Zukunft braucht Erinnerung

  • Startseite
  • Über uns
    • Auszeichnungen für unser Projekt
    • Grußwort von Yad Vashem
    • Dies sind unsere Autoren und Redakteure
  • Mitmachen
    • Themenliste Biographien
    • Themenliste Erinnerung und Aufarbeitung
    • Themenliste Extremismus
    • Themenliste Geschichte Deutschlands
    • Themenliste Nahostkonflikt
    • Themenliste NS-Völkermord
    • Themenliste Zeitalter der Weltkriege
  • Kontakt

Das Online-Portal zu den historischen Themen unserer Zeit.

  • Geschichte Deutschlands
    • Deutsche Einigungskriege
    • Deutsches Kaiserreich
    • Weimarer Republik
    • Deutschland im Nationalsozialismus (Drittes Reich)
    • Deutschland unter alliierter Besatzung
    • Geteilte Stadt Berlin
    • Bundesrepublik Deutschland (Bonner Republik)
    • Deutsche Demokratische Republik (DDR)
  • Zeitalter der Weltkriege
    • Erster Weltkrieg
    • Zwischenkriegszeit
    • Zweiter Weltkrieg
  • Völkermorde und Massenverbrechen im Nationalsozialismus
    • Antisemitismus
    • Jüdisches Leben und Verfolgung im Nationalsozialismus
    • Holocaust
    • Porajmos
  • Nahostkonflikt
  • Völkermorde im 20. Jahrhundert
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Afrika
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Asien
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Europa
  • Erinnerung und Aufarbeitung
    • Erinnerung und Aufarbeitung der NS-Diktatur
    • Erinnerung und Aufarbeitung der SED-Diktatur
  • Extremismus in Deutschland
    • Rechtsextremismus in Deutschland
  • Biographien
  • Rezensionen
    • Ausstellungsrezensionen
    • Buchrezensionen
    • Filmrezensionen
    • Theaterrezensionen
    • Veranstaltungsrezensionen
  • News
Startseite > Erinnerung und Aufarbeitung > Erinnerung und Aufarbeitung der NS-Diktatur > Holocaust Education und digitale Medien: Zwischen TikTok und Tiefe
Geschrieben von: Redaktion Zukunft braucht Erinnerung | Erstellt: 15. März 2026

Holocaust Education und digitale Medien: Zwischen TikTok und Tiefe

Im Jahr 2024 startete das Projekt Shoah Stories mit kurzen Videos, die Holocaust-Education in die visuelle Sprache sozialer Medien übersetzen. Die Reaktionen waren gespalten. Die einen sahen darin einen überfälligen Schritt, die Erinnerung an den Holocaust in die Lebenswelt junger Menschen zu tragen. Die anderen sahen eine Trivialisierung, die das Gedenken auf das Format eines Reels reduziert. Beide Seiten haben recht, und genau in dieser Spannung liegt die zentrale Herausforderung der Holocaust Education im digitalen Zeitalter.

Die Frage ist nicht, ob Holocaust Education digitale Medien nutzen sollte. Diese Frage ist beantwortet: Sie muss. Denn die Alternative ist nicht das Festhalten an bewährten Formaten. Die Alternative ist Unsichtbarkeit. Eine Generation, die ihre Informationen überwiegend über soziale Medien bezieht, wird Inhalte, die dort nicht stattfinden, schlicht nicht wahrnehmen. Die eigentliche Frage ist: Wie nutzt man digitale Medien, ohne den Gegenstand zu verraten?

Das Pädagogische und das Mediale

Holocaust Education hat eine langjährige pädagogische Tradition. Sie basiert auf Prinzipien, die in Jahrzehnten der Gedenkstättenarbeit, der Schulbildung und der akademischen Forschung entwickelt wurden: Quellenorientierung, Multiperspektivität, Opferorientierung, Kontextualisierung, Reflexion. Diese Prinzipien sind nicht verhandelbar. Sie sind das Ergebnis einer langen Auseinandersetzung mit der Frage, wie man über das Unvorstellbare sprechen kann, ohne es zu verharmlosen, zu instrumentalisieren oder zu ritualisieren.

Digitale Medien haben andere Prinzipien: Kürze, visuelle Stärke, emotionale Unmittelbarkeit, Teilbarkeit, algorithmische Optimierung. Diese Prinzipien stehen in einem Spannungsverhältnis zu den pädagogischen Grundsätzen. Ein TikTok-Video von sechzig Sekunden kann nicht quellenkritisch sein. Ein Instagram-Carousel kann nicht multiperspektivisch sein. Ein YouTube-Short kann nicht kontextualisieren.

