
Karl Dönitz als Großadmiral, NS-Propagandasammelbild, 1943. Bundesarchiv, Bild 146-1976-127-06A / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 146-1976-127-06A, Karl Dönitz, CC BY-SA 3.0 DE
Die deutsche Marine – offiziell seit 1935 „Kriegsmarine“ genannt – stand im Zweiten Weltkrieg im Schatten der gigantischen Landschlachten und der Luftkriegsoperationen. Dennoch spielte sie eine bedeutsame, wenn auch letztlich untergeordnete Rolle im Verlauf des Krieges. Die Kriegsmarine war bei Kriegsbeginn vergleichsweise klein und der britischen Royal Navy deutlich unterlegen. Trotzdem erzielte sie anfänglich einige spektakuläre Erfolge, etwa durch ihre U-Boote im Atlantik und einzelne wagemutige Einsätze schwerer Überwasserschiffe. Im weiteren Kriegsverlauf zeigten sich jedoch die strukturellen Schwächen und strategischen Fehlentscheidungen: Die anfänglichen Siege währten nicht lange, die Verluste an Schiffen und Besatzungen stiegen rasant und spätestens ab 1943 musste die deutsche Marine fast überall in die Defensive gehen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war die deutsche Kriegsflotte weitgehend vernichtet; nur eine Handvoll Schiffe kapitulierte im Mai 1945 vor den Alliierten. Dennoch hinterließ die Geschichte der deutschen Marine im Zweiten Weltkrieg ein facettenreiches Bild aus Mut und Opferbereitschaft der Seeleute, technischen Innovationen, aber auch Fehleinschätzungen der Führung – ein Bild, das in der historischen Betrachtung kritisch hinterfragt wird.
Aufrüstung und Ausgangslage vor 1939
Nach dem Ersten Weltkrieg war Deutschland durch den Versailler Vertrag strengen militärischen Beschränkungen unterworfen. Der Aufbau einer modernen Flotte war stark limitiert: U-Boote und Flugzeugträger waren verboten, und die kleine Reichsmarine durfte nur ältere Einheiten in begrenzter Zahl besitzen. Doch ab 1933, mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, begann ein massives verdecktes Aufrüstungsprogramm. Die Marineführung unter Admiral Erich Raeder plante ehrgeizig, Deutschlands Seemacht wiederherzustellen. 1935 wurde die Reichsmarine offiziell in „Kriegsmarine“ umbenannt. Im gleichen Jahr lockerte das Deutsch-Britische Flottenabkommen die Versailler Begrenzungen: Deutschland durfte nun bis zu 35 % der Tonnage der Royal Navy an Überwasserschiffen und 45 % bei U-Booten bauen. Auf dieser Basis entwarf die Kriegsmarine das gigantische „Plan Z“-Rüstungsprogramm. Plan Z, von Hitler Anfang 1939 gebilligt, sah bis 1945 eine Flotte von etwa 800 Einheiten vor, darunter vier Flugzeugträger, zehn Schlachtschiffe, zwölf schwere Kreuzer (Schlachtkreuzer) und fast 250 U-Boote. Dies sollte Großbritanniens Seemacht herausfordern. Allerdings war Plan Z bei Kriegsbeginn im September 1939 kaum zu einem Fünftel umgesetzt – es fehlten Zeit, Werftkapazitäten und Rohstoffe. Am 1. September 1939 zählte die Kriegsmarine rund 78.000 Mann Personal und war für eine direkte Konfrontation mit den großen Seemächten noch nicht gerüstet. Angesichts des unmittelbar ausbrechenden Krieges wurde Plan Z sofort auf Eis gelegt: Statt großer Schlachtschiffe und Träger konzentrierte man sich nun auf den raschen U-Boot-Bau, um zumindest im Handelskrieg gegen Großbritannien Wirkung zu erzielen. Diese strategische Weichenstellung – weg von einer Ausgleichsflotte hin zur asymmetrischen U-Boot-Strategie – sollte den Charakter des Seekriegs in den kommenden Jahren prägen.
Blitzstart auf See: Erfolge und Rückschläge 1939–1941
Beim deutschen Überfall auf Polen im September 1939 spielte die Marine zunächst eine Nebenrolle. Einige ältere Einheiten wie das Linienschiff Schleswig-Holstein beschossen polnische Küstenstellungen (die Westerplatte in Danzig), doch größere Seegefechte blieben in diesem Feldzug aus. Weitaus folgenreicher war der unmittelbar beginnende U-Boot-Krieg im Atlantik: Bereits in den ersten Kriegswochen erzielten deutsche U-Boote beachtliche Erfolge gegen die britische Handelsschifffahrt und Marine. Im September 1939 versenkte U 30 den britischen Passagierdampfer Athenia (irrtümlich, am ersten Kriegstag), und wenig später torpedierte U 29 den britischen Flugzeugträger HMS Courageous. Am 14. Oktober 1939 drang U 47 unter Kapitänleutnant Günther Prien heimlich in die stark befestigte Bucht von Scapa Flow ein und versenkte dort das britische Schlachtschiff HMS Royal Oak. Diese Vorstöße schockierten die britische Öffentlichkeit und signalisierten, dass die Kriegsmarine zumindest mit ihren U-Booten gefährlich zuschlagen konnte. Zur gleichen Zeit liefen auch deutsche Überwasserkampfschiffe zu Handelsstörkreuzer-Unternehmen aus. Der Panzerschiff (sogenannte „Taschenschlachtschiff“) Admiral Graf Spee etwa operierte im Südatlantik erfolgreich gegen alliierte Frachter. Im Dezember 1939 wurde die Graf Spee jedoch von überlegenen britischen Kreuzern in der Schlacht vor dem Río de la Plata gestellt. Nach einem Gefecht und auflaufender Munitionsknappheit sah sich Kapitän Hans Langsdorff gezwungen, das beschädigte Schiff im Hafen von Montevideo selbstzuversenken, um eine aussichtslose Endschlacht zu vermeiden. Diese Ereignisse zeigten bereits früh die Begrenzungen der deutschen Überwasserflotte auf: Mutige Einzelaktionen konnten zwar Aufsehen erregen, doch gegen die zahlenmäßig weit überlegene Royal Navy gerieten deutsche Kriegsschiffe rasch in Bedrängnis.
