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Startseite > News > Hitlers Nerobefehl
Geschrieben von: Redaktion Zukunft braucht Erinnerung | Erstellt: 28. Januar 2026

Hitlers Nerobefehl

Zweiter Weltkrieg: Adolf Hitler erlässt im März 1945 den Nero-Befehl als Erlass für Zerstörungsmaßnahmen und verbrannte Erde im Reichsgebiet, um ein weiteres vordringen behindern zu können, da für Adolf Hitler das Volk verloren ist, wenn der Krieg verloren geht und der Kampf um die Existenz als Krieg verloren gilt; ein Befehl zur Zerstörung an Albert Speer (Speer) unter Hitler.

Zweiter Weltkrieg: Adolf Hitler erlässt im März 1945 den Nero-Befehl als Erlass für Zerstörungsmaßnahmen und verbrannte Erde im Reichsgebiet, um ein weiteres vordringen behindern zu können, da für Adolf Hitler das Volk verloren ist, wenn der Krieg verloren geht und der Kampf um die Existenz als Krieg verloren gilt; ein Befehl zur Zerstörung an Albert Speer (Speer) unter Hitler.

Der „Nerobefehl“. Adolf Hitler, Fernschreiben Speer Befehl betreffend Zerstörungsmaßnahmen im Reichsgebiet (cropped), als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons.

In der Endphase des größten Konflikts der Menschheitsgeschichte, als die Grenzen des Reiches unter dem Druck der vorrückenden Armeen aus Ost und West unaufhaltsam schrumpften, offenbarte sich der nihilistische Kern der nationalsozialistischen Ideologie in einer Radikalität, die selbst langjährige Weggefährten der Führung erschütterte. Das Jahr 1945 begann für die Menschen in Mitteleuropa unter dem Vorzeichen einer beispiellosen Katastrophe, während die militärische Lage an allen Fronten längst jede Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang geraubt hatte. Im Januar 1945 war die strategische Reserve der Wehrmacht nach dem Scheitern der Ardennenoffensive aufgebraucht und die Rote Armee stand bereits tief in den deutschen Ostgebieten, was eine Fluchtwelle ungeahnten Ausmaßes auslöste. In dieser Atmosphäre der allgemeinen Agonie verfestigte sich in der Reichskanzlei ein Gedanke, der nicht mehr den Sieg, sondern nur noch die absolute Vernichtung als letzte Konsequenz des Scheiterns vorsah. Adolf Hitler sah den Krieg nicht mehr als eine politische Auseinandersetzung, sondern als einen rassebiologischen Existenzkampf, in dem das vermeintlich schwächere Volk kein Recht auf ein Überleben nach der Niederlage besaß. Diese Überzeugung sollte schließlich in einer Weisung münden, die als eines der dunkelsten Dokumente der Endphase in die Annalen einging und die Existenzgrundlagen der Zivilbevölkerung für Jahrzehnte hätte auslöschen können.

Der Zweite Weltkrieg und die Agonie im Januar 1945

Der Januar 1945 markierte den endgültigen Wendepunkt, an dem die organisierte Verteidigung des Reiches in einen chaotischen Rückzugskampf überging, während die Industrie unter den ständigen Bombenangriffen der Alliierten fast vollständig zum Erliegen kam. In den Ruinen der Städte wuchs die Verzweiflung der Menschen, die zwischen den Durchhalteparolen der Propaganda und der harten Realität der Fronten zerrieben wurden. Während die militärische Führung verzweifelt versuchte, die Reste der Divisionen zu koordinieren, klammerte sich die politische Spitze an die Vorstellung, dass eine Politik der totalen Zerstörung dem Gegner nur verbrannte Erde hinterlassen dürfe. Es war eine Zeit, in der das Schicksal des Individuums gegenüber der ideologischen Konsequenz des Untergangs jede Bedeutung verloren hatte. Die infrastrukturelle Basis des Landes war zu diesem Zeitpunkt bereits schwer gezeichnet, doch die schlimmsten Befehle zur Selbstverstümmelung der Nation standen noch bevor. In den geheimen Besprechungen im Führerbunker zeichnete sich ab, dass die Führung bereit war, das gesamte Land in den Abgrund zu reißen, um den Triumph der Sieger zu schmälern. Der Glaube an Wunderwaffen war längst der Gewissheit gewichen, dass der Kampf um die Existenz verloren war, auch wenn dies offiziell noch niemand auszusprechen wagte. Somit bereitete die psychologische Verfassung der NS-Spitze den Boden für Maßnahmen, die weit über das militärisch Notwendige hinausgingen und rein destruktiven Charakter trugen.

