Ursprünge des Giftgases Zyklon B

Zyklon B Dose. KZ Auschwitz/Birkenau. Michael Hanke, Zyklon B Container, CC BY-SA 3.0.
Zyklon B war ein hochgiftiges Schädlingsbekämpfungsmittel auf der Grundlage von Blausäure. Die SS verwendete es zunächst zur Entlausung von Baracken und Kleidung und später zur Ermordung von Menschen. Das Produkt war auch bei seiner ursprünglichen Verwendung keineswegs harmlos. Quelle: KZ-Gedenkstätte Neuengamme.
Herstellung und Vertrieb
Die Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung mbH (Degesch) besaß das Patent auf Zyklon B. Hergestellt wurde das Mittel in Dessau und im böhmischen Kolín. Zu den Vertriebsunternehmen gehörte die Hamburger Firma Tesch & Stabenow, kurz Testa. Sie wurde 1924 von Bruno Tesch und Paul Stabenow gegründet. Stabenow schied bereits 1927 aus; Tesch wurde 1942 alleiniger Inhaber. Karl Weinbacher war Prokurist und stellvertretender Geschäftsführer, nicht Mitgründer des Unternehmens. Quelle: Firmengeschichte der Gedenkstätte Neuengamme. Zum Amt Weinbachers: UNWCC, Band I, S. 93.
Testa vertrieb Zyklon B, führte Schädlingsbekämpfung durch und schulte Anwender. Zu den Kunden gehörten Wehrmacht, Waffen-SS und Konzentrationslager. Eine Lieferung an ein Lager belegt für sich genommen noch nicht, ob eine bestimmte Menge zur Entlausung oder zum Mord eingesetzt wurde. Für die strafrechtliche Verantwortung war das Wissen um den mörderischen Verwendungszweck entscheidend. Quelle: UNWCC, „The Zyklon B Case“, S. 93–103.
Der Einsatz zum Massenmord
Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau datiert die erste große Mordaktion mit Zyklon B im KZ Auschwitz auf den 3. September 1941. Im Keller von Block 11 wurden etwa 600 sowjetische Kriegsgefangene und rund 250 kranke polnische Häftlinge ermordet. Die ersten Versuche mit dem Giftgas ließ der Schutzhaftlagerführer Karl Fritzsch während einer Abwesenheit des Kommandanten Rudolf Höß durchführen. Anschließend wurde der Einsatz von Zyklon B für den Massenmord in Auschwitz ausgebaut. Quelle: Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Zur Rolle Fritzschs: Bildungsangebot der Gedenkstätte.
In Auschwitz-Birkenau ermordete die SS mit Zyklon B insbesondere jüdische Menschen, die aus zahlreichen europäischen Ländern deportiert worden waren. Das Gift wurde auch an anderen Orten, darunter Majdanek, zur Tötung eingesetzt. Nicht alle nationalsozialistischen Vernichtungslager verwendeten Zyklon B: In Bełżec, Sobibór und Treblinka wurden Menschen mit Motorabgasen ermordet. Quelle: US Holocaust Memorial Museum.
Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau nennt mindestens 1,1 Millionen Todesopfer in Auschwitz, darunter etwa eine Million Juden. Diese Gesamtzahl umfasst verschiedene Todesursachen und darf nicht mit der Zahl der durch Zyklon B Ermordeten gleichgesetzt werden. Quelle: Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.
Der Prozess gegen Tesch und Weinbacher
Vom 1. bis 8. März 1946 verhandelte ein britisches Militärgericht in Hamburg gegen Bruno Tesch, Karl Weinbacher und den leitenden Techniker Joachim Drosihn. Die Anklage betraf die Lieferung von Giftgas in Kenntnis seiner Verwendung zur Ermordung von Menschen. Tesch und Weinbacher wurden zum Tode verurteilt, Drosihn wurde freigesprochen. Quelle: UNWCC, Band I, S. 93–103.
Die Hinrichtungen Teschs und Weinbachers erfolgten am 16. Mai 1946 in Hameln. Der Prozess machte die Verantwortung von Unternehmern und leitenden Angestellten für ihre Beteiligung am nationalsozialistischen Massenmord zum Gegenstand der Strafverfolgung. Quelle: KZ-Gedenkstätte Neuengamme.
Quellen und weiterführende Literatur
United Nations War Crimes Commission: Law Reports of Trials of War Criminals. Band I, London 1947, „The Zyklon B Case“, S. 93–103.
Jürgen Kalthoff / Martin Werner: Die Händler des Zyklon B. Tesch & Stabenow. Eine Firmengeschichte zwischen Hamburg und Auschwitz. Hamburg 1998.