Im Frühjahr 1940 folgte dann der bis dahin größte Einsatz der Kriegsmarine: die Invasion Norwegens (Unternehmen Weserübung). Da Norwegen für die Versorgung mit schwedischem Eisenerz strategisch wichtig war, landeten deutsche Truppen im April 1940 gleichzeitig in mehreren norwegischen Häfen – transportiert und unterstützt von zahlreichen Marineeinheiten. Dieser kühn geplante Handstreich gelang zwar insgesamt, doch die Kriegsmarine erlitt empfindliche Verluste. Im Oslofjord wurde der schwere Kreuzer Blücher von norwegischen Küstenbatterien überraschend torpediert und versenkt, was die Besetzung Oslos verzögerte. In den Fjorden um Narvik gerieten zehn deutsche Zerstörer in zwei Gefechten mit der Royal Navy: Alle zehn gingen verloren, die Hälfte der seinerzeitigen Zerstörerflotte der Kriegsmarine. Zudem sanken oder strandeten der leichte Kreuzer Königsberg (durch britische Fliegerbomben) und der alte Schulkreuzer Karlsruhe. Auf der Habenseite konnte die Kriegsmarine im Norwegenfeldzug immerhin ebenfalls britische Verluste verursachen – darunter das britische Flugzeugträger-Schiff HMS Glorious, das auf der Rückfahrt von Norwegen durch die deutschen Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau gestellt und in einem überraschenden Artilleriegefecht versenkt wurde. Dennoch war das Fazit nach Norwegen zwiespältig: Die Besetzung Norwegens glückte und verschaffte den deutschen U-Booten künftig wichtige Stützpunkte an der norwegischen Küste, aber die deutsche Flotte bezahlte diesen Erfolg mit einem großen Teil ihrer Zerstörer und einigen Kreuzern. Damit fehlten der Kriegsmarine in der Folge ausreichend Überwasserschiffe, um z.B. eine geplante Invasion Englands (Unternehmen Seelöwe) wirksam zu decken. Tatsächlich bezweifelten selbst deutsche Marineoffiziere 1940, dass man mit den wenigen intakten schweren Einheiten und ohne Luftherrschaft einen britischen Interventionseinsatz im Ärmelkanal hätte abwehren können. So blieb die Luftschlacht um England letztlich ohne nachfolgende Invasion; Seelöwe wurde abgesagt, womit die Marine fürs Erste von diesem Risiko entlastet war.
Nach dem Sieg über Frankreich im Juni 1940 änderte sich die strategische Lage auf See spürbar. Durch die Eroberung französischer Atlantikhäfen – etwa Brest, Lorient und La Rochelle – gewann die Kriegsmarine wertvolle Stützpunkte direkt am Atlantik. Dies ermöglichte es der U-Boot-Flotte, ohne lange Anmarschwege tief in den Atlantik vorzudringen. Die erste Phase des U-Boot-Krieges von Mitte 1940 bis Ende 1941 wird im Nachhinein oft als „glückliche Zeit“ der deutschen U-Boote bezeichnet. In dieser Periode waren die Geleitzug-Eskorten der Alliierten noch unzureichend und es fehlte an effektivem Radarschutz für die Frachtschiffe. Dutzende deutsche Unterseeboote – im Atlantik häufig in der berüchtigten Rudeltaktik operierend – konnten enorme Tonnagen an alliierter Handelsschifffahrt versenken. Allein im Herbst 1940 erreichten die Versenkungsziffern Rekordstände; U-Boote wie U 48 oder U 100 mit ihren erfolgreichen Kommandanten (etwa Günther Prien, Otto Kretschmer und Joachim Schepke) wurden in der deutschen Propaganda zu gefeierten „U-Boot-Asen“. Großadmiral Raeder und insbesondere der U-Boot-Führer Konteradmiral Karl Dönitz waren überzeugt, dass ein massierter U-Boot-Krieg Großbritannien in die Knie zwingen könnte, indem er die lebenswichtigen Nachschubwege über den Atlantik abschnitt. In diese Phase fiel auch der erste und einzige Vorstoß des modernsten deutschen Schlachtschiffs: Im Mai 1941 lief die Bismarck zu ihrer Atlantik-Operation aus. Zusammen mit dem Schweren Kreuzer Prinz Eugen sollte sie britische Geleitzüge aufspüren und zerstören. Bereits am 24. Mai 1941 traf die Bismarck im Nordatlantik auf ein britisches Flottenverband. Im kurzen Gefecht der Schlacht in der Dänemarkstraße versenkte die Bismarck den berühmten britischen Schlachtkreuzer HMS Hood mit wenigen Salven – ein Schock für die Royal Navy. Doch die Freude währte nur kurz: Die Bismarck wurde auf der Flucht durch einen glücklichen Torpedotreffer aus einem britischen Flugzeug am Ruder beschädigt, von heraneilenden britischen Großkampfschiffen gestellt und nach hartnäckigem Kampf am 27. Mai 1941 zum Untergang gebracht. Dieser Verlust markierte einen Wendepunkt: Hitler war erzürnt über den Verlust seines Prestige-Schlachtschiffes und verlor das Vertrauen in größere Flottenunternehmen. Fortan scheute die deutsche Führung, ihre verbliebenen schweren Einheiten in riskanten Gefechten einzusetzen. Während die U-Boote weiter einen offensiven Kurs fuhren, blieb die Oberflächeflotte im weiteren Kriegsverlauf oft in Hafenschutz oder nur noch zu begrenzten Operationen aktiv.