Adolf Hitler erlässt den Zerstörungsbefehl im März 1945

Mitten in der finalen Phase des Zusammenbruchs, als amerikanische Truppen bereits den Rhein überschritten hatten, ereignete sich ein folgenschwerer bürokratischer Akt von apokalyptischem Ausmaß. Am 19. März 1945 unterzeichnete der Diktator eine Anordnung, die unter der Bezeichnung Nero-Befehl traurige Berühmtheit erlangen sollte und die systematische Vernichtung der deutschen Lebensgrundlagen forderte. Hitler begründete diesen Schritt damit, dass der Kampf um die Existenz des Volkes alle Mittel heilige und dem Feind keinerlei nutzbare Substanz in die Hände fallen dürfe. Es war der Tag, an dem Adolf Hitler erlässt, dass jede Rücksichtnahme auf die Zivilbevölkerung zu unterbleiben habe, falls diese den Maßnahmen im Wege stehen sollte. In der Logik des Regimes hatte sich das Volk als zu schwach erwiesen und damit sein Anrecht auf eine Zukunft nach dem Krieg verwirkt. Dieser Erlass war kein plötzlicher Impuls, sondern die logische Fortführung einer Ideologie, die den Tod dem Kompromiss vorzog. Die militärische Lage ließ keinen Zweifel daran, dass der Krieg verloren war, doch gerade dieser Umstand stachelte den Vernichtungswillen weiter an. Die Anweisungen waren präzise und ließen kaum Raum für Interpretationen, da sie alle Bereiche des öffentlichen Lebens betrafen. In der Reichskanzlei herrschte die Ansicht vor, dass ein Volk, das den Sieg nicht erringen konnte, auch keine Fabriken oder Brücken mehr benötigte.

Der Nerobefehl als Kulmination der Politik der verbrannten Erde im Reichsgebiet

Die Bezeichnung für diesen radikalen Zerstörungsbefehl leitet sich historisch von dem römischen Kaiser Nero ab, dem man nachsagt, er habe sein eigenes Rom in Brand stecken lassen, um Platz für neue Visionen zu schaffen. Der Nerobefehl sah vor, dass bei jedem Rückzug alle Industrie- und Versorgungsanlagen sowie Sachwerte innerhalb des Reichsgebietes, die dem Feind für die Fortführung des Kampfes oder zur Versorgung dienen könnten, vernichtet werden müssen. Hitler ordnet in diesem Zusammenhang an, dass keine Rücksicht auf die Bedürfnisse der Bevölkerung genommen werden darf, selbst wenn dies den Hungertod von Millionen bedeuten würde. Diese Politik der verbrannten Erde sollte sicherstellen, dass die Alliierten nur auf Trümmerwüsten stießen, die keinerlei logistischen Nutzen mehr boten. Es war ein Versuch, die Zeitgeschichte durch einen Akt der totalen Negation zu beenden und das deutsche Volk mit in den Untergang zu nehmen. In der Vorstellung der NS-Führung durfte es kein Deutschland nach Hitler geben, das auf den Resten der alten Ordnung florieren könnte. Die Radikalität dieses Vorgehens stellte selbst hartgesottene Funktionäre vor moralische und praktische Probleme, da sie die Zukunft ihrer eigenen Familien vernichtet sahen. Dennoch blieb der Befehl die offizielle Richtlinie für alle Dienststellen im Reichgebiet, die sich auf den Endkampf vorbereiteten. Die Zerstörungswut richtete sich dabei nicht mehr gegen den äußeren Feind, sondern gegen die eigene materielle Kultur.

