Zukunft braucht Erinnerung

  • Startseite
  • Über uns
    • Auszeichnungen für unser Projekt
    • Grußwort von Yad Vashem
    • Dies sind unsere Autoren und Redakteure
  • Mitmachen
    • Themenliste Biographien
    • Themenliste Die Welt seit 1990
    • Themenliste Erinnerung und Aufarbeitung
    • Themenliste Extremismus
    • Themenliste Geschichte der Juden
    • Themenliste Geschichte Deutschlands
    • Themenliste Geschichte Österreichs
    • Themenliste Kalter Krieg
    • Themenliste Nahostkonflikt
    • Themenliste NS-Völkermord
    • Themenliste Zeitalter der Weltkriege
  • Kontakt

Das Online-Portal zu den historischen Themen unserer Zeit.

  • News
  • Geschichte Deutschlands
    • Deutsche Einigungskriege
    • Deutsches Kaiserreich
    • Weimarer Republik
    • Drittes Reich
    • Deutschland unter alliierter Besatzung
    • Bundesrepublik Deutschland
    • Deutsche Demokratische Republik
    • Geteilte Stadt Berlin
  • Geschichte Österreichs
    • Österreich im Dritten Reich
    • Österreich unter alliierter Besatzung
  • Zeitalter des Imperialismus
    • Kolonialgeschichte Großbritanniens im Zeitalter des Imperialismus
  • Zeitalter der Weltkriege
    • Erster Weltkrieg
    • Zwischenkriegszeit
    • Zweiter Weltkrieg
  • Kalter Krieg
    • Diplomatie und Politik im Kalten Krieg
    • Geheimdienste im Kalten Krieg
    • Kriege und Konflikte im Kalten Krieg
  • Die Welt seit 1990
    • Kriege und Konflikte seit 1990
    • Postsowjetische Kriege und Konflikte
  • NS-Völkermord
    • Holocaust
    • Porajmos
  • Völkermorde im 20. Jahrhundert
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Afrika
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Asien
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Europa
  • Erinnerung und Aufarbeitung
    • Erinnerung und Aufarbeitung der DDR-Zeit
    • Erinnerung und Aufarbeitung der NS-Zeit
    • Gedenken an die Revolution von 1848/49
  • Extremismus
    • Rechtsextremismus in Deutschland
  • Geschichte der Juden
    • Antisemitismus
    • Geschichte der Juden in Deutschland
  • Biographien
  • Rezensionen
    • Ausstellungsrezensionen
    • Buchrezensionen
    • Filmrezensionen
    • Theaterrezensionen
    • Veranstaltungsrezensionen
Startseite > Zeitalter der Weltkriege > Zweiter Weltkrieg > Die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg
Geschrieben von: Redaktion Zukunft braucht Erinnerung | Erstellt: 18. Januar 2026

Die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg

Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Georgi Konstantinowitsch Schukow unterzeichnet für das Oberkommando der Roten Armee die Kapitulationserklärung vom 8. Mai 1945.

Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Georgi Konstantinowitsch Schukow unterzeichnet für das Oberkommando der Roten Armee die Kapitulationserklärung vom 8. Mai 1945. Bundesarchiv, Bild 183-R83900 / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 183-R83900, Kapitulation der deutschen Wehrmacht, CC BY-SA 3.0 DE.

