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Startseite > Biographien > Oswald Mosley (1896–1980)
Geschrieben von: Redaktion Zukunft braucht Erinnerung | Erstellt: 24. Juli 2022

Oswald Mosley (1896–1980)

Sir Oswald Mosley – Führer der British Union of Fascists: Sir Oswald, vom Politiker zum Faschist. Ein britscher Hitler?

Sir Oswald Mosley - Führer der British Union of Fascists: Sir Oswald, vom Politiker zum Faschist. Ein britscher Hitler?

Glyn Warren Philpot artist QS:P170,Q1532514, Sir Oswald Mosley, 6th Bt by Glyn Warren Philpot, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons.

In der Geschichte des 20. Jahrhunderts gibt es nur wenige Biographien, die eine so dramatische Wendung vom Hoffnungsträger des Establishments zum geächteten Außenseiter vollzogen haben wie jene von Sir Oswald Ernald Mosley. Geboren in eine privilegierte Welt des englischen Landadels, schien sein Weg in die höchsten Staatsämter vorgezeichnet, doch sein politisches Erbe bleibt bis heute untrennbar mit dem Aufstieg des Faschismus in Großbritannien verknüpft. Sein ur-ur-urgroßvater John Mosley hätte sich wohl kaum vorstellen können, dass ein Nachfahre der Familie einmal das Gesicht einer Bewegung werden würde, die die Grundfesten der britischen Demokratie herausforderte. Sir Oswald wuchs in einer Atmosphäre auf, die von traditionellen Werten und dem Bewusstsein der eigenen Klasse geprägt war, was seine spätere rhetorische Überlegenheit und sein Sendungsbewusstsein maßgeblich beeinflusste. Nach seiner Ausbildung in Winchester und der Militärakademie Sandhurst diente er im Ersten Weltkrieg, einer Erfahrung, die wie bei so vielen seiner Generation eine tiefe Abscheu gegen das alte politische System und dessen Unfähigkeit zur Krisenbewältigung hinterließ. Als Oswald Mosley aus den Schützengräben und von seinem Dienst im Royal Flying Corps zurückkehrte, war er entschlossen, das Land grundlegend zu verändern. Diese tiefe Zäsur markierte den Beginn einer Karriere, die ihn durch nahezu alle politischen Lager führen sollte, bevor er schließlich seine eigene radikale Ideologie formulierte. Seine frühen Jahre waren geprägt von einer Rastlosigkeit, die ihn zum jüngsten Abgeordneten im Unterhaus machte und seinen Ruf als brillanter Redner festigte. Doch hinter der glänzenden Fassade des Aristokraten verbarg sich ein zunehmender Radikalismus, der durch die wirtschaftliche Instabilität der Zwischenkriegszeit befeuert wurde. Es war diese Kombination aus aristokratischem Selbstverständnis und dem Wunsch nach einer technokratischen, autoritären Lösung der sozialen Probleme, die seinen weiteren Weg ebnete.

Der junge Politiker begann seine Laufbahn zunächst in den Reihen der Conservative Party, für die er im Jahr 1918 den Wahlbezirk Harrow gewann. Doch schon früh zeigten sich Risse in seiner Loyalität gegenüber der Parteiführung, insbesondere als er die britische Irlandpolitik scharf kritisierte. Die Brutalität der Black and Tans zur Unterdrückung der irischen Unabhängigkeitsbestrebungen stieß bei ihm auf heftigen Widerstand und führte schließlich zu seinem Austritt aus der Partei. Er saß fortan als Unabhängiger im Parlament, bevor er sich schließlich der Labour Party anschloss, in der er den einzig möglichen Weg sah, um seine ambitionierten wirtschaftlichen Reformpläne umzusetzen. Innerhalb der Arbeiterpartei stieg er rasch auf und wurde ein enger Vertrauter führender Persönlichkeiten, wobei er stets den Kontakt zur Independent Labour Party pflegte. Seine rhetorische Begabung machte ihn zu einem Star der Parteitage, wo er die Massen mit Visionen eines modernen, sozialen Britanniens begeisterte. Im Jahr 1929 erreichte er mit der Ernennung zum Chancellor of the Duchy of Lancaster einen vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere unter Premierminister Ramsay MacDonald. In dieser Funktion war er speziell damit beauftragt, Lösungen für die rapide ansteigende Arbeitslosigkeit zu finden, die das Land im Zuge der Weltwirtschaftskrise plagte. Er arbeitete unermüdlich an einem umfassenden Programm, das später als das berühmte Mosley Memorandum in die Geschichte eingehen sollte. Dieses Dokument enthielt radikale Vorschläge für staatliche Investitionen, Protektionismus und eine stärkere Kontrolle des Kreditsystems, um die nationale Wirtschaft zu stützen. Doch das Kabinett lehnte seine kühnen Pläne ab, was für ihn den endgültigen Beweis darstellte, dass das bestehende parlamentarische System unfähig zu entschlossenem Handeln war.