Der U-Boot-Krieg im Atlantik
Die U-Boot-Waffe war das schärfste Schwert der Kriegsmarine – und zugleich dasjenige mit den verheerendsten Folgen für beide Seiten. Von 1939 bis 1945 versenkten deutsche U-Boote rund 2.800 alliierte Handelsschiffe mit insgesamt etwa 15 Millionen Bruttoregistertonnen Ladungsgewicht. Zeitweise drohte Großbritannien tatsächlich vom maritimen Nachschub abgeschnitten zu werden. Besonders nach dem Kriegseintritt Italiens im Juni 1940 und der Ausweitung des U-Boot-Einsatzgebietes in den Mittelmeerraum, sowie ab Dezember 1941 nach Deutschlands Kriegserklärung an die USA, dehnte sich der U-Boot-Krieg geografisch immer weiter aus. Anfang 1942 nutzte die U-Boot-Führung die ungeschützten amerikanischen Küstengewässer gnadenlos aus: In der sogenannten zweiten „glücklichen Zeit“ (auch Unternehmen Paukenschlag genannt) operierten deutsche U-Boote vor der Ostküste der USA, vor dem Golf von Mexiko und sogar bis in die Karibik hinein. Da die US-Marine anfangs kaum Geleitschutz oder Küstenblackouts organisiert hatte, erzielten U-Boote wie U 123 und U 66 im Frühjahr 1942 enorme Erfolge; Tankschiffe brannten vor der Küste Floridas, und in den Häfen leuchtender Großstädte wie New York konnten U-Boot-Kommandanten mit dem Fernglas silhouettenhafte Ziele ausmachen. Allein zwischen Januar und Juli 1942 versenkten deutsche U-Boote an der amerikanischen Ostküste und im Westatlantik hunderte Schiffe – eine Phase, die unter U-Boot-Fahrern als Höhepunkt galt. Doch diese Überlegenheit war nicht von Dauer.
Die alliierten Kräfte lernten schnell aus ihren anfänglichen Fehlern und entwickelten ab 1942/43 immer wirksamere Gegenmaßnahmen (Anti-Submarine Warfare). Ein entscheidender Wendepunkt trat im Frühjahr 1943 ein: Den Alliierten gelang es, mit der Einführung neuer Technologien und Taktiken die Verluste drastisch zu senken und den Spieß umzudrehen. Langstreckenradar und hochfrequente Peilgeräte (Huff-Duff), neue Sonar-(ASDIC)-Geräte, sowie die Entschlüsselung des deutschen Funkverkehrs (Stichwort Enigma) ermöglichten es britischen und amerikanischen Verbänden zunehmend, U-Boote aufzuspüren, noch bevor diese angreifen konnten. Zusätzlich schlossen eskortierende Geleitflugzeugträger und aufgerüstete Langstrecken-Flugzeuge (Liberator-Bomber mit U-Boot-Spürradar) die bis dahin gefährliche „Lücke“ im mittleren Nordatlantik, in der Konvois zuvor ohne Luftschutz gewesen waren. Nun konnten U-Boote auch dort überraschend aus der Luft angegriffen werden. Die Erfolge der deutschen „Wölfe“ gingen dramatisch zurück, während die eigenen Verluste stiegen: Im April und Mai 1943 verlor Dönitz’ U-Boot-Flotte über 40 Boote innerhalb weniger Wochen – so viele wie niemals zuvor in so kurzer Zeit. Die Versenkungszahlen der Handelsschiffe standen in keinem Verhältnis mehr zu diesen Verlusten. Folgerichtig erteilte Großadmiral Karl Dönitz, der im Januar 1943 die Nachfolge Raeders als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine angetreten hatte, am 24. Mai 1943 den Befehl zum Abbruch der U-Boot-Offensive im Nordatlantik. Die deutschen U-Boote zogen sich aus dem Nordatlantik zurück; man verlagerte den Schwerpunkt vorübergehend in den Südatlantik und den Indischen Ozean, wo noch weniger alliiertes Antisubmarine-Gerät verfügbar war. Doch diese Ausweichbewegung konnte den kriegsentscheidenden Trend nicht mehr ändern – sie war in Wahrheit ein defensiver Schritt und ein Eingeständnis, dass die Schlacht im Atlantik verloren ging.
