In Osteuropa war die Herrschaft besonders eng mit rassistischen Eroberungsplänen verbunden. Hungerpolitik, Massenerschießungen und die Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener verursachten Millionen Todesopfer. Wehrmacht, SS, Polizei und zivile Stellen wirkten an den Verbrechen mit.
Der Holocaust entwickelte sich im Krieg zum europäischen Massenmord. Jüdische Menschen wurden in Ghettos zusammengepfercht, deportiert und durch Erschießungen oder in Vernichtungszentren ermordet. Etwa sechs Millionen Juden starben. Die Wannseekonferenz 1942 koordinierte die Beteiligung von Behörden am bereits begonnenen Mord. Sinti und Roma wurden ebenfalls Opfer eines Völkermords. Die nationalsozialistischen Krankenmorde und weitere Verfolgungsmaßnahmen setzten sich während des Krieges fort.
Japanische Besatzungstruppen verübten in Asien Massaker, misshandelten Kriegsgefangene und zwangen Menschen zur Arbeit. Das System sexueller Versklavung betraf zahlreiche Frauen und Mädchen. Die Verbrechen verschiedener Kriegführender müssen konkret benannt werden. Dabei sind Motive, Organisation und Größenordnungen jeweils zu untersuchen; eine pauschale Gleichsetzung erklärt ihre Unterschiede nicht.
Zivilbevölkerung, Widerstand und Alltag im Krieg
Menschen erlebten Bombenangriffe, Hunger, Trennung von Angehörigen und Verlust ihrer Heimat. Luftkriege trafen unter anderem britische, deutsche und japanische Städte. Blockaden und zerstörte Infrastruktur verschärften Versorgungsnot. Koloniale Untertanen kämpften in den Armeen der europäischen Mächte oder arbeiteten für ihre Kriegswirtschaft. Der globale Konflikt veränderte dadurch auch Gesellschaften, die außerhalb der wichtigsten Schlachtfelder lagen.
Widerstand nahm unterschiedliche Formen an: bewaffneter Partisanenkampf, illegale politische Arbeit, Informationsübermittlung und Hilfe für Verfolgte. Die Beteiligten verfolgten verschiedene Ziele. Besatzungsmächte beantworteten Widerstand häufig mit Gewalt gegen Zivilisten. Gleichzeitig gab es Kollaboration und alltägliche Anpassung. Eine historische Darstellung muss diese Handlungsmöglichkeiten unterscheiden und darf ganze Bevölkerungen nicht auf eine einheitliche Rolle festlegen.
Der Krieg veränderte außerdem die Arbeitsteilung in vielen Gesellschaften. Frauen übernahmen Aufgaben in Industrie, Landwirtschaft, Verwaltung und medizinischer Versorgung; zugleich mussten sie Familien unter den Bedingungen von Mangel und Trennung versorgen. Manche dienten in militärischen Verbänden oder beteiligten sich am Widerstand. Umfang und Anerkennung dieser Tätigkeiten unterschieden sich zwischen den Staaten erheblich. Neue Aufgaben bedeuteten nicht automatisch dauerhafte Gleichberechtigung. Ebenso sind freiwillige Mitarbeit, staatliche Dienstpflicht und gewaltsam erzwungene Arbeit auseinanderzuhalten. Die Mobilisierung der Bevölkerung betraf damit nicht allein die Front, sondern auch Arbeitsplätze, Haushalte und gesellschaftliche Erwartungen.
1945: Kriegsende in Europa und Asien
1945 rückten sowjetische und westalliierte Truppen in Deutschland vor. Die SS räumte Lager und trieb Häftlinge auf Todesmärsche. Hitler beging am 30. April in Berlin Selbstmord. Seine Nachfolgeregierung unter Dönitz versuchte zunächst begrenzte Kapitulationen. Am 7. Mai wurde in Reims die bedingungslose Kapitulation unterzeichnet; sie trat am 8. Mai um 23.01 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft. In der Nacht zum 9. Mai folgte die Unterzeichnung in Berlin-Karlshorst unter Beteiligung von Keitel.
In Asien ging der Krieg weiter. Die USA warfen am 6. August eine Atombombe auf Hiroshima und am 9. August auf Nagasaki. Die Sowjetunion erklärte Japan am 8. August den Krieg und griff am folgenden Tag in der Mandschurei an. Am 15. August gab der japanische Kaiser die Annahme der Kapitulationsbedingungen bekannt. Die formelle Unterzeichnung erfolgte am 2. September. Die Bedeutung der verschiedenen Faktoren für Japans Entscheidung wird historisch diskutiert.
Folgen: Befreiung, Neuordnung und Erinnerung
Die Niederlage der Achsenmächte beendete nationalsozialistische und japanische Gewaltherrschaft. Für Verfolgte bedeutete sie Befreiung; zugleich hinterließ der Krieg zerstörte Städte, Millionen entwurzelte Menschen und langfristige gesundheitliche Schäden. Flucht, Vertreibung und neue Grenzen veränderten Europa. Viele Überlebende mussten auf Nachrichten über Angehörige und eine neue Heimat warten.
Die Vereinten Nationen wurden gegründet. Prozesse in Nürnberg und Tokio verfolgten zentrale Verantwortliche, erfassten aber nicht sämtliche Verbrechen. Der Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion prägte bald die Nachkriegsordnung und die Teilung Deutschlands. In Asien und Afrika beschleunigte der Krieg Auseinandersetzungen über koloniale Herrschaft. Seine Folgen reichen damit über 1945 hinaus. Erinnerung muss militärische Ereignisse mit den Lebensgeschichten der Opfer und der Verantwortung für Krieg und Verfolgung verbinden.
Autor: Lukas Schmitt
Ursprünglicher Verlaufsartikel: Fabian Grossekemper. Redaktionell neu gefasst und erweitert.
Literatur
Reinhard Barth / Friedemann Bedürftig: Taschenlexikon Zweiter Weltkrieg. München/Zürich: Piper, 2000.
Wolfgang Benz / Hermann Graml / Hermann Weiß (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. München: dtv, 1997. Auch als CD-ROM erhältlich.
Norbert Frei: Der Führerstaat. Nationalsozialistische Herrschaft 1933 bis 1945. 6., erweiterte und aktualisierte Neuauflage. München: dtv, 2001.
Gerhard L. Weinberg: A World at Arms. A Global History of World War II. 2. Auflage. Cambridge: Cambridge University Press, 2005.
Richard Overy: Weltenbrand. Der große imperiale Krieg, 1931–1945. Aus dem Englischen von Henning Thies und Werner Roller. Berlin: Rowohlt Berlin, 2023.
Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München: C. Bertelsmann, 2014.
Rolf-Dieter Müller: Der Zweite Weltkrieg 1939–1945. (= Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte, Band 21). 10., völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta, 2004.
Gerhard Schreiber: Der Zweite Weltkrieg. 5. Auflage. München: C.H.Beck, 2013.