Die New Party als parlamentarisches Experiment

Enttäuscht von der Schwerfälligkeit der traditionellen Parteien entschied sich Oswald Mosley für einen radikalen Bruch und gründete im Jahr 1931 eine neue politische Kraft. Diese New Party sollte eine Brücke schlagen zwischen den enttäuschten Anhängern der Linken und den patriotischen Kräften der Rechten, die mit dem Status quo unzufrieden waren. Zu Beginn unterstützten ihn prominente Intellektuelle und Politiker, die in ihm den einzigen Mann sahen, der Großbritannien vor dem wirtschaftlichen Ruin retten könnte. Doch der Erfolg bei den Wahlen blieb aus, und die Bewegung radikalisierte sich zusehends, was viele der ursprünglichen Weggefährten verschreckte. Mosley begann, sich immer stärker an den autoritären Modellen des europäischen Kontinents zu orientieren, insbesondere an Mussolinis Italien. Er sah in der Disziplin und der direkten Aktion der Faschisten das notwendige Gegenmittel zur parlamentarischen Lähmung, die er in London so verachtete. Die New Party wurde somit zum direkten Vorläufer einer weit gefährlicheren Organisation, die bald darauf die politische Bühne betreten sollte. Während dieser Zeit festigte sich in ihm die Überzeugung, dass nur eine straff geführte Bewegung mit einem starken Führer an der Spitze die Nation retten könne. Er reiste nach Italien, um das dortige System aus erster Hand zu studieren und kehrte mit der festen Absicht zurück, eine ähnliche Bewegung in seiner Heimat zu etablieren. Seine Anhänger begannen, sich in grauen Hemden zu kleiden, was bereits die militante Ästhetik vorwegnahm, die später für seine Bewegung charakteristisch werden sollte. Die Parteischeiterte zwar parlamentarisch kläglich, doch sie diente als Katalysator für seine vollständige Abkehr von der liberalen Demokratie.

Nach dem Scheitern seiner parlamentarischen Bemühungen kehrte Mosley der konventionellen Politik endgültig den Rücken und suchte nach neuen Wegen der Machtausübung. Er erkannte, dass die Unzufriedenheit in der Bevölkerung groß genug war, um eine außerparlamentarische Massenbewegung zu tragen, die auf Stärke und Ordnung setzte. Sein Fokus verschob sich von ökonomischen Detailfragen hin zu einer umfassenden Ideologie, die den Korporatismus und den Nationalismus ins Zentrum stellte. In dieser Phase des Umbruchs begann er, seine Reden mit einer noch aggressiveren Rhetorik zu würzen, die sich gegen die internationale Finanzwelt und die vermeintlichen Feinde des Empire richtete. Sie war letztlich nur ein kurzes Intermezzo, ein notwendiger Schritt in der Evolution eines Mannes, der sich selbst als Retter der Nation betrachtete. Viele Historiker sehen in diesem Moment den point of no return, an dem aus dem brillanten Reformer ein politischer Extremist wurde. Die Transformation war so radikal, dass selbst ehemalige Freunde aus seiner Zeit in der Conservative Party entsetzt über seinen Wandel waren. Doch Sir Oswald ließ sich nicht beirren und setzte alles auf eine Karte, überzeugt davon, dass die Zukunft dem Faschismus gehöre. Es war eine Zeit der extremen Polarisierung, in der die alten Gewissheiten des 19. Jahrhunderts endgültig zerbrachen und Platz für neue, dunkle Ideologien machten.