In den folgenden Jahren versuchte die Kriegsmarine zwar, mit neuen technischen Entwicklungen die Wende doch noch herbeizuführen. So wurden vorhandene U-Boote mit Schnorcheln ausgerüstet, um länger getaucht fahren zu können, und es wurden neue, revolutionäre U-Boot-Typen wie die Elektro-U-Boote Typ XXI und XXIII entwickelt, die deutlich schneller unter Wasser fahren konnten. Diese technischen Innovationen kamen jedoch zu spät und in zu geringer Zahl zum Einsatz, um den Kriegsverlauf noch zu beeinflussen. Während einige wenige Typ-XXI-Boote bis Kriegsende einsatzbereit wurden, blieben echte Erfolge aus – der organisatorische Zusammenbruch Deutschlands und Treibstoffmangel verhinderten einen nennenswerten Einsatz der „Wunderwaffen“ auf See. Stattdessen verschlechterte sich die Lage der U-Boot-Fahrer weiter: alliierte Hunter-Killer-Gruppen jagten aktiv nach U-Booten, die Verluste stiegen unaufhaltsam. Immer öfter wurden deutsche U-Boote bereits beim Auslaufen von den besetzten französischen Häfen oder auf ihren Anmarschwegen entdeckt und versenkt. Dönitz hielt dennoch verbissen am U-Boot-Krieg fest, getrieben von Fanatismus und der Hoffnung auf eine Wunderwende. Diese Haltung forderte einen furchtbaren Preis: Insgesamt wurden über 1.150 deutsche U-Boote während des Krieges in Dienst gestellt; davon gingen etwa 780 U-Boote verloren. Die Verlustrate unter den U-Boot-Besatzungen war die höchste aller Teilstreitkräfte – rund 30.000 von etwa 40.000 U-Boot-Fahrern fanden den Tod, das sind etwa 75 %. Fast jeder zweite deutsche U-Boot-Kommandant überlebte seinen Einsatz nicht. Diese erschütternden Zahlen zeigen, wie sehr die deutsche Marineführung ihre U-Boot-Waffe bis zum bittere Ende einsetzte, auch als die Erfolgsaussichten längst minimal waren. Darüber hinaus war der U-Boot-Krieg auch moralisch umstritten: Bereits zu Beginn wurden – wie schon 1914–1918 – auch zivile Schiffe ohne Vorwarnung torpediert, was internationale Empörung auslöste. Nach dem sogenannten Laconia-Zwischenfall im September 1942 (bei dem U-Boot-Besatzungen versuchten, Überlebende eines versenkten Truppentransporters zu retten und dabei von alliierten Flugzeugen angegriffen wurden) erließ Dönitz den berüchtigten Laconia-Befehl, der jegliche Rettungsversuche gegenüber Schiffbrüchigen untersagte. Dieser Befehl, der de facto auf ein rücksichtsloses Weiterführen des uneingeschränkten U-Boot-Krieges hinauslief, wurde nach dem Krieg als Verstoß gegen die Grundsätze der Humanität scharf kritisiert. Insgesamt gesehen brachte der U-Boot-Krieg der Kriegsmarine zwar zunächst Ruhm und strategische Hoffnung, endete aber in einer Tragödie für die U-Boot-Besatzungen und konnte die alliierte Übermacht letztlich nicht brechen.
Überwasserschiffe: Schicksale von Schlachtschiffen und Kreuzern
Die Überwasserflotte der Kriegsmarine bestand zu Kriegsbeginn aus wenigen modernen Einheiten, die jedoch taktisch geschickt einzusetzen versucht wurden. Deutschland verfügte 1939 nur über zwei neuartige Schlachtschiffe, die Scharnhorst und Gneisenau (offiziell als Schlachtkreuzer geführt), drei „Panzerschiffe“ (die sogenannten Taschen-Schlachtschiffe Admiral Graf Spee, Admiral Scheer und Deutschland/Lützow), sowie einige ältere oder kleinere Kriegsschiffe (leichte Kreuzer der Köln-Klasse, Zerstörer und Torpedoboote). Flugzeugträger befanden sich erst im Bau (der Träger Graf Zeppelin wurde begonnen, aber nie fertiggestellt). Aufgrund dieser begrenzten Stärke setzte die Marineführung unter Admiral Raeder auf den Handelsstörkrieg – also auf das Aufbringen feindlicher Handelsschiffe – und vermied nach Möglichkeit eine direkte Flottenschlacht mit überlegenen Feindkräften. In den frühen Kriegsjahren erzielten einige deutsche Überwasserschiffe beachtliche Fernunternehmungen: So unternahmen Scharnhorst und Gneisenau im Frühjahr 1941 einen gemeinsamen Vorstoß in den Nordatlantik (Unternehmen Berlin) und versenkten zahlreiche alliierte Frachter, bevor sie unentdeckt nach Frankreich zurückkehrten. Ebenfalls erfolgreich waren mehrere umgebaute Hilfskreuzer – bewaffnete deutsche Handelsschiffe, die getarnt in alle Weltmeere ausliefen. Diese Hilfskreuzer wie die Atlantis, Orion oder Thor überfielen in den Jahren 1940–1942 auf den Ozeanen des Indischen Ozeans und des Pazifiks ungeschützte alliierte Frachter und versenkten oder kaperten Dutzende, was die alliierte Schiffahrt zusätzlich belastete. Langfristig konnten solche „Kaperfahrten“ aber nicht entscheiden: Früher oder später wurden fast alle Hilfskreuzer aufgebracht oder versenkt, und ihre Zerstörung war oft nur eine Frage der Zeit.