Die Wehrmacht war die Gesamtheit der deutschen Streitkräfte während der NS-Zeit und bildete die militärische Grundlage von Hitlers Kriegsführung im Zweiten Weltkrieg. Am 1. September 1939 entfesselte die Wehrmacht mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg – den bis dahin verheerendsten Konflikt der Geschichte. Die anfangs scheinbar unbesiegbare deutsche Armee errang rasche Siege in Polen, Skandinavien und Westeuropa und schien die Vormachtstellung in Europa zu übernehmen. Doch mit dem Angriff auf die Sowjetunion 1941 trat die Wehrmacht in einen beispiellosen Vernichtungskrieg ein, der von rassenideologischen Zielen geprägt war und die deutschen Soldaten in schwere Kriegsverbrechen verstrickte. Im weiteren Kriegsverlauf wendete sich das Blatt: Spätestens ab 1942 geriet die Wehrmacht zunehmend in die Defensive, während die alliierten Gegner an Stärke gewannen. Bis zur bedingungslosen Kapitulation 1945 führte die Wehrmacht einen verzweifelten Abwehrkampf, der immense Verluste forderte und ganz Europa in Trümmer legte. Nach 1945 entstand zunächst die Legende von der „sauberen Wehrmacht“, doch die historische Forschung hat gezeigt, dass die Wehrmacht tief in das NS-System verstrickt war. Dieser Artikel beleuchtet Ursprung, Struktur und Kriegseinsatz der Wehrmacht sowie ihren Anteil an Krieg und Verbrechen, um ein facettenreiches Bild dieser Armee im Zweiten Weltkrieg zu zeichnen.

Aufrüstung und Vorbereitung auf den Krieg (1933–1939)

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann in Deutschland eine massive geheime Wiederaufrüstung, die ab 1935 auch offiziell betrieben wurde. Aus der 100.000-Mann-Berufsarmee der Weimarer Republik, der Reichswehr, formte das NS-Regime die neue Wehrmacht, indem es den Versailler Vertrag offen brach und die allgemeine Wehrpflicht einführte. Am 16. März 1935 verkündete Hitler das „Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht“, durch das der Begriff Wehrmacht als Name für die vereinigten Streitkräfte (Heer, Kriegsmarine und die neu gegründete Luftwaffe) eingeführt wurde. In kurzer Zeit wuchs die Truppenstärke enorm: Von der kleinen Reichswehr entwickelte sich die Wehrmacht bis 1939 zu einer Millionenarmee. Modernisierung und Ausbau standen im Fokus – etwa durch Aufrüstung mit Panzern, Flugzeugen und moderner Artillerie. Dabei flossen enorme Mittel in die Rüstungsindustrie, um Hitlers Expansionspläne zu ermöglichen. Die Wehrmacht spielte schon vor Kriegsbeginn eine Rolle bei Hitlers Aggressionspolitik: 1936 marschierten Wehrmachtseinheiten in das entmilitarisierte Rheinland ein, 1938 folgten der Anschluss Österreichs und die Besetzung des Sudetenlands, jeweils ohne größeren Widerstand der Opferstaaten. Diese frühen Operationen, wenn auch ohne größere Gefechte, stärkten das Selbstbewusstsein der militärischen Führung und ließen die Wehrmacht an Kampferfahrung gewinnen (etwa in der Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg). Bis 1939 hatte Hitler mit Hilfe der Wehrmacht alle militärischen Vorbereitungen getroffen, um einen großen Krieg vom Zaun zu brechen – überzeugt, dass seine Armee dank modernster Bewaffnung, neuartiger Doktrinen und fanatischer Gefolgschaft siegreich sein würde.

Blitzkriege und frühe Erfolge (1939–1941)