Im Schatten von Hitler und dem Nationalsozialismus

Am 1. Oktober 1932 trat Oswald Mosley offiziell als Gründer der faschistischen Partei „The British Union of Fascists“ an die Öffentlichkeit und leitete damit ein neues Kapitel des politischen Extremismus ein. Er wollte nicht nur eine Partei, sondern eine Lebensform schaffen, die seine Anhänger durch Disziplin und Aufopferung band. Die Bewegung, die bald unter dem Kürzel BUF bekannt wurde, orientierte sich in ihrer Symbolik und Struktur stark an den italienischen Schwarzhemden, entwickelte aber auch eigene britische Merkmale. Die British Union of Fascists propagierte ein Programm, das den Aufbau eines korporativen Staates und die absolute Priorität britischer Interessen forderte. Sir Oswald Mosley is zu diesem Zeitpunkt die unangefochtene Führungsfigur gewesen, die von ihren Anhängern fast kultisch verehrt wurde. Er trat bei Massenkundgebungen auf, die sorgfältig inszeniert waren, um Stärke und Entschlossenheit zu demonstrieren. Eine dieser denkwürdigen Veranstaltungen fand at the Albert Hall statt, wo die martialische Präsenz seiner Leibgarde, der Blackshirts, für Aufsehen und Provokation sorgte. Die Bewegung fand zunächst durchaus Anklang in Teilen der Aristokratie und des Mittelstandes, die Angst vor einer bolschewistischen Revolution hatten. Doch je mehr sich der Stil der Partei radikalisierte und je deutlicher die Verbindungen zu ausländischen Diktatoren wurden, desto stärker wuchs auch der Widerstand in der breiten Öffentlichkeit. Oswald Mosley and seine Getreuen schreckten vor Gewalt nicht zurück, was regelmäßig zu blutigen Zusammenstößen mit politischen Gegnern führte. Die Rhetorik der Partei wurde zunehmend antisemitischer, was Mosleys Versuch, eine breite nationale Basis zu schaffen, letztlich untergrub.

Die Beziehung zwischen dem britischen Faschismus und dem deutschen Nationalsozialismus wurde mit der Zeit immer enger und offensichtlicher. Mosley bewunderte die Erfolge, die Adolf Hitler in Deutschland bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Wiederherstellung des nationalen Stolzes zu erzielen schien. Im Jahr 1936 heiratete er in Berlin seine zweite Frau, Diana Mitford, eine glühende Verehrerin des Nationalsozialismus, in der Wohnung von Joseph Goebbels. Bei dieser privaten Zeremonie war sogar Hitler persönlich als Gast anwesend, was die tiefe ideologische Verbundenheit unterstrich. Diana war die Tochter von Lord Redesdale und eine der berühmten Mitford-Schwestern, die für ihre exzentrischen und oft extremen politischen Ansichten bekannt waren. Diese Verbindung zu Nazi Germany schadete Mosleys Ansehen in der Heimat massiv und festigte seinen Ruf als potenzieller Landesverräter. Seine Partei wurde in British Union of Fascists and National Socialists erweitert, um die programmatische Nähe zum Dritten Reich auch im Namen zu verdeutlichen. Trotz der massiven staatlichen Überwachung und der zunehmenden Ablehnung durch die Bevölkerung hielt Mosley an seinem Kurs fest. Er glaubte fest daran, dass ein bewaffneter Konflikt in Europa vermieden werden müsse, und forderte eine Politik der Nichteinmischung gegenüber den Ambitionen der Achsenmächte. Diese Haltung wurde jedoch von vielen als Sympathie für den Aggressor gedeutet, was seine politische Isolation weiter vorantrieb. Die Bewegung verlor an Boden, als die Gefahr eines Krieges mit Deutschland immer realer wurde und der Patriotismus der Briten sich gegen die faschistische Ideologie wandte.