Ein dramatisches Kapitel der Oberflächenkriegführung war die Geschichte der deutschen Großkampfschiffe, insbesondere der beiden größten Schlachtschiffe Bismarck und Tirpitz. Die Bismarck, deren kurzer Atlantik-Einsatz 1941 bereits geschildert wurde, ging nach nur 8 Tagen Unternehmung unter – doch ihr legendärer Zweikampf mit der Royal Navy (inklusive der Versenkung der Hood) machte sie weltbekannt. Ihre Schwester, die Tirpitz, wurde nach ihrer Fertigstellung 1941 in norwegische Fjorde verlegt. Dort diente sie als „Flotte in Being“, also als ständige Bedrohung für die alliierten Nordmeergeleitzüge nach Russland. Tatsächlich band die bloße Existenz der Tirpitz enorme alliierte Marinekapazitäten, denn die Briten konnten es nicht riskieren, die Tirpitz unbeobachtet in den Atlantik ausbrechen zu lassen. Mehrfach versuchten die Alliierten, die Tirpitz auszuschalten: Es gab waghalsige britische Kommandounternehmen mit Kleinst-U-Booten (Operation Source 1943), welche die Tirpitz im Kaafjord schwer beschädigten, sowie wiederholte Bombenangriffe der Royal Air Force im Jahr 1944. Schließlich gelang es am 12. November 1944, die vor Anker liegende Tirpitz mit schweren „Tallboy“-Bomben zu treffen und zum Kentern zu bringen. Mit dem Verlust der Tirpitz war das Kapitel der deutschen Schlachtschiffe praktisch beendet – kein deutsches Großlinienschiff war mehr einsatzfähig.
Auch andere Einheiten der Überwasserflotte wurden nach und nach ausgeschaltet. Die Schlachtkreuzer Scharnhorst und Gneisenau, die 1942 nach dem viel beachteten Kanaldurchbruch (Unternehmen Cerberus) von Brest zurück nach Deutschland verlegt worden waren, standen ab 1943 nicht mehr beide zur Verfügung: Gneisenau war in Kiel nach Bombenschäden außer Dienst gestellt und teilweise als Blockschiff versenkt worden. Die Scharnhorst hingegen blieb aktiv und wurde Ende 1943 auf eine letzte Mission geschickt, um britische Nordmeergeleitzüge anzugreifen. Am 26. Dezember 1943 geriet sie bei der Schlacht am Nordkap gegen einen von Schlachtschiff HMS Duke of York geführten britischen Verband und wurde nach tapferer Gegenwehr versenkt. Von ihrer Besatzung überlebten nur 36 Mann; über 1.000 fanden in den eisigen Fluten den Tod. Dieser Verlust markierte das Ende der deutschen Präsenz schwerer Einheiten auf offener See.
Die schweren Kreuzer der Kriegsmarine – Admiral Hipper, Blücher, Prinz Eugen und Lützow (ex „Deutschland“) – erlitten gemischte Schicksale. Blücher sank bekanntlich 1940 in Norwegen. Admiral Hipper wurde nach einigen Einsätzen (u.a. in der Barentssee 1942) durch technische Probleme und Schäden so weit beeinträchtigt, dass sie 1945 in Kiel außer Gefecht lag und dort von eigenen Kräften versenkt wurde. Lützow und Prinz Eugen überlebten den Krieg formal: Die Lützow (die 1941 in einem britischen Fliegerangriff schwer beschädigt und lange repariert wurde) diente 1944/45 noch als Artillerie-Plattform in der Ostsee, wurde aber im April 1945 in der Ostsee von britischen Bomben getroffen und bei der Kapitulation selbstversenkt. Prinz Eugen leistete 1944/45 ebenfalls wertvolle Dienste beim Beschuss vorrückender sowjetischer Truppen an der Ostfront und bei der Evakuierung deutscher Flüchtlinge über die Ostsee. Sie war einer der wenigen Großkampfer, die unzerstört kapitulierten – die Prinz Eugen wurde 1946 den USA übergeben und später als Versuchsschiff bei Atomtests im Pazifik versenkt. Die kleineren Einheiten der Kriegsmarine, wie die leichten Kreuzer (Köln, Königsberg, Leipzig, Nürnberg und Emden), blieben im Krieg überwiegend in Nord- und Ostsee im Einsatz oder als Schulschiffe genutzt. Einige fielen Bombenangriffen zum Opfer (Köln, Königsberg), andere wurden beschädigt und aufgelegt (Leipzig), und Nürnberg kapitulierte 1945 und ging später als Kriegsbeute an die Sowjetunion.
