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Startseite > Geschichte Deutschlands > Nationalsozialismus und NS-Staat > Nationalsozialismus: Ursprünge, Ideologie und Bewegung
Geschrieben von: Lukas Schmitt | Erstellt: 10. Oktober 2026

Nationalsozialismus: Ursprünge, Ideologie und Bewegung

Der Nationalsozialismus war eine rassistische, antisemitische und antidemokratische Ideologie und politische Bewegung. Seine Anhänger wollten die parlamentarische Demokratie beseitigen, die Gesellschaft nach vermeintlichen „Rassen“ ordnen und durch Krieg ein deutsches Großreich schaffen. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) unter Adolf Hitler verband diese Vorstellungen mit einer Massenorganisation, einem Führerkult und systematischer Gewalt. Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 wurde daraus die Grundlage einer Diktatur. Der Holocaust und der nationalsozialistische Vernichtungskrieg zeigen, welche mörderischen Konsequenzen diese Weltanschauung in der Herrschaftspraxis hatte.

Dieser Überblick behandelt die ideologischen Ursprünge, die Entstehung der Bewegung und ihre zentralen Vorstellungen. Die Institutionen und die Geschichte des NS-Staates zwischen 1933 und 1945 sind Gegenstand des Überblicks zum „Dritten Reich“. Ideologie und Herrschaft lassen sich jedoch nicht vollständig trennen: Die Bewegung veränderte ihre Vorgehensweisen, während grundlegende Feindbilder und politische Ziele bestehen blieben.

Hitler, Himmler und Lutze vor den Formationen von SA und SS beim Reichsparteitag 1934 in Nürnberg

Aufmarsch von SA und SS beim Reichsparteitag 1934 in Nürnberg. Die Aufnahme dokumentiert die Inszenierung von Führerkult und Massenbewegung. Bundesarchiv, Bild 102-16196 / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 102-16196, Nürnberg, Reichsparteitag, SA- und SS-Appell, CC BY-SA 3.0 DE

Inhalt

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  • Ideologische Ursprünge des Nationalsozialismus
  • Adolf Hitler, die NSDAP und der Aufstieg der Bewegung
  • Antisemitismus als zentraler Kern
  • Rassismus, Auslese und „Lebensraum“
  • Führerkult und die Ablehnung der Demokratie
  • „Volksgemeinschaft“, Propaganda und gesellschaftliche Mobilisierung
  • Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg und historische Verantwortung
  • Literatur

Ideologische Ursprünge des Nationalsozialismus

Der Nationalsozialismus entstand nicht aus einer einzigen Lehre. Er griff auf völkischen Nationalismus, Antisemitismus, rassistische Menschenbilder und sozialdarwinistische Vorstellungen zurück. Diese Strömungen waren bereits vor dem Ersten Weltkrieg verbreitet. Völkische Autoren verstanden die Nation als angebliche Abstammungsgemeinschaft. Sie bestritten, dass Menschen unabhängig von Herkunft und Religion gleiche Rechte haben sollten. Jüdische Menschen wurden dabei als fremde und gefährliche Gruppe dargestellt, selbst wenn ihre Familien seit Generationen in Deutschland lebten.

Rassentheorien übertrugen die Vorstellung eines biologischen Kampfes auf gesellschaftliche Beziehungen. Aus kulturellen, religiösen und sozialen Unterschieden machten sie vermeintlich unveränderliche Eigenschaften. Wissenschaftliche Begriffe und Verfahren sollten solche Zuschreibungen glaubwürdig erscheinen lassen. Tatsächlich bildeten diese Einteilungen keine verlässliche Grundlage zur Erklärung menschlichen Verhaltens. Ihre politische Bedeutung lag darin, Ungleichheit, Ausgrenzung und Herrschaft als angeblich natürliche Ordnung auszugeben.

Die Niederlage von 1918, Revolution und wirtschaftliche Not verschärften die politischen Konflikte. Rechtsradikale Gruppen behaupteten mit der „Dolchstoßlegende“, das deutsche Heer sei durch Verrat im Inneren besiegt worden. Sie richteten diese Anschuldigung gegen Demokraten, Sozialisten und Juden. Der Versailler Vertrag wurde zum Symbol nationaler Demütigung. Der Nationalsozialismus verband solche Ressentiments mit dem Versprechen einer gewaltsamen Erneuerung. Diese Entwicklung war dennoch kein zwangsläufiges Ergebnis des Krieges: Andere politische Bewegungen vertraten demokratische, sozialistische oder konservative Antworten auf dieselben Krisen.