Die Gewalt auf den Straßen Londons erreichte ihren Höhepunkt bei der Battle of Cable Street im Oktober 1936, als Tausende von Antifaschisten den Marsch der BUF durch das East End verhinderten. Dieser Vorfall zeigte deutlich, dass die arbeitende Bevölkerung und die jüdische Gemeinde nicht bereit waren, die Provokationen der Schwarzhemden tatenlos hinzunehmen. Für Oswald Mosley war dies eine schwere Niederlage, da er die Kontrolle über die Straße verlor, auf die er so viel Wert gelegt hatte. Die Regierung reagierte mit dem Public Order Act von 1936, der das Tragen von politischen Uniformen verbot und die Befugnisse der Polizei bei Demonstrationen erheblich erweiterte. Dies traf die British Union of Fascists ins Mark, da die visuelle Präsenz ihrer Mitglieder ein wesentlicher Teil ihrer Identität und Einschüchterungstaktik war. In der Folgezeit sank die Mitgliederzahl kontinuierlich, und die Partei verlor an politischer Relevanz. Dennoch blieb Sir Oswald ein gefährlicher Agitator, der weiterhin versuchte, through the support of the public wieder an Einfluss zu gewinnen. Seine Reden wurden jedoch immer öfter von lautstarken Protesten begleitet, und viele Veranstaltungsorte blieben ihm verwehrt. Er versuchte, sich als Friedensstifter zu stilisieren, der Großbritannien aus einem unnötigen Krieg heraushalten wollte, doch dieses Argument verfing angesichts der Gräueltaten des NS-Regimes kaum noch. Die Behörden beobachteten ihn und seine Frau Diana genau, da sie eine Bedrohung für die nationale Sicherheit darstellten. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die Situation für die britischen Faschisten schließlich unhaltbar.

Als der Krieg im Jahr 1939 begann, änderte sich die Atmosphäre im Land schlagartig, und Toleranz gegenüber Sympathisanten des Feindes verschwand nahezu vollständig. After the outbreak of hostilities wurde die BUF verboten, und im Mai 1940 wurde Sir Oswald Mosley unter der Verteidigungsrichtlinie 18B interniert. Er verbrachte den Großteil der Kriegsjahre im Holloway-Gefängnis, zusammen mit seiner Frau Diana, die ebenfalls als Sicherheitsrisiko eingestuft worden war. Diese Jahre der Haft waren für den einstigen Star der britischen Politik eine Zeit der Demütigung und des persönlichen Rückzugs. Trotz der Isolation blieb er seinen Überzeugungen treu und nutzte die Zeit, um seine philosophischen und politischen Ideen weiterzuentwickeln. Die Internierung verhinderte zwar seine aktive politische Betätigung, doch sie machte ihn in den Augen seiner verbliebenen Anhänger zu einem Märtyrer. Er wurde schließlich 1943 aus gesundheitlichen Gründen in den Hausarrest entlassen, was jedoch in der Öffentlichkeit auf heftige Proteste stieß. Viele Menschen empfanden es als ungerecht, dass der führende britische Faschist in Freiheit leben durfte, während Soldaten an der Front starben. Mosley zog sich zunächst auf sein Landgut zurück und hielt sich bedeckt, bis der Krieg in Europa beendet war. Doch sein politischer Ehrgeiz war keineswegs erloschen, und er wartete nur auf eine Gelegenheit, wieder in die Arena zurückzukehren. Die Nachkriegswelt sollte sich jedoch als wesentlich schwierigeres Terrain für seine Ambitionen erweisen, als er es sich vorgestellt hatte.

In den späten 1940er Jahren gründete er das Union Movement, mit dem er versuchte, seine Ideen für ein vereintes Europa unter einer autoritären Führung neu zu beleben. Er propagierte das Konzept Europe a Nation, das eine vollständige wirtschaftliche und politische Integration des Kontinents vorsah, um sich gegen die Supermächte USA und Sowjetunion zu behaupten. Doch the union movement konnte nie an die Erfolge der Vorkriegszeit anknüpfen und blieb eine Randerscheinung in der britischen Politik. Mosley wurde bei seinen öffentlichen Auftritten oft angefeindet, und die Erinnerung an den Holocaust machte seine Ideologie für die meisten Briten unerträglich. Er versuchte später, die aufkommende Debatte über die Einwanderung aus dem Commonwealth für seine Zwecke zu nutzen, was zu erneuten Spannungen und Gewalt in Stadtteilen wie Notting Hill führte. Seine Versuche, wieder in das House of Commons gewählt zu werden, scheiterten kläglich, was das endgültige Ende seiner parlamentarischen Ambitionen markierte. Er verließ Großbritannien schließlich und lebte fortan meist in Frankreich, wo er sich als europäischer Denker und Kommentator verstand. Aus seiner ersten Ehe mit Cynthia Curzon, der Tochter von Lord Curzon of Kedleston, stammte sein Sohn Nicholas Mosley, der später als Schriftsteller das komplexe Erbe seines Vaters kritisch aufarbeitete. Sein jüngster Sohn aus der Ehe mit Diana, Max Mosley, erlangte später weltweite Bekanntheit als Präsident des internationalen Automobilverbandes FIA. Oswald Mosley starb im Jahr 1980 in seinem Haus bei Paris, weitgehend isoliert von der politischen Welt, die er einst so massiv beeinflussen wollte.