Insgesamt erwies sich der Einsatz der großen Überwasserschiffe als zwiespältig. Zwar waren einzelne Offensivunternehmungen – wie die Kaperfahrten der Scharnhorst und Gneisenau oder die Versenkung der Hood durch die Bismarck – kurzfristig erfolgreich und propagandawirksam. Aber die deutliche britische und alliierte Überlegenheit zur See konnte nie ernsthaft in Frage gestellt werden. Hitler selbst verlor nach 1941 das Vertrauen in seine Marineführung: Nach der verlorenen Schlacht in der Barentssee (Dezember 1942), bei der ein deutscher Vorstoß unter Admiral Kummetz gegen einen alliierten Arktis-Konvoi vorzeitig abgebrochen wurde und britische Zerstörer den Kreuzer Hipper beschädigten, geriet Hitler in Wut. Er bezeichnete die Marine als „überflüssig“ und erwog, die großen Schiffe abwracken zu lassen. Großadmiral Raeder trat daraufhin im Januar 1943 zurück; sein Nachfolger Dönitz konzentrierte die knappen Ressourcen fast ausschließlich auf den U-Boot-Krieg. Die schweren Schiffe sollten fortan möglichst erhalten bleiben und primär als „Fleet in Being“ dienen – also durch ihre bloße Existenz feindliche Kräfte binden. Diese Strategie gelang teilweise, konnte aber nicht verbergen, dass die glanzvollen Tage der Überwasserflotte vorbei waren. Was von ihr im letzten Kriegsjahr übrig war, wurde hauptsächlich zur Artillerieunterstützung und für Evakuierungszwecke an den Küsten eingesetzt (so feuerten etwa die Prinz Eugen und die Lützow 1945 mit ihren Geschützen zur Unterstützung der Heerestruppen an der Ostfront). So endete die Geschichte der einst stolz aufgebauten Schlachtschiffe und Kreuzer der Kriegsmarine in einem langsamen Ausbluten, ohne dass sie den Kriegsverlauf entscheidend hätten beeinflussen können.
Kriegsschauplätze außerhalb des Atlantiks
Obwohl der Nordatlantik das Hauptoperationsgebiet der deutschen Marine war, spielte sie auch in anderen Regionen eine Rolle. Im Nordmeer und in der Arktis versuchte die Kriegsmarine, die alliierten Geleitzüge nach Murmansk und Archangelsk zu stören, welche die Sowjetunion mit Kriegsmaterial versorgten. Ab 1941 wurden hierzu neben U-Booten auch in Norwegen stationierte Einheiten eingesetzt. Die deutsche Luftwaffe und Marine fügten mehreren dieser Arktis-Konvois schwere Verluste zu – am bekanntesten ist die Dezimierung des alliierten Geleitzugs PQ-17 im Juli 1942, bei der über 20 Frachter sanken. Hitler hoffte, auch die schweren Überwasserschiffe würden hier Erfolge erzielen. Doch Probleme verhinderten oft ihren effektiven Einsatz: Die deutschen Schiffe litten unter unzureichendem Radar und vor allem unter Hitlers Angst, sie zu verlieren. So blieb die Tirpitz meist in ihrem Fjord und griff die Konvois nie direkt an. In der Schlacht in der Barentssee Ende 1942 scheiterte der Versuch zweier deutscher Kriegsschiffe (Lützow und Hipper), einen Geleitzug anzugreifen – und das ohne einen einzigen Versorger zu versenken, während ein deutscher Zerstörer verloren ging. Dieser Fehlschlag erzürnte Hitler derart, dass er – wie erwähnt – fast die Auflösung der Überwasserflotte befahl. Erst Ende 1943 wurde nochmals ein größerer Vorstoß gewagt: Die Scharnhorst lief aus, um einen britischen Nordmeergeleitzug (JW 55B) abzufangen, wurde aber, wie beschrieben, von überlegenen britischen Kräften versenkt. Danach beschränkten sich die deutschen Angriffe auf die russlandfahrenden Konvois im Wesentlichen auf U-Boote und Luftstreitkräfte. Die meisten alliierten Frachter erreichten fortan ihr Ziel, und die Kontrolle über die Arktis-Konvois lag spätestens 1944 fest in alliierter Hand.
Im Mittelmeer war die deutsche Marine nie so präsent wie die italienische Regia Marina, doch ab 1941 leistete sie hier Unterstützung. Deutsche U-Boote operierten im Mittelmeer vor allem zur Verstärkung der italienischen Verbündeten und erzielten dabei einige bedeutende Erfolge gegen britische Kriegsschiffe. So versenkten deutsche U-Boote unter anderem den britischen Flugzeugträger HMS Ark Royal (November 1941, durch U 81) und das Schlachtschiff HMS Barham(ebenfalls 1941, durch U 331). Insgesamt wurden über 60 deutsche U-Boote ins Mittelmeer geschickt (ein riskantes Unterfangen, da sie bei Gibraltar die enge und gut bewachte Meerenge passieren mussten). Keines dieser Boote kehrte am Ende in die Heimat zurück – sie wurden im Verlauf des Krieges entweder versenkt oder beim deutschen Rückzug 1944/45 von den eigenen Besatzungen selbstversenkt. Neben den U-Booten waren auch deutsche Schnellboote (Torpedoboote) und Minensuchboote im Mittelmeer im Einsatz, etwa zur Sicherung der Nachschublinien nach Nordafrika. Nach der Kapitulation Italiens im September 1943 übernahmen deutsche Verbände kurzfristig einige italienische Schiffe, aber diese waren meist veraltet oder wurden bald zerstört. Insgesamt konnte die deutsche Marine im Mittelmeer den alliierten Vormarsch nicht entscheidend bremsen; das Seegebiet blieb von der britischen Flotte dominiert.
