Die Dokumentation „The Silence of Others“ von Almudena Carracedo und Robert Bahar handelt von den Opfern und Hinterbliebenen des Franco-Regimes in Spanien während des Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur. Die beiden Regisseure und ihr Team begleiteten über sechs Jahre lang Menschen, die für Gerechtigkeit und Wiedergutmachung kämpften. Tausende Menschen wurden in den Jahren des Bürgerkrieges und der Diktatur in anonymen Massengräbern verscharrt. Eine Handvoll von Menschen kämpft seit dem Erlass des Amnestiegesetzes 1977, welches zwar die Gefangenen des Regimes befreite, aber auch die Täter und Peiniger entlastete, für Gerechtigkeit.
Das Franco-Regime, auch bekannt als Franquismus, ist die von Francisco Franco ins Leben gerufene ideologische Diktatur von 1939 bis 1975. Seine Legitimation als Anführer dieses Systems entnahm der Diktator aus dem Sieg im Bürgerkrieg 1939 in Spanien. Mit Hilfe der Elite aus dem westlichen Teil Spaniens baute er eine Diktatur auf, welche im Laufe der Zeit zum Franco-Regime wurde. Um seine Macht zu behalten, spielte er Institutionen wie das Militär und die Kirche gegeneinander aus. So konnte er sich bedeutende Gegner vom Hals halten. Dies ist aber nicht die einzige Parallele der beiden Faschisten. Franco betrieb so wie Hitler einige Konzentrationslager, bis heute sind 190 von ihnen bekannt. Das letzte KZ wurde erst in den 1960er-Jahren geschlossen.
Der Bürgerkrieg und die franquistische Repression forderten zahlreiche Todesopfer. Kriegsverluste und Opfer politischer Verfolgung müssen dabei unterschieden werden; eine pauschale Zahl von einer halben Million Genozidopfern ist hier nicht belegt. Angehörige kämpfen um die Aufklärung des Schicksals der Verschwundenen und die Bergung ihrer sterblichen Überreste. Das Amnestiegesetz erschwert die strafrechtliche Aufarbeitung; es enthält jedoch kein allgemeines Verbot, Massengräber zu öffnen und Opfer zu exhumieren.
Als Franco 1975 starb, zog Spanien schnell in die liberale Demokratie ein. Im Jahr 1977 verabschiedete das Parlament das strittige Amnestiegesetz, das nicht nur politische Gefangene gegen Franco befreite, sondern auch seine Schattenarmee von Mördern und Folterern begnadigte. Im Interesse der nationalen Heilung und Versöhnung wurde ein Massenakt der kollektiven Amnesie gefordert. Er hieß El Pacto del Olvido, „der Pakt des Vergessens“.
„The Silence of Others“ dokumentiert diesen Kampf und begleitet einige Vertreter. Eine argentinische Richterin untersucht die Vorwürfe von Verbrechen gegen die Menschlichkeit unter Berufung auf das Weltrechtsprinzip. Die Angehörigen verfolgen damit einen juristischen Weg außerhalb Spaniens. Der von Höhen und Tiefen gezeichnete Prozess wurde von Almudena Carracedo und Robert Bahar penibel dokumentiert.
Das Ergebnis ist eine Dokumentation, die nicht hätte bewegender sein können. Viele emotionale Momente, ob Erfolge oder Rückschläge, nahmen sie auf. Den Zuschauern wird eine einsichtsreiche und aufklärende Dokumentation geboten. Doch einen Kampf werden die Angehörigen wohl nie gewinnen – den gegen die Zeit. Denn diese schwindet immer mehr und macht es fast unmöglich, die Täter für ihre Taten büßen zu lassen und den Kampf noch lange fortzusetzen.
The Silence of Others
Regie: Almudena Carracedo, Robert Bahar
Produktionsland: USA, Spanien
Veröffentlichung: 2018
Länge: 95 Minuten – Farbe
Berlinale – Sektion Panorama Dokumente