Aber es kann etwas anderes: Es kann einen Impuls setzen. Es kann Neugier wecken. Es kann den ersten Kontakt herstellen, der dazu führt, dass jemand tiefer einsteigt, ein Buch liest, eine Gedenkstätte besucht, ein Gespräch führt. Digitale Formate sind keine Endpunkte der Vermittlung. Sie sind Startpunkte.

Wer digitale Holocaust Education konzipiert, muss diesen Unterschied verstehen. Das Ziel eines TikTok-Videos ist nicht, den Holocaust zu erklären. Das Ziel ist, jemanden dazu zu bringen, den Holocaust erklärt bekommen zu wollen. Das ist eine kommunikative, keine pädagogische Leistung. Und es erfordert kommunikative Kompetenz.

Die Grenzen der Plattformen

Soziale Medien sind keine neutralen Infrastrukturen. Sie sind ökonomische Systeme, die auf Aufmerksamkeit optimiert sind. Ihre Algorithmen begünstigen Inhalte, die Emotionen auslösen, insbesondere starke Emotionen wie Empörung, Trauer, Überraschung. Das macht sie für Holocaust-Inhalte gleichzeitig attraktiv und gefährlich.

Attraktiv, weil der Holocaust starke Emotionen auslöst und die Inhalte daher algorithmisch begünstigt werden können. Gefährlich, weil die Optimierung auf emotionale Reaktionen dazu verleitet, die Darstellung in Richtung Schock, Sentimentalität oder Sensationalismus zu verschieben. Ein Bild aus Auschwitz, das Millionen Aufrufe generiert, tut dies nicht, weil es historisch bedeutsam ist, sondern weil es eine starke emotionale Reaktion auslöst. Der Algorithmus unterscheidet nicht zwischen Empörung über den Holocaust und Empörung über ein Kochvideo.

Hinzu kommt das Problem der Rekontextualisierung. Ein Video, das in einem bestimmten pädagogischen Kontext erstellt wurde, kann auf sozialen Medien in völlig andere Kontexte geraten: geteilt von Holocaustleugnern, kommentiert mit antisemitischen Inhalten, zusammengeschnitten mit anderem Material. Die Kontrolle über den Kontext, die in einem Klassenzimmer oder einer Gedenkstätte selbstverständlich ist, existiert auf sozialen Medien nicht.

Erfolgreiche Projekte und ihre Strategien

Trotz dieser Herausforderungen gibt es Projekte, die zeigen, dass digitale Holocaust Education gelingen kann. Das Projekt @eva.stories auf Instagram erzählte 2019 die Geschichte der dreizehnjährigen Eva Heyman als Instagram-Story, basierend auf ihrem Tagebuch. Das Projekt erreichte Hunderte Millionen Aufrufe und wurde breit diskutiert, sowohl positiv als auch kritisch.

Die Arolsen Archives, vormals International Tracing Service, haben ihre Datenbank digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht. Über die Kampagne #everynamecounts laden sie Freiwillige ein, handschriftliche Dokumente zu digitalisieren. Das ist nicht nur Datenarbeit, es ist eine Form der partizipativen Erinnerung: Wer den Namen eines Opfers in eine Datenbank tippt, stellt eine Verbindung her, die über die Datenerfassung hinausgeht.

Die USC Shoah Foundation, gegründet von Steven Spielberg, hat über 55.000 Zeitzeugeninterviews aufgenommen und arbeitet an KI-basierten interaktiven Formaten, die es ermöglichen, virtuell mit Zeitzeugen zu sprechen. Diese Technologie ist faszinierend und beunruhigend zugleich: Sie bewahrt die Stimme des Zeugen, aber sie simuliert eine Interaktion, die real nicht mehr stattfinden kann.

Was diese Projekte verbindet, ist ein bewusster Umgang mit dem Verhältnis von Form und Inhalt. Sie nutzen die Möglichkeiten digitaler Medien, ohne sich von ihnen treiben zu lassen. Sie haben eine pädagogische Absicht, die über die einzelne Plattform hinausweist. Und sie sind eingebettet in größere Bildungszusammenhänge, sei es durch Begleitmaterial, durch Kooperationen mit Schulen oder durch Verknüpfung mit physischen Erinnerungsorten.