Im Schwarzen Meer brachte die Kriegsmarine ab 1942 ebenfalls einige Einheiten zum Einsatz. Da die Türkei neutral blieb und den Durchmarsch größerer Kriegsschiffe verweigerte, mussten deutsche Marineeinheiten in Einzelteilen über Land und Flüsse dorthin transportiert werden. So gelangten einige Kleinst-U-Boote (der Küstenklasse Typ II) und Schnellboote auf diesem Wege an die Ostfront. Sie operierten ab 1942/43 im Schwarzen Meer gegen sowjetische Schiffe und brachten auch mehrere Versorger und Kriegsschiffe der Roten Flotte zum Sinken. Doch mit dem Vormarsch der Roten Armee in Richtung Schwarzes Meer 1944 ging diese Episode zu Ende: Die deutschen Seestreitkräfte sprengten beim Rückzug ihre Boote, um sie nicht dem Feind zu überlassen.
In der Ostsee spielte sich gegen Kriegsende eines der größten Dramen der Seegeschichte ab. Während die Ostsee in den ersten Kriegsjahren vor allem als relativ sicherer Übungs- und Ausbildungsraum für U-Boote diente und zur Versorgung Finnlands sowie für Minenunternehmen genutzt wurde, wurde sie ab 1944 zur Hauptfluchtroute für hunderttausende Flüchtlinge und evakuierte Soldaten aus den ostdeutschen Gebieten. Im Winter 1944/45, als die sowjetische Offensive Ostpreußen und Pommern erreichte, startete die Kriegsmarine die Evakuierungsoperation „Hannibal“. Dies war eine der größten Evakuierungsaktionen über See aller Zeiten: Zwischen Januar und Mai 1945 transportierten deutsche Schiffe – von kleinen Kuttern bis zu großen Passagierdampfern – über zwei Millionen Zivilisten und verwundete Soldaten aus Kurland, Ostpreußen und Pommern in Richtung Westen (nach Mecklenburg, Schleswig-Holstein oder Dänemark). An dieser Rettungsaktion waren nahezu alle noch vorhandenen Schiffe beteiligt, darunter die ehemaligen KdF-Passagierschiffe Wilhelm Gustloff, Cap Arcona, Goya und viele mehr. Die Bedingungen waren chaotisch: Überfüllte Schiffe, winterliche Stürme, Minengefahr und immer wieder Angriffe sowjetischer U-Boote und britischer Flugzeuge machten die Ostsee zur Todeszone. Am 30. Januar 1945 torpedierte das sowjetische U-Boot S-13 die Wilhelm Gustloff – jenes große Evakuierungsschiff, auf dem sich mehr als 10.000 Flüchtlinge, Verwundete und Marinehelfer befanden. Die Gustloff sank in der eiskalten Nacht; schätzungsweise über 9.000 Menschen kamen ums Leben – die höchste bekannte Opferzahl bei einem einzelnen Schiffsuntergang in der Geschichte. Nur wenige Tage später ereilte die Steuben ein ähnliches Schicksal (wieder durch S-13), und im April 1945 wurde der Frachter Goya mit etwa 7.000 Flüchtlingen von einem sowjetischen Torpedo versenkt. Diese Tragödien illustrieren die verzweifelte Lage und das Leid unzähliger Menschen auf der Flucht. Gleichzeitig gelang es dank der unermüdlichen Einsätze der deutschen Marine, die Mehrheit der Flüchtlinge sicher über die Ostsee zu bringen. Auch Schiffe wie die Cap Arcona wurden noch im Kriegschaos versenkt (die Cap Arcona brannte Anfang Mai 1945 in der Lübecker Bucht nach einem britischen Luftangriff aus, wobei Tausende KZ-Häftlinge an Bord starben). Die Ostsee-Einsätze der Kriegsmarine am Kriegsende waren damit ein düsteres Spiegelbild des Zusammenbruchs – sie retteten Hunderttausenden das Leben, konnten aber auch entsetzliches Unglück nicht verhindern.
Zusammenbruch und Ende der Kriegsmarine 1945
Im Frühjahr 1945 stand das Dritte Reich vor dem Untergang, und mit ihm zerfiel auch die Kriegsmarine. Ihre verbleibenden Schiffe hatten entweder ihre letzte Mission erfüllt oder waren zerstört. In den letzten Kriegswochen gab es kaum noch offensive Einsätze. Viele Marineangehörige wurden an Land zur Verstärkung abkommandiert – so stellte man im Februar/März 1945 mehrere Marine-Infanterie-Divisionen aus überschüssigem Marinepersonal auf, die verzweifelt in Pommern und an der Weserfront kämpften. Großadmiral Dönitz, der Oberbefehlshaber der Marine, befand sich mit dem Marinehauptquartier im Frühjahr 1945 im norddeutschen Plön und später in Flensburg-Mürwik. Nachdem Hitler am 30. April 1945 in Berlin Suizid begangen hatte, bestimmte er in seinem politischen Testament ausgerechnet Dönitz – den Chef der Kriegsmarine – zum Nachfolger als Staatsoberhaupt (Staatsoberhaupt der provisorischen „Flensburger Regierung“). So fiel dem Marineoberbefehlshaber die undankbare Aufgabe zu, die Kapitulation vorzubereiten. Dönitz versuchte, Zeit zu gewinnen, um möglichst viele deutsche Soldaten und Zivilisten vor sowjetischer Gefangenschaft in den Westen zu retten. Zahlreiche Marineeinheiten waren in diesen letzten Tagen damit beschäftigt, Flüchtlinge, Verwundete und Truppenteile über die Ostsee nach Westen zu evakuieren, während an den Hafenpiers bereits die Sprengladungen für die Selbstversenkung vorbereitet wurden.