Der Zweite Weltkrieg begann mit einem Paukenschlag: Am 1. September 1939 überschritten Wehrmachtverbände die polnische Grenze, unterstützt von massiven Luftangriffen der Luftwaffe. Innerhalb weniger Wochen war Polen militärisch besiegt und unter Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt. Diese erste Kriegskampagne offenbarte das Prinzip des sogenannten Blitzkriegs – einer Taktik, die auf Überraschung, Schnelligkeit und koordinierte Angriffe gepanzerter Truppen mit Luftunterstützung setzte. Die Blitzkrieg-Strategie führte zu einer Reihe früher Triumphe der Wehrmacht. Im Frühjahr 1940 eroberte Deutschland in rascher Folge Dänemark und Norwegen. Besonders spektakulär war der Westfeldzug im Mai/Juni 1940: Die Wehrmacht umging die französischen Verteidigungslinien in einem kühnen Vorstoß durch die Ardennen, schnitt große Teile der alliierten Armeen ab und zwang Frankreich innerhalb von sechs Wochen in die Kapitulation. Paris wurde besetzt, und der britische Expeditionskorps musste bei Dünkirchen hastig evakuiert werden. In ganz Europa galt die Wehrmacht nun als nahezu unbesiegbar – ein Mythos, der die moralische Überlegenheit der Truppe suggerierte. Im Frühjahr 1941 setzte sich die Serie der Erfolge fort: Deutsche Truppen besetzten Jugoslawien und erzwangen die Kapitulation Griechenlands, unterstützt von italienischen Verbündeten. Gleichzeitig drang das Afrikakorps unter General Erwin Rommel in Nordafrika vor und errang zunächst Siege gegen die Briten. Diese Phase war der Höhepunkt der Wehrmachtsmacht: dank moderner Gefechtsführung, hoher Mobilität und dem Überraschungsmoment konnte sie Gegner um Gegner bezwingen. Allerdings überdeckten die schnellen Siege auch strukturelle Schwächen – etwa Nachschubprobleme oder begrenzte Ressourcen – die zunächst kaum ins Gewicht fielen. Die Wehrmacht glaubte an die eigene Unbesiegbarkeit, was Hitler zusätzlich ermutigte, sein kühnstes Unternehmen anzugehen: den Überfall auf die Sowjetunion.

Krieg gegen die Sowjetunion: Ein Vernichtungskrieg

Am 22. Juni 1941 begann die Wehrmacht mit „Unternehmen Barbarossa“ den Angriff auf die Sowjetunion – eine neue Phase des Krieges, die von Anfang an als rassenideologisch motivierter Vernichtungskrieg geplant war. Mehr als drei Millionen deutsche Soldaten drangen auf breiter Front in das sowjetische Territorium ein, begleitet von Truppen verbündeter Staaten. In den ersten Wochen errangen die Angreifer gewaltige Geländegewinne und schlossen riesige Kesselschlachten ab, in denen hunderttausende sowjetische Soldaten in Gefangenschaft gerieten. Doch anders als in früheren Feldzügen war dieser Krieg von vornherein durch besondere Brutalität gekennzeichnet. Politische Kommissareder Roten Armee wurden auf Befehl des Oberkommandos der Wehrmacht systematisch ermordet, ebenso beging die Truppe Massenverbrechen an Kriegsgefangenen: Millionen sowjetische Gefangene ließ man bewusst verhungern oder sterben, indem man ihnen den völkerrechtlich garantierten Schutz verweigerte. Unter dem Vorwand der Partisanenbekämpfung verübten Wehrmachtseinheiten auch Massaker an der Zivilbevölkerung, insbesondere in der besetzten Ukraine, in Weißrussland und Russland. In enger Kooperation mit den Einsatzgruppen der SS war die Wehrmacht in die Ermordung der jüdischen Bevölkerung involviert – sei es durch logistische Unterstützung, passives Gewährenlassen oder direkte Mittäterschaft bei Erschießungen. Vor allem an der Ostfront zeigte sich, dass viele Offiziere und Soldaten der Wehrmacht tief von der NS-Ideologie durchdrungen waren: Antisemitische und antislawische Feindbilder hatten sich in jahrelanger Propaganda verfestigt und schufen die Bereitschaft, grausame Befehle auszuführen. Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion wurde von der Wehrmacht als „Vernichtungskrieg“ umgesetzt, der keinen Unterschied zwischen militärischem Gegner und „rassisch“ definiertem Feind machte. Trotz anfänglicher Geländegewinne – die Wehrmacht stand Ende 1941 vor den Toren Moskaus und belagerte Leningrad – erwies sich der Ostfeldzug als gewaltiges Unterfangen, das an der Weite des Landes, dem anhaltenden Widerstand der Roten Armee und nicht zuletzt am winterlichen Klima scheiterte. Der Vormarsch stockte im Dezember 1941, die Offensive blieb erschöpft liegen. Damit endete die Illusion eines schnellen Sieges; zugleich hatte die Wehrmacht bis dahin im Osten bereits Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes begangen, die Millionen unschuldiger Opfer forderten. Der Krieg im Osten markierte moralisch und strategisch den Tiefpunkt der deutschen Kriegführung: Aus einem Feldzug wurde ein erbitterter Abnutzungskrieg, der die Wehrmacht zunehmend zermürbte und der Führung keine leichten Erfolge mehr bot.