Der Nationalsozialismus stand zugleich im Zusammenhang mit faschistischen Bewegungen in anderen Ländern. Mit dem italienischen Faschismus teilte er den radikalen Nationalismus, die Feindschaft gegen parlamentarische Demokratie und die Verherrlichung politischer Gewalt. Aufmärsche, Uniformen und der Kult um einen Führer sollten Gemeinschaft und Entschlossenheit sichtbar machen. Hitler sah in Mussolinis Machtgewinn ein Vorbild. Ein Vergleich darf Unterschiede jedoch nicht verdecken: Im Nationalsozialismus besaßen rassistische Auslese und antisemitische Feindbilder eine besonders zentrale Stellung. Die Gemeinsamkeiten erklären deshalb weder alle Ziele noch den Verlauf der deutschen Bewegung. Auch das spätere Bündnis beider Regime bedeutete keine vollständige Übereinstimmung ihrer Ideologien, Herrschaftsstrukturen und Interessen. Historische Einordnung verlangt, gemeinsame Merkmale und besondere Entwicklungen zusammen zu untersuchen.

Adolf Hitler, die NSDAP und der Aufstieg der Bewegung

Im Januar 1919 entstand in München die Deutsche Arbeiterpartei. Hitler trat ihr im selben Jahr bei. 1920 benannte sie sich in NSDAP um und veröffentlichte ihr 25-Punkte-Programm. Es verband nationalistische Forderungen mit antisemitischer Ausgrenzung und sozialen Versprechen. Der Begriff „Sozialismus“ bezeichnete dabei keine Gleichberechtigung aller Menschen oder demokratische Kontrolle der Wirtschaft. Er wurde in eine rassistisch definierte Gemeinschaft eingeordnet; Marxismus und die unabhängige Arbeiterbewegung bekämpfte die Partei entschieden.

Hitler übernahm 1921 den Parteivorsitz. Die Sturmabteilung (SA) schützte Parteiveranstaltungen, störte Versammlungen von Gegnern und verbreitete Straßenterror. Nach dem gescheiterten Putschversuch im November 1923 wurde die Partei verboten. Während seiner Haft in Landsberg verfasste Hitler den ersten Teil von „Mein Kampf“. Das 1925 und 1926 veröffentlichte Werk verband autobiografische Selbstinszenierung mit antisemitischen Verschwörungsvorstellungen und der Forderung nach territorialer Eroberung.

Nach der Neugründung 1925 setzte die Partei auf Wahlen und organisatorischen Ausbau, ohne ihre gewaltsamen Ziele aufzugeben. In der Weltwirtschaftskrise ab 1929 gewann sie stark an Unterstützung. Propaganda, lokale Netzwerke, politische Gewalt und das Versprechen, widersprüchliche Interessen zu vereinen, trugen zum Aufstieg bei. Bei der Reichstagswahl im Juli 1932 wurde sie mit 37,3 Prozent stärkste Partei; eine Mehrheit der Stimmen erhielt sie in freien Reichstagswahlen nie. Konservative Politiker und wirtschaftliche Eliten unterstützten schließlich Hitlers Regierungsbildung in der Erwartung, ihn kontrollieren zu können. Diese Entscheidung öffnete der Bewegung den Zugang zur staatlichen Macht.

Antisemitismus als zentraler Kern

Der nationalsozialistische Antisemitismus war kein beiläufiges Vorurteil. Er bildete einen zentralen Bestandteil der Weltanschauung. Die Nationalsozialisten erklärten „die Juden“ zugleich zu angeblichen Verantwortlichen für Kapitalismus, Kommunismus, demokratische Politik und kulturellen Verfall. Diese widersprüchlichen Behauptungen funktionierten als Verschwörungserzählung: Sehr unterschiedliche Entwicklungen wurden einem einzigen, vermeintlich allmächtigen Feind zugeschrieben.