Albert Speer zwischen Rettung und Zerstörung der deutschen Infrastruktur

In diesem Szenario des absoluten Wahnsinns nahm der Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion eine ambivalente und historisch viel diskutierte Rolle ein. Albert Speer, der lange Zeit als einer der engsten Vertrauten Hitlers galt, erkannte die verheerenden Folgen, die eine vollständige Zerstörung der deutschen Infrastruktur für das Überleben der Menschen nach dem Krieg haben würde. Er versuchte in den verbleibenden Wochen, die Durchführung  durch bürokratische Verzögerungen und direkte Sabotage zu verhindern oder zumindest abzumildern. Speer argumentierte gegenüber der Führung, dass die Industrie- und Versorgungsanlagen bei der Rückgewinnung verlorener Gebiete für eigene Zwecke wieder in Betrieb genommen werden müssten. In einem denkwürdigen Memorandum erklärte der Rüstungsminister, dass man dem Volk die Möglichkeit zum Wiederaufbau lassen müsse, wenn der Krieg verloren geht. Hitler reagierte auf diese Einwände mit eisiger Kälte und bekräftigte, dass das Volk verloren sei, wenn es diesen Kampf nicht gewinnt. Trotz der drohenden Gefahr für sein eigenes Leben reiste Speer durch das Land, um Gauleiter und militärische Befehlshaber davon zu überzeugen, die Befehle nicht oder nur scheinbar auszuführen. Es war ein gefährliches Spiel zwischen Loyalität und Realitätssinn, das Speer später in seinen Memoiren als Akt des Widerstands stilisierte. Dennoch bleibt festzuhalten, dass ohne seine Intervention die materielle Not der Nachkriegszeit noch weitaus katastrophaler ausgefallen wäre.

Der Befehl und die Zerstörung der Industrie- und Versorgungsanlagen im Reichgebiet

Die Liste der Ziele, die der Vernichtung anheimfallen sollten, war umfassend und umfasste nahezu jeden Bereich der modernen Zivilisation. Vor allem die Industrie- und Versorgungsanlagen sowie Sachwerte, die für die Energie- und Wasserversorgung essenziell waren, standen ganz oben auf der Prioritätenliste der Zerstörungskommandos. Der Befehl Hitlers vom 19. März forderte, dass alle Fabriken, Bergwerke und Kraftwerke so gründlich unbrauchbar gemacht werden sollten, dass sie in absehbarer Zeit nutzbar für den Gegner nicht mehr sein würden. Dies betraf nicht nur die Rüstungsindustrie, sondern auch lebensnotwendige Betriebe wie Molkereien, Schlachthöfe und Getreidesilos. Hitler begründete dies mit der Notwendigkeit, dem Feind jegliche Basis für eine Verwaltung des besetzten Territoriums zu entziehen. In vielen Regionen, wie die westfälische Geschichte dokumentiert, kam es zu Konflikten zwischen den örtlichen Wirtschaftsführern und den radikalen Parteifunktionären. Während die Techniker versuchten, die Maschinen zu retten, drängten die fanatisierten Gauleiter auf die sofortige Sprengung. Die Vorstellung, dass die Alliierten die deutschen Fabriken für ihre eigenen Zwecke wieder in Betrieb nehmen könnten, war für die Hardliner unerträglich. So wurde das industrielle Erbe einer ganzen Nation zum Spielball in einem verzweifelten Endzeitdrama. Die Folgen einer konsequenten Umsetzung wären die totale Deindustrialisierung und eine dauerhafte Hungersnot gewesen.

Nero-Befehl und Verkehrs- und Nachrichtenanlagen im Fadenkreuz der Zerstörung

Ein weiterer zentraler Aspekt des Vernichtungsprogramms betraf die Verkehrs- und Nachrichtenanlagen, die das logistische Rückgrat des Landes bildeten. Hitler ordnet an, dass sämtliche Brücken, Gleisanlagen, Signaleinrichtungen und Fernsprechämter gesprengt werden müssen, um das weitere Vordringen behindern zu können. Der Verkehr sollte im gesamten Land zum Erliegen kommen, was nicht nur die gegnerischen Armeen bremste, sondern auch die Fluchtbewegungen der eigenen Bevölkerung und die Lebensmittelverteilung unmöglich machte. Es wurde angeordnet, dass die militärischen Kommandobehörden für alle militärischen Objekte verantwortlich für die Durchführung seien, während die zivilen Stellen den Rest zu erledigen hatten. Besonders dramatisch war die Situation an den großen Flüssen, wo die Sprengung historischer Brücken oft ohne Rücksicht auf die angrenzenden Wohngebiete erfolgte. Der kurzfristig gelähmte Verkehrs- und Nachrichtenfluss sollte den Vormarsch der Alliierten zwar verzögern, erreichte jedoch militärisch nur noch wenig, da die Übermacht der Gegner längst zu groß war. Die Zerstörung der deutschen Verkehrsinfrastruktur war somit oft ein rein rachsüchtiger Akt gegen die eigene Bevölkerung, die nun buchstäblich im Chaos stehen gelassen wurde. Ingenieure, die sich weigerten, ihre eigenen Bauwerke zu vernichten, riskierten standrechtliche Erschießungen durch die fliegenden Standgerichte. In den letzten Wochen des Krieges wurde die Vernichtung der deutschen Bahn- und Kommunikationswege zum Symbol für die totale Selbstaufgabe.