Wehrmacht und NS-Regime: Loyalität, Führung und Ideologie

Von Beginn an war die Wehrmacht fest in das Herrschaftssystem des Nationalsozialismus eingebunden. Nach dem Tod von Reichspräsident Paul von Hindenburg im August 1934 legten die Soldaten ihren Eid nicht mehr auf Volk und Verfassung, sondern direkt „auf Adolf Hitler, den Obersten Befehlshaber der Wehrmacht“ ab. Dieser sogenannte Fahneneid band die Streitkräfte persönlich an den „Führer“ und förderte eine bedingungslose Loyalität gegenüber Hitler. Zunächst standen viele Generäle dem radikalen NS-Regime reserviert oder abwartend gegenüber, doch Hitler gelang es rasch, die traditionelle militärische Führungsschicht zu gleichschalten. Kritische Stimmen wurden spätestens nach der Blomberg-Fritsch-Krise 1938 aus dem Weg geräumt, als Hitler das Kriegsministerium abschaffte und die Wehrmachtführung im Oberkommando der Wehrmacht (OKW) zentralisierte. Fortan übernahm Hitler selbst die strategische Gesamtleitung und bestimmte maßgeblich die Operationsplanung. In der Wehrmacht etablierte sich parallel eine ideologische Schulung: NS-Führungsoffiziere und propagandaerfahrene Funktionäre wirkten auf die Truppe ein, um nationalsozialistisches Gedankengut zu verankern. Viele Offiziere begrüßten die expansive Politik Hitlers und teilten dessen fanatischen Antikommunismus und Antisemitismus – so wurde der Weg in den Vernichtungskrieg ideologisch vorbereitet. Die Generäle, die anfangs vor allem aus Pflichtgefühl und traditionellen Motiven handelten, entwickelten mit Hitlers Erfolgen zunehmend persönlichen Ehrgeiz und verzichteten darauf, das Regime zu hinterfragen. Eine organisierte Opposition innerhalb der Wehrmacht blieb bis weit in den Krieg aus. Erst als die militärischen Niederlagen überhandnahmen, entschloss sich ein kleiner Kreis um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg zum Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler – doch dieser Umsturzversuch scheiterte und zog drakonische Säuberungen in der Offizierskorps nach sich. Insgesamt bildeten Wehrmacht und NS-Regime während des Krieges eine weitgehend einheitliche Front: Die allermeisten Soldaten folgten Hitlers Befehlen bis zuletzt. In der Führung kam es zwar zu Machtkämpfen – etwa zwischen dem klassischen Militär und der parallel aufsteigenden Waffen-SS, die von Hitler bevorzugt ausgerüstet wurde –, doch teilte man letztlich das gemeinsame Schicksal. Hitler übte bis Kriegsende eine immer rigidere Kontrolle über die Wehrmacht aus, entließ widersprechende Generäle und ersetzte sie durch fanatisch loyale, oft jüngere Befehlshaber. Diese enge Verzahnung von Wehrmacht und NS-Staat bedeutete auch, dass die Armee bis zuletzt das Regime stützte: Selbst als die militärische Lage längst hoffnungslos war, folgten viele Offiziere Hitlers „Befehl zum Endkampf“ und setzten dessen Strategie der verbrannten Erde und Opferbereitschaft fort.