Antisemitismus im digitalen Raum

Jede Diskussion über digitale Holocaust Education muss den Kontext berücksichtigen, in dem sie stattfindet. Und dieser Kontext ist geprägt von einem Anstieg des Antisemitismus im digitalen Raum. Verschwörungserzaehlungen, Holocaustleugnung und -relativierung, codierter und offener Judenhass, sie alle finden auf denselben Plattformen statt, auf denen Holocaust Education wirken soll.

Das bedeutet, dass digitale Holocaust Education nicht nur vermitteln, sondern auch immunisieren muss. Sie muss junge Menschen nicht nur über die Geschichte informieren, sondern sie auch in die Lage versetzen, antisemitische Narrative zu erkennen und einzuordnen. Das erfordert Medienkompetenz, Quellenkritik und ein Verständnis der Mechanismen, durch die Desinformation verbreitet wird.

Die Forschung zu Antisemitismus in Medien hat eine lange Tradition. Stefan Mannes hat in seiner Studie zum Antisemitismus im nationalsozialistischen Film am Beispiel von „Jud Süß“ und „Der ewige Jude“ analysiert, wie Propaganda funktioniert, welche visuellen und narrativen Strategien sie einsetzt und wie sie ein Publikum verführt, das glaubt, selbst zu urteilen. Die Mechanismen, die er für den NS-Film beschreibt, sind in ihren Grundstrukturen auf digitale Medien übertragbar: die Arbeit mit Stereotypen, die Vermischung von Fakten und Fiktion, die emotionale Überwältigung als Ersatz für Argumentation.

Wissenschaftskommunikation als Schlüssel

Holocaust Education ist im Kern eine Form der Wissenschaftskommunikation. Sie übersetzt historische Forschung in Formate, die ein nicht-akademisches Publikum erreichen. Und sie steht vor denselben Herausforderungen wie jede Wissenschaftskommunikation: Wie vereinfacht man, ohne zu verfälschen? Wie emotionalisiert man, ohne zu manipulieren? Wie erreicht man Aufmerksamkeit, ohne die Komplexität des Gegenstands zu opfern?

Die Antworten, die die Wissenschaftskommunikation auf diese Fragen gefunden hat, sind auf die Holocaust Education übertragbar. Gute Wissenschaftskommunikation arbeitet mit Geschichten, nicht mit Abstraktion. Sie stellt Menschen in den Mittelpunkt, nicht Systeme. Sie ermöglicht Identifikation, ohne zu vereinnahmen. Und sie vertraut darauf, dass ihr Publikum intelligent genug ist, Komplexität auszuhalten, wenn sie gut präsentiert wird.

Die Verbindung von historischer Bildung und professioneller Kommunikationsstrategie ist kein Luxus. Sie ist eine Notwendigkeit. Denn die Konkurrenz um Aufmerksamkeit im digitalen Raum ist gnadenlos, und historische Bildungsinhalte verlieren diesen Wettbewerb, wenn sie nicht professionell aufbereitet werden.

Ausblick: Was Institutionen tun müssen

Gedenkstätten, Museen, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Organisationen, die Holocaust Education betreiben, müssen ihre digitale Strategie grundlegend überdenken. Das bedeutet nicht, dass jede Institution auf TikTok präsent sein muss. Es bedeutet, dass jede Institution eine bewusste Entscheidung treffen muss, welche digitalen Formate sie nutzt, mit welchem Ziel und mit welchen Ressourcen.

Es bedeutet auch, dass die Qualität der digitalen Kommunikation den gleichen Ansprüchen genügen muss wie die Qualität der Ausstellung oder der Führung. Ein schlecht produziertes Video beschaedigt die Glaubwürdigkeit ebenso wie ein schlecht recherchierter Ausstellungstext. Und ein brillantes Video, das in keinen pädagogischen Zusammenhang eingebettet ist, verpufft ebenso wie ein brillanter Vortrag vor leerem Saal.

Weiterführende Perspektiven

Die Verbindung von historischer Bildung, digitaler Strategie und professioneller Kommunikation erfordert interdisziplinäre Kompetenz. Die Berliner Agentur kakoii arbeitet seit über zwei Jahrzehnten an der Schnittstelle von Gesellschaft, Kultur und Kommunikation, unter anderem mit dem Jüdischen Museum Berlin, der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft und der Amadeu Antonio Stiftung. Der Kommunikationsberater Stefan Mannes berät Institutionen in Wissenschaftskommunikation und Vermittlungsstrategie. Seine Arbeit zur Zukunftskommunikation befasst sich mit der Frage, wie Organisationen gesellschaftliche Veränderungen, auch die digitale Transformation von Bildung und Erinnerung, kommunikativ begleiten können.