Am 8. Mai 1945 um Mitternacht trat die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Kraft – damit endeten offiziell auch alle Kampfhandlungen der Kriegsmarine. Die noch schwimmenden Einheiten hissten weiße Flaggen oder lagen bereits versenkt in den Häfen. Einige U-Boote auf Feindfahrt empfingen den letzten Funkspruch und tauchten mit weißer Flagge auf, um sich zu ergeben; andere folgten dem sogenannten Regenbogen-Befehl (Selbstversenkung), den Dönitz kurz zuvor gesendet hatte, um das Fallen der modernsten U-Boote in Feindeshand zu verhindern. Insgesamt übergaben sich in den Tagen nach Kriegsende noch diverse Schiffe ihren Siegern: Der Kreuzer Nürnberg und einige Zerstörer fielen der Roten Armee zu, die Briten übernahmen U-Boote und Hilfsschiffe, und die Amerikaner erhielten die unbeschädigte Prinz Eugen (die sie, wie erwähnt, später versenkten). Die alliierten Mächte teilten die Reste der deutschen Flotte unter sich auf oder ließen sie vernichten. Nur Minenräumboote und speziell zusammengestellte deutsche „Räumflottillen“ blieben unter alliierter Aufsicht noch im Einsatz, um die Nord- und Ostsee von den unzähligen Minen zu säubern.
Mit der Auflösung der Wehrmacht im August 1946 hörte auch die Kriegsmarine formell auf zu existieren. Viele Offiziere und Matrosen gerieten in Kriegsgefangenschaft oder kehrten ins Zivilleben zurück. Erst Jahre später, 1956, entstand im Zuge der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik eine neue deutsche Marine (die Bundesmarine), die personell teilweise auf erfahrenes Kriegsmarine-Personal zurückgriff, aber in Struktur und Auftrag eine völlig andere Ausrichtung hatte – eingebettet in das westliche Verteidigungsbündnis und demokratisch legitimiert. In der historischen Rückschau wird die Bilanz der deutschen Marine im Zweiten Weltkrieg ambivalent beurteilt. Einerseits bewies sie in einzelnen Phasen – insbesondere im U-Boot-Krieg – enormes Durchhaltevermögen und brachte die Alliierten an den Rand ernster Versorgungskrisen. Ihre Seeleute kämpften unter extremen Bedingungen und erlitten hohe Verluste, was in der Nachkriegsgeschichtsschreibung oft mit einer gewissen tragischen Anerkennung erwähnt wird. Andererseits erwies sich die strategische Wirkung letztlich als begrenzt: Trotz aller Versenkungserfolge gelang es der Kriegsmarine nicht, die alliierten Seeverbindungen entscheidend zu kappen oder den Kriegsverlauf zugunsten Deutschlands zu drehen. Die erdrückende materielle Übermacht der Alliierten und deren technische Innovationsfähigkeit machten die anfänglichen Vorteile der deutschen Marine bald zunichte. Zudem war die Marineführung, insbesondere Dönitz, ideologisch sehr stark mit dem NS-Regime verbunden und setzte den Krieg bis zuletzt unerbittlich fort, was insbesondere im U-Boot-Krieg zu der Frage nach Sinn und Legitimation dieser Verluste führt. Die deutsche Marine im Zweiten Weltkrieg verkörpert so das Paradox von heldenhaften Anstrengungen in einem letztlich verbrecherischen und verlorenen Krieg. Ihre Geschichte mahnt einerseits an den Mut und das Leid der Soldaten auf See, zeigt aber auch die Verblendung der Führung und die Grenzen militärischer Macht, wenn Strategie und Ressourcen in einem Ungleichgewicht zum Gegner stehen.
Literatur
Salewski, Michael: Die deutsche Seekriegsleitung 1935–1945. Band I: 1935–1941. Frankfurt a.M.: Bernard & Graefe, 1970. Google Books
Salewski, Michael: Die deutsche Seekriegsleitung 1935–1945. Band II: 1942–1945. München: Bernard & Graefe, 1975. Google Books
Rahn, Werner: Der Krieg zur See 1939–1945. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1995.
Rohwer, Jürgen: Der Krieg zur See 1939–1945. Würzburg: Flechsig, 2004.
Blair, Clay: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Bd. I: Die Jäger 1939–1942; Bd. II: Die Gejagten 1942–1945. München: Wilhelm Heyne, 1998.
Padfield, Peter: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Berlin: Ullstein, 1998.
Bekker, Cajus: Kampf und Untergang der Kriegsmarine. Hannover: Adolf Sponholtz, 1953. Google Books
Schön, Heinz: Ostsee ’45: Menschen, Schiffe, Schicksale. Stuttgart: Motorbuch Verlag, 1987.