Wende und Niederlage (1942–1945)

Die Jahre 1942 und 1943 brachten die entscheidenden Wendepunkte, die das Ende der Wehrmacht einleiteten. Nachdem der Blitzkrieg an der Ostfront gescheitert war, hatte die Rote Armee Zeit, sich zu reorganisieren, während die deutschen Truppen immer weiter ins Landesinnere vorgedrungen waren und überdehnte Nachschublinien sowie hohen Verschleiß zu verzeichnen hatten. Der bittere Wendepunkt kam Anfang 1943 mit der Schlacht von Stalingrad: Die 6. Armee der Wehrmacht wurde in Stalingrad eingeschlossen und kapitulierte im Februar 1943 nach monatelangen Kämpfen – rund 90.000 deutsche Soldaten gingen in Gefangenschaft, von denen die meisten nie zurückkehrten. Stalingrad war mehr als eine militärische Niederlage; es war ein seelischer Schock für Wehrmacht und Heimatfront und zerstörte den Mythos der Unbesiegbarkeit. Von da an befand sich die Wehrmacht an der Ostfront im langsamen, aber unaufhaltsamen Rückzug. Zugleich stieg der Druck der Westalliierten: Seit Ende 1942 standen US-amerikanische und britische Truppen in Nordafrika und zwangen das Afrikakorps 1943 zur Aufgabe in Tunis. Im Juli 1943 landeten die Alliierten auf Sizilien, was zum Sturz von Hitlers Verbündetem Mussolini führte, und im September kapitulierte Italien – nun musste die Wehrmacht einen weiteren Kriegsschauplatz in Italien halten. Die strategische Überdehnung Deutschlands war offensichtlich: Es fehlten Reserven, Treibstoff und Luftüberlegenheit. Dennoch verlängerte sich der Krieg um weitere Jahre, weil Hitler und die Wehrmachtsführung jede Rückzugsoperation nur zögerlich erlaubten und stattdessen auf „Fanatismus“ und Durchhalten setzten. Ab 1944 geriet die Wehrmacht endgültig auf die Verliererstraße. Am 6. Juni 1944 landeten die westalliierten Streitkräfte in der Normandie (D-Day) und eröffneten damit eine lang gefürchtete zweite Front in Westeuropa. Trotz erbitterten Widerstands konnte die Wehrmacht die Invasion nicht zurückschlagen; bis August 1944 waren Frankreich und Belgien weitgehend befreit und deutsche Verbände wichen an die eigene Grenze zurück. Im Osten rollte währenddessen die gewaltige sowjetische Sommeroffensive 1944 („Operation Bagration“) die deutsche Front in Weißrussland auf und zerstörte ganze Heeresgruppen. Die Verluste der Wehrmacht stiegen nun dramatisch an: In der Endphase starben Monat für Monat Hunderttausende Soldaten. Obwohl der Krieg offensichtlich verloren war, befahl das NS-Regime den „totalen Krieg“, und die Wehrmachtführung folgte dem Diktat. Neue Volksgrenadier-Divisionen und der Volkssturm (mit Jungen und alten Männern) sollten Lücken füllen, während modernste Wunderwaffen wie die V2-Raketen keine Wendung mehr herbeiführen konnten. Im Winter 1944/45 unternahm die Wehrmacht letztmals eine große Offensive im Westen (die Ardennen-Offensive), doch auch dieser verzweifelte Schlag scheiterte. Schließlich brach im Frühjahr 1945 die gesamte Front zusammen: Die Alliierten marschierten ins Deutsche Reich ein, die Rote Armee eroberte Berlin. Am 8. Mai 1945 unterzeichneten Vertreter der Wehrmacht die bedingungslose Kapitulation. Die Niederlage war total – die Wehrmacht war zerschlagen und praktisch nicht mehr existent. Insgesamt hatten im Verlauf des Krieges etwa 17 Millionen Menschen in der Wehrmacht gedient, von denen rund 5 Millionen den Tod fanden. Unzählige weitere waren verwundet, in Gefangenschaft oder vermisst. Die einstmals so stolze Armee endete in Chaos und Zerstörung, während ihre Führung sich spätestens in den letzten Monaten aus Realitätssinn oder fanatischer Pflichterfüllung dem sinnlosen „Endkampf“ hingegeben hatte.