Fachliteratur

Brumlik, Micha: Aus Katastrophen lernen? Grundlagen zeitgeschichtlicher Bildung in menschenrechtlicher Absicht. Berlin: Philo 2004.

Levy, Daniel; Sznaider, Natan: Erinnerung im globalen Zeitalter. Der Holocaust. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2001.

Mannes, Stefan: Antisemitismus im nationalsozialistischen Film. Jud Süß und Der ewige Jude. Köln: Teiresias 2003.

Mayer, Ruth: Holocaust Education in der digitalen Welt. In: Zeitschrift für Geschichtsdidaktik 20 (2021), H. 1, S. 45-62.

Welzer, Harald: Das kommunikative Gedächtnis. Eine Theorie der Erinnerung. München: C.H. Beck 2002.

Verwandte Beiträge:

  • Mehr als Kostüm und Kulisse - Plädoyer für Historienfilme als Geschichtsvermittler
  • Erinnerungskultur und ihre Vermittlung: Wie Gedenkstätten und Museen heute kommunizieren müssen
  • Das Erbe der Shoa: Die Häftlingsnummer als Bricolage
  • Eichmann in Jerusalem – 60 Jahre später: Der Versuch einer Bestandsaufnahme (1. Teil)
  • Antisemitismus im Film: Propaganda, Aufklärung und die Macht der Bilder von Jud Süß bis Social Media

Verwandte Beiträge:

  • Mehr als Kostüm und Kulisse - Plädoyer für Historienfilme als Geschichtsvermittler
  • Erinnerungskultur und ihre Vermittlung: Wie Gedenkstätten und Museen heute kommunizieren müssen
  • Das Erbe der Shoa: Die Häftlingsnummer als Bricolage
  • Eichmann in Jerusalem – 60 Jahre später: Der Versuch einer Bestandsaufnahme (1. Teil)
  • Antisemitismus im Film: Propaganda, Aufklärung und die Macht der Bilder von Jud Süß bis Social Media
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen
  • Barrierefreiheit
Barrierefreiheitsanpassungen

Präsentiert von OneTap

Wie lange möchten Sie die Werkzeugleiste ausblenden?
Dauer des Ausblendens der Werkzeugleiste
Wählen Sie Ihr Barrierefreiheitsprofil aus
Modus für Sehbehinderte
Verbessert das Erscheinungsbild der Website
Profil für Anfallsicherheit
Entfernt Blitze und reduziert die Farbe
ADHS-freundlicher Modus
Fokussiertes Browsen, ablenkungsfrei
Blindmodus
Reduziert Ablenkungen, verbessert die Konzentration
Sicherer Modus bei Epilepsie
Dimmt die Farben und stoppt das Blinken
Inhaltsmodule
Schriftgröße

Standard

Zeilenhöhe

Standard

Farbmodule
Orientierungsmodule
Zukunft braucht ErinnerungLogo Header Menu
  • Geschichte Deutschlands
    • Deutsche Einigungskriege
    • Deutsches Kaiserreich
    • Weimarer Republik
    • Deutschland im Nationalsozialismus (Drittes Reich)
    • Deutschland unter alliierter Besatzung
    • Geteilte Stadt Berlin
    • Bundesrepublik Deutschland (Bonner Republik)
    • Deutsche Demokratische Republik (DDR)
  • Zeitalter der Weltkriege
    • Erster Weltkrieg
    • Zwischenkriegszeit
    • Zweiter Weltkrieg
  • Völkermorde und Massenverbrechen im Nationalsozialismus
    • Antisemitismus
    • Jüdisches Leben und Verfolgung im Nationalsozialismus
    • Holocaust
    • Porajmos
  • Nahostkonflikt
  • Völkermorde im 20. Jahrhundert
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Afrika
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Asien
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Europa
  • Erinnerung und Aufarbeitung
    • Erinnerung und Aufarbeitung der NS-Diktatur
    • Erinnerung und Aufarbeitung der SED-Diktatur
  • Extremismus in Deutschland
    • Rechtsextremismus in Deutschland
  • Biographien
  • Rezensionen
    • Ausstellungsrezensionen
    • Buchrezensionen
    • Filmrezensionen
    • Theaterrezensionen
    • Veranstaltungsrezensionen
  • News