Hitler ordnet das Ende an: Der Kampf um die Existenz

In der Rhetorik der letzten Monate wurde immer wieder betont, dass der Kampf um die Existenz des deutschen Volkes geführt werde, was jede Form von Opfern rechtfertige. Hitler am 19. März machte deutlich, dass Rücksichtnahme auf die Bevölkerung fallen gelassen werden müsse, da das Volk sich im Kampf als die schwächere Seite erwiesen habe. Diese darwinistische Sichtweise bedeutete, dass die nationalsozialistische Führung bereit war, ihr eigenes Volk zu opfern, wenn es den Sieg nicht garantieren konnte. Es war eine totale Abkehr von der ursprünglichen Propaganda, die das Wohl des Volkes stets als höchstes Ziel deklariert hatte. Der Zerstörungsbefehl Hitlers war der endgültige Bruch mit der Realität und der moralischen Verpflichtung eines Staatschefs gegenüber seinen Bürgern. In Berlin, wo Hitler einen Tag nach dem anderen in den tiefen Bunkern der Reichskanzlei verbrachte, schien die Welt außerhalb nur noch als abstrakte Karte zu existieren. Die Befehle zur Vernichtung der deutschen Lebensgrundlagen wurden per Funk und Kurier in alle noch nicht besetzten Gebiete geschickt. In dieser Phase des Wahnsinns spielten Männer wie Goebbels eine entscheidende Rolle, indem sie die Vernichtung als heroisches Opfer darstellten. Die Propaganda versuchte, die verbrannte Erde als eine Form des nationalen Widerstands zu verklären, die dem Feind den Sieg verleiden sollte. Doch für die Menschen vor Ort bedeutete jeder gesprengte Generator und jede zerstörte Wasserleitung ein Stück weniger Hoffnung auf das Überleben nach der Stunde Null.

Die Zerstörung der deutschen Lebensgrundlagen im Januar 1945

Obwohl der eigentliche Nerobefehl erst später kam, begann die systematische Zerstörung der deutschen Substanz bereits im Januar 1945 unter dem Eindruck der drohenden Niederlage im Osten. In den Gebieten jenseits von Oder und Neiße wurde bereits die Taktik der verbrannten Erde angewandt, um der Roten Armee keine Ressourcen zu hinterlassen. Die Maßnahmen betrafen hier oft ganze Städte und Dörfer, die bei der Räumung in Brand gesteckt wurden, was die Leiden der Flüchtlinge massiv erhöhte. Adolf Hitler wollte sicherstellen, dass nichts von dem, was unter seiner Herrschaft aufgebaut oder verwaltet wurde, den Siegern in die Hände fiel. Die Zerstörung der deutschen Infrastruktur war bereits in vollem Gange, bevor der offizielle Erlass die bürokratische Grundlage dafür schuf. Im Reichgebiet wuchs der Widerstand derer, die an ein Leben nach dem Krieg glaubten, gegen diese Form der Selbstvernichtung. Techniker und Beamte versuchten oft, die Zerstörungsbefehle Hitlers zu unterlaufen, indem sie vorgaben, die Sprengungen vorzubereiten, diese aber nie ausführten. Trotzdem wurden viele wichtige Anlagen im Frühjahr 1945 durch Fanatiker vernichtet, was den Wiederaufbau in der späteren Besatzungszeit erheblich erschweren sollte. Die psychologische Belastung für diejenigen, die ihre eigenen Lebensgrundlagen vernichten sollten, war enorm und führte oft zu tiefen inneren Konflikten. In dieser Zeit des totalen Zusammenbruchs war die Grenze zwischen Befehlsgehorsam und Vernunft oft fließend.