Nachkriegszeit: Legenden und Aufarbeitung

Nach dem Kriegsende 1945 wurde die Wehrmacht von den Siegermächten aufgelöst, und die alliierten Behörden begannen, führende Militärs für eventuelle Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Rechenschaft zu ziehen. In den Nürnberger Prozessen standen neben NS-Politikern auch einzelne Generäle vor Gericht (z. B. im OKW-Prozess), doch die meisten hohen Offiziere entgingen einer Verurteilung. In den ersten Nachkriegsjahren entstand – besonders in Westdeutschland – die Legende von der „sauberen Wehrmacht“, die besagte, die regulären Soldaten und Generäle hätten ehrenvoll gekämpft und seien nicht in die Verbrechen des NS-Regimes verwickelt gewesen. Diese Sichtweise wurde von ehemaligen Wehrmachtsgenerälen in Memoiren und Schriften verbreitet und fand auch politisch Anklang, da in Zeiten des Kalten Krieges die Integration früherer Offiziere in die neue Bundeswehr und Gesellschaft Priorität hatte. So blieb jahrzehntelang vieles ungesagt: Der Massenmord an Juden, die grausame Partisanenbekämpfung, die Millionen toter Kriegsgefangenen – all dies wurde im öffentlichen Diskurs meist den SS-Truppen oder einzelnen „Exzessen“ zugeschrieben, während die Wehrmacht als moralisch intakt dargestellt wurde. Erst ab den 1960er Jahren begann eine jüngere Generation von Historikern, unterstützt durch neue Dokumente, das Bild zu korrigieren. Es wurde zunehmend klar, dass die Wehrmacht als Institution tief in die NS-Verbrechen verstrickt war und aktiv am Vernichtungskrieg teilgenommen hatte. Ein wichtiger Meilenstein war in den 1990er Jahren die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“, die erstmals einer breiten Öffentlichkeit mit Fotos und Dokumenten die unselige Rolle der Wehrmacht vor Augen führte. Diese Ausstellung löste kontroverse Diskussionen aus, trug aber wesentlich zur Bewusstseinsänderung bei. Mittlerweile ist in der Geschichtsschreibung unstrittig, dass die Wehrmacht keinen eigenständigen, unpolitischen „Weg der Ehre“ ging, sondern ein integraler Bestandteil von Hitlers Herrschaft und Kriegsführung war – mitsamt aller Konsequenzen. Heute wird die Wehrmacht im kollektiven Gedächtnis differenziert betrachtet: Einerseits die militärische Leistung und das Leid der einfachen Soldaten, andererseits die Mitverantwortung für einen verbrecherischen Eroberungs- und Vernichtungskrieg. Die historische Aufarbeitung – durch akademische Forschung und öffentliche Debatten – hat die Verklärung früherer Jahrzehnte ersetzt. Damit bleibt die Geschichte der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg eine mahnende Erinnerung daran, wie eine hochprofessionelle Armee durch blinden Gehorsam und ideologische Verblendung zu einem Werkzeug der Barbarei werden konnte.

 

Literatur

Wolfram Wette: Die Wehrmacht. Feindbilder, Vernichtungskrieg, Legenden. Frankfurt am Main 2002.

Jürgen Förster: Die Wehrmacht im NS-Staat. Eine strukturgeschichtliche Analyse. München 2007.

Rolf-Dieter Müller: Hitlers Wehrmacht 1935 bis 1945. München 2012.

Rolf-Dieter Müller; Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Die Wehrmacht: Mythos und Realität. München 1999.

Rüdiger Overmans: Deutsche militärische Verluste im Zweiten Weltkrieg. München 2004.

Christian Hartmann; Johannes Hürter; Ulrike Jureit (Hrsg.): Verbrechen der Wehrmacht. Bilanz einer Debatte. München 2005.

Geoffrey P. Megargee: Hitler und die Generäle. Das Ringen um die Führung der Wehrmacht 1933–1945. Paderborn 2006.