Jüdische Identität wurde rassistisch definiert. Religionswechsel, patriotisches Engagement oder Anpassung boten deshalb keinen Schutz. Das Regime bestimmte anhand der Abstammung von Großeltern, wen es als „Juden“ verfolgte. Die Nürnberger Gesetze von 1935 institutionalisierten Entrechtung und rassistische Eheverbote. Boykotte, Berufsverbote und Enteignungen drängten jüdische Menschen aus dem öffentlichen und wirtschaftlichen Leben. Während der Novemberpogrome 1938 wurden Synagogen zerstört, Menschen ermordet und Zehntausende Männer in Konzentrationslager verschleppt.

Der Übergang zum europäischen Massenmord vollzog sich in mehreren Schritten und im Zusammenhang mit dem Krieg. Ghettoisierung, Deportationen, Massenerschießungen und Vernichtungszentren gehörten dazu. Die Wannseekonferenz vom Januar 1942 koordinierte die Beteiligung von Behörden am bereits begonnenen Holocaust; sie war nicht dessen erstmaliger Beschluss. Etwa sechs Millionen jüdische Menschen wurden ermordet. Die konkreten Abläufe müssen untersucht werden, ohne den ideologischen Kern der Verfolgung aus dem Blick zu verlieren.

Rassismus, Auslese und „Lebensraum“

Die Nationalsozialisten ordneten Menschen nach einer behaupteten rassischen Rangfolge. An der Spitze stand die idealisierte „arische“ beziehungsweise „nordische“ Gruppe. Sinti und Roma wurden rassistisch verfolgt; gegenüber slawischen Bevölkerungen verband sich Abwertung mit Eroberungs- und Ausbeutungsplänen. Auch Menschen afrikanischer Herkunft erfuhren Diskriminierung und Gewalt. Die Behandlung der Betroffenen unterschied sich, doch gemeinsam war ihr die Verweigerung gleicher Menschenrechte.

Innerhalb der deutschen Gesellschaft sollte eine erbbiologische „Auslese“ stattfinden. Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen wurden zwangssterilisiert und im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde getötet. Der beschönigende Begriff „Euthanasie“ verdeckte diese Verbrechen. Medizinische und administrative Einrichtungen wirkten an ihrer Durchführung mit. Die Opfer wurden nicht aufgrund ihres Handelns verfolgt, sondern weil das Regime ihren Lebenswert bestritt.

Die Forderung nach „Lebensraum im Osten“ verband Rassismus mit Imperialismus. Osteuropa sollte deutschem Herrschafts- und Siedlungsgebiet einverleibt werden. Die dortige Bevölkerung sollte vertrieben, unterworfen, ausgebeutet oder ermordet werden. Der Angriff auf die Sowjetunion 1941 wurde entsprechend als rassistischer und antibolschewistischer Vernichtungskrieg geführt. Diese Ziele unterschieden sich grundlegend von einer bloßen Revision einzelner Grenzen.

Führerkult und die Ablehnung der Demokratie

Das „Führerprinzip“ stellte persönliche Gefolgschaft über demokratische Entscheidung und rechtsstaatliche Kontrolle. Hitler wurde als Verkörperung des Volkswillens inszeniert. Wahlen, parlamentarische Auseinandersetzungen und unabhängige Gerichte galten in dieser Vorstellung als Hindernisse. Seine behauptete außerordentliche Einsicht sollte politische Entscheidungen legitimieren, ohne dass sie öffentlich geprüft werden konnten.

Der Führerkult wurde durch Reden, Fotografien, Aufmärsche und Rituale verbreitet. Er machte Hitler zur Projektionsfläche unterschiedlicher Hoffnungen. Zugleich arbeiteten Partei- und Staatsfunktionäre daran, seine Wünsche vorwegzunehmen und ihre eigenen Maßnahmen damit zu begründen. Das bedeutet nicht, dass alle Menschen gleichermaßen begeistert waren oder Hitler jedes Detail selbst anordnete. Der Kult schuf jedoch einen zentralen Bezugspunkt für Loyalität, Zustimmung und die Rechtfertigung von Gewalt.