Das Ende im April 1945 und der Zusammenbruch

Als der April 1945 anbrach, war das Reich nur noch ein Torso, der von den alliierten Zangenbewegungen zermalmt wurde, während in Berlin die letzte Schlacht tobte. Hitler ordnet in seinen letzten Tagen immer noch hanebüchene Zerstörungsaktionen an, obwohl er kaum noch über die Mittel verfügte, diese zu überwachen. Der Zerstörungsbefehl Hitlers blieb formal in Kraft, doch die Befehlswege waren weitgehend unterbrochen und die Autorität der Zentrale schwand mit jedem Kilometer, den die Panzer der Alliierten vorrückten. Rüstungsminister Speer nutzte diese Situation aus, um die Gauleiter und Reichsbahndirektionen direkt anzuweisen, die Zerstörungsmaßnahmen einzustellen. Er behauptete oft wahrheitswidrig, er handele im Namen der obersten Führung, um die Durchführung zu verhindern. Im Mai 1945, nach dem Selbstmord Hitlers und der Kapitulation der Wehrmacht, wurde das volle Ausmaß der Verwüstung sichtbar. Viele Brücken lagen in den Flüssen, die Bahnhöfe waren Trümmerhaufen und die Stromversorgung war in weiten Teilen des Landes zusammengebrochen. Es war ein Bild des Grauens, das jedoch ohne die gezielte Sabotage des Nerobefehls durch vernünftige Kräfte noch weitaus schlimmer hätte sein können. Die Zerstörung der deutschen Industrie war zwar massiv, aber nicht so vollständig, wie es der Diktator in seinem Wahn am 19. März gefordert hatte. Das Land stand vor einem Neuanfang inmitten von Ruinen, die teils durch feindliche Bomben und teils durch den eigenen Vernichtungswillen entstanden waren.

Nachspiel und historische Bewertung der Zerstörung der deutschen Wirtschaft

Die historische Aufarbeitung dieser Ereignisse begann unmittelbar nach Kriegsende, wobei die Rolle von Albert Speer besonders im Fokus der Nürnberger Prozesse im November 1945 stand. Speer stilisierte sich erfolgreich als derjenige, der all das verhindert habe, was ihm half, der Todesstrafe zu entgehen. Neuere Forschungen zeigen jedoch ein differenzierteres Bild und betonen, dass auch viele lokale Beamte und sogar Offiziere den Nero-Befehl aus Pragmatismus ignorierten. Die Legende vom guten Techniker Speer, der dem bösen Hitler die Stirn bot, wurde über Jahrzehnte gepflegt, muss aber im Kontext seiner tiefen Verstrickung in das System kritisch gesehen werden. Dennoch bleibt der Nero-Befehl das ultimative Beispiel für eine Herrschaft, die am Ende bereit war, die eigene Existenzgrundlage und das deutsche Volk zu opfern. Die Zerstörung sind die militärischen Kommandobehörden oft nur dort mit letzter Konsequenz angegangen, wo sie sich einen unmittelbaren taktischen Vorteil versprachen. In der kollektiven Erinnerung bleibt die verbrannte erde zurücklassen als ein Warnsignal dafür, wie Ideologie den nackten Überlebensinstinkt außer Kraft setzen kann. Die westfälische Geschichte und die Regionalhistorie anderer Bundesländer bieten zahlreiche Belege dafür, wie knapp Deutschland einer noch größeren materiellen Vernichtung entgangen ist. Heute erinnern die wenigen erhaltenen Monumente der Vorkriegsindustrie an die Zerbrechlichkeit der Zivilisation gegenüber dem totalitären Wahn. Das Erbe dieser Zeit ist nicht nur der Schmerz der Niederlage, sondern auch die Erkenntnis über die destruktive Kraft einer Führung, die das Ende des eigenen Regimes mit dem Ende der Nation gleichsetzte.

Literatur

Fest, Joachim: Speer. Eine Biographie. Berlin 1999.

Kershaw, Ian: Das Ende. Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944 bis 1945. München 2011.

Schmidt, Matthias: Albert Speer. Das Ende eines Mythos. Speers wahre Rolle im Dritten Reich. München 1982.

Tooze, Adam: Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus. München 2007.

Evans, Richard J.: Das Dritte Reich. Band 3: Krieg. München 2009.

Sereny, Gitta: Albert Speer. Sein Ringen mit der Wahrheit. München 1995.

Henschel, Chris: Die deutsche Industrie im Endkampf 1945. Zerstörung und Wiederaufbau. Frankfurt am Main 2005.

Rebentisch, Dieter: Führerstaat und Verwaltung im Zweiten Weltkrieg. Verfassungsgeschichte der deutschen Kriegswirtschaft. Stuttgart 1989.

Bundesarchiv: Die Endphase des Zweiten Weltkrieges und die Zerstörung der Infrastruktur. www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/zweiter-weltkrieg/ende-1945/

Institut für Zeitgeschichte (IfZ): Dokumentation zum Befehl über Zerstörungsmaßnahmen im Reichsgebiet. www.ifz-muenchen.de/archiv/zs/nero-erlass/

Landesarchiv NRW: Westfälische Geschichte und der Rückzug der Wehrmacht 1945. www.archive.nrw.de/westfalen/themen/kriegsende-1945/

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