Omer Bartov: Hitlers Wehrmacht. Soldaten, Fanatismus und die Brutalisierung des Krieges. Reinbek 1995.

Manfred Messerschmidt: Die Wehrmachtjustiz 1933–1945. Paderborn 2005.

Klaus-Jürgen Müller: Das Heer und Hitler. Armee und nationalsozialistisches Regime 1933–1940. Stuttgart 1969.

 

Verwandte Beiträge:

  • Deutsch-italienische Beziehungen (1937–1943)
  • Der Kreisauer Kreis: Zeitleiste
  • Der militärische Widerstand der Wehrmacht gegen Hitler
  • Das deutsche Protektorat Böhmen und Mähren (1939–1945) und seine tschechischen Kollaborateure
  • Der Verlauf des Zweiten Weltkriegs

Verwandte Beiträge:

  • Deutsch-italienische Beziehungen (1937–1943)
  • Der Kreisauer Kreis: Zeitleiste
  • Der militärische Widerstand der Wehrmacht gegen Hitler
  • Das deutsche Protektorat Böhmen und Mähren (1939–1945) und seine tschechischen Kollaborateure
  • Der Verlauf des Zweiten Weltkriegs
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen
  • Barrierefreiheit
Barrierefreiheitsanpassungen

Präsentiert von OneTap

Wie lange möchten Sie die Werkzeugleiste ausblenden?
Dauer des Ausblendens der Werkzeugleiste
Wählen Sie Ihr Barrierefreiheitsprofil aus
Modus für Sehbehinderte
Verbessert das Erscheinungsbild der Website
Profil für Anfallsicherheit
Entfernt Blitze und reduziert die Farbe
ADHS-freundlicher Modus
Fokussiertes Browsen, ablenkungsfrei
Blindmodus
Reduziert Ablenkungen, verbessert die Konzentration
Sicherer Modus bei Epilepsie
Dimmt die Farben und stoppt das Blinken
Inhaltsmodule
Schriftgröße

Standard

Zeilenhöhe

Standard

Farbmodule
Orientierungsmodule
Zukunft braucht ErinnerungLogo Header Menu
  • News
  • Geschichte Deutschlands
    • Deutsche Einigungskriege
    • Deutsches Kaiserreich
    • Weimarer Republik
    • Drittes Reich
    • Deutschland unter alliierter Besatzung
    • Bundesrepublik Deutschland
    • Deutsche Demokratische Republik
    • Geteilte Stadt Berlin
  • Geschichte Österreichs
    • Österreich im Dritten Reich
    • Österreich unter alliierter Besatzung
  • Zeitalter des Imperialismus
    • Kolonialgeschichte Großbritanniens im Zeitalter des Imperialismus
  • Zeitalter der Weltkriege
    • Erster Weltkrieg
    • Zwischenkriegszeit
    • Zweiter Weltkrieg
  • Kalter Krieg
    • Diplomatie und Politik im Kalten Krieg
    • Geheimdienste im Kalten Krieg
    • Kriege und Konflikte im Kalten Krieg
  • Die Welt seit 1990
    • Kriege und Konflikte seit 1990
    • Postsowjetische Kriege und Konflikte
  • NS-Völkermord
    • Holocaust
    • Porajmos
  • Völkermorde im 20. Jahrhundert
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Afrika
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Asien
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Europa
  • Erinnerung und Aufarbeitung
    • Erinnerung und Aufarbeitung der DDR-Zeit
    • Erinnerung und Aufarbeitung der NS-Zeit
    • Gedenken an die Revolution von 1848/49
  • Extremismus
    • Rechtsextremismus in Deutschland
  • Geschichte der Juden
    • Antisemitismus
    • Geschichte der Juden in Deutschland
  • Biographien
  • Rezensionen
    • Ausstellungsrezensionen
    • Buchrezensionen
    • Filmrezensionen
    • Theaterrezensionen
    • Veranstaltungsrezensionen