„Volksgemeinschaft“, Propaganda und gesellschaftliche Mobilisierung

Die „Volksgemeinschaft“ versprach, Klassenunterschiede und politische Konflikte zu überwinden. Dieses Versprechen beruhte auf Ausschluss: Nur wer nach den Kriterien des Regimes als zugehörig galt und sich politisch anpasste, sollte teilnehmen. Juden und weitere verfolgte Gruppen wurden ausgeschlossen. Soziale Unterschiede verschwanden auch unter den übrigen Deutschen nicht. Der Begriff diente dazu, Gehorsam, Opferbereitschaft und nationale Geschlossenheit einzufordern.

Organisationen wie Hitlerjugend, Bund Deutscher Mädel und Deutsche Arbeitsfront sollten Menschen in allen Lebensbereichen erfassen. Angebote für Freizeit und soziale Unterstützung verbanden sich mit ideologischer Erziehung und Kontrolle. Die Geschlechterordnung war widersprüchlich: Frauen wurden besonders als Mütter angesprochen, zugleich benötigte das Regime ihre Arbeit und ihre Mitwirkung in Organisationen. Die propagierte Gemeinschaft beruhte daher auf unterschiedlichen Rollen und einer hierarchischen Ordnung.

Propaganda verbreitete die Weltanschauung durch Presse, Rundfunk, Schule, Ausstellungen und Film. Sie verband offene Hetze mit Unterhaltung und scheinbar sachlicher Information. Antisemitische Filme wie „Jud Süß“ und „Der ewige Jude“ von 1940 nutzten Inszenierung, Montage und Kommentar zur Konstruktion von Feindbildern. Ihre Wirkung war abhängig vom Publikum und vom jeweiligen Zusammenhang. Propaganda arbeitete zudem zusammen mit Zensur und Terror; sie erklärt die Durchsetzung der Diktatur nicht allein.

Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg und historische Verantwortung

Die Bewegung gewann ihre zerstörerische Macht durch das Zusammenspiel von Ideologie, Organisation und staatlichen Möglichkeiten. Krieg und Besatzung eröffneten neue Räume für Ausbeutung und Massenmord. Die Verbrechen wurden von Menschen geplant und ausgeführt: von Parteifunktionären, Angehörigen von SS und Polizei, Militärs, Verwaltungsbeamten und weiteren Beteiligten. Antisemitismus und Rassismus erklärten die Opfer zu Feinden oder minderwertigen Menschen; konkrete Entscheidungen setzten diese Vorstellungen in Gewalt um.

Mit der Niederlage 1945 endete die NS-Herrschaft, doch antisemitische und rassistische Vorstellungen verschwanden nicht. Die historische Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus untersucht deshalb sowohl seine besonderen Entstehungsbedingungen als auch die Mechanismen von Ausgrenzung und Radikalisierung. Sie muss die Verantwortung der Handelnden benennen und die Erfahrungen der Verfolgten einbeziehen. Eine pauschale Erklärung allein durch Hitlers Persönlichkeit wird weder der Bewegung noch ihrer gesellschaftlichen Verankerung gerecht.

Autor: Lukas Schmitt

Literatur

Michael Wildt: Geschichte des Nationalsozialismus. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2008.

Michael Wildt: Volksgemeinschaft als Selbstermächtigung. Gewalt gegen Juden in der deutschen Provinz 1919 bis 1939. Hamburg: Hamburger Edition, 2007.

Wolfgang Benz: Geschichte des Dritten Reiches. 2. Auflage. München: C.H.Beck, 2019.

Ulrich Herbert: Wer waren die Nationalsozialisten? 3. Auflage. München: C.H.Beck, 2021.

Ulrich Herbert: Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. 3., um ein Nachwort erweiterte Auflage. München: C.H.Beck, 2023.

Ian Kershaw: Der Hitler-Mythos. Volksmeinung und Propaganda im Dritten Reich. Mit einer Einführung von Martin Broszat. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1980.

Richard J. Evans: Das Dritte Reich. Band 2: Diktatur. München: Deutsche Verlags-Anstalt, 2006.

Kurt Bauer: Nationalsozialismus. Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall. Wien/Köln/Weimar: Böhlau, 2008.

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