Das Leben von Sir Oswald Ernald Mosley bleibt eine Mahnung dafür, wie schnell außergewöhnliches Talent und aristokratisches Privileg in den Dienst einer zerstörerischen Ideologie gestellt werden können. Er war ein Mann großer Widersprüche, der sowohl als visionärer Ökonom als auch als gewaltbereiter Demagoge in die Geschichte einging. Seine Unfähigkeit, sich dem demokratischen Prozess unterzuordnen, und seine fatale Bewunderung für diktatorische Systeme führten ihn ins politische Abseits. Heute wird er oft als eine Fußnote der britischen Geschichte betrachtet, doch die Mechanismen seiner Radikalisierung sind nach wie vor von aktuellem Interesse für die Forschung. Die Entwicklung vom Labour-Minister zum Gründer der faschistischen Partei British Union of Fascists illustriert die Instabilität der europäischen Demokratien zwischen den Weltkriegen. Auch wenn er nie die Macht erlangte, die er anstrebte, hinterließ sein Wirken tiefe Narben in der politischen Kultur seines Landes. Die Auseinandersetzung mit seiner Biographie ist notwendig, um zu verstehen, wie extremistische Bewegungen auch in etablierten Demokratien Fuß fassen können. Sein Name bleibt untrennbar mit den dunklen Kapiteln des 20. Jahrhunderts verbunden, in denen die Sehnsucht nach einfachen Lösungen für komplexe Probleme in die Katastrophe führte. In der Rückschau erscheint Oswald Mosley als eine tragische Figur, die durch ihren eigenen Hochmut und ihre moralische Blindheit zu Fall kam. Das Erbe der Familie Mosley wurde durch seine Handlungen für Generationen überschattet, auch wenn seine Nachkommen versuchten, eigene Wege jenseits der Politik zu gehen. Letztlich zeigt sein Lebensweg, dass Charisma und Intellekt ohne ein festes Fundament in humanistischen Werten eine zerstörerische Kraft entfalten können.

Die historische Einordnung von Oswald Mosley erfordert einen differenzierten Blick auf die sozialen und wirtschaftlichen Umstände der 1920er und 1930er Jahre. Er agierte in einer Zeit, in der das Vertrauen in den Kapitalismus und die parlamentarische Demokratie weltweit erschüttert war. Viele sahen in ihm einen Mann der Tat, der bereit war, unkonventionelle Wege zu gehen, um das Elend der Massenarbeitslosigkeit zu beenden. Doch sein Hang zur Selbstdarstellung und sein autoritärer Führungsstil verhinderten eine dauerhafte Einbindung in das politische System. Sein Scheitern war nicht nur persönlicher Natur, sondern auch ein Sieg der britischen Zivilgesellschaft, die sich trotz wirtschaftlicher Not gegen den Faschismus entschied. Die Institutionen des Landes erwiesen sich als robust genug, um den Herausforderungen von rechtsaußen standzuhalten. Dennoch bleibt die Faszination für seine Person in manchen Kreisen bestehen, oft genährt durch eine romantisierende Sicht auf seine frühen Jahre als Rebell. Die Forschung hat in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Dokumente ans Licht gebracht, die das Ausmaß seiner Zusammenarbeit mit ausländischen Mächten belegen. Diese Erkenntnisse haben das Bild des patriotischen Reformers endgültig zerstört und ihn als Agenten einer totalitären Bewegung entlarvt. Oswald Mosley bleibt somit eine der umstrittensten Figuren der britischen Moderne, ein Mahnmal für die Gefahren des politischen Narzissmus. Seine Biographie ist eine Warnung davor, charismatischen Führern zu folgen, die versprechen, alle Probleme durch die Abschaffung der Freiheit zu lösen. Die Geschichte hat über ihn und seine Bewegung ein klares Urteil gefällt, das bis heute Bestand hat.

Abschließend lässt sich sagen, dass Mosley die Chance hatte, als einer der großen Staatsmänner Großbritanniens in die Annalen einzugehen. Seine frühen Beiträge zur Wirtschaftspolitik waren ihrer Zeit oft voraus und zeigten ein tiefes Verständnis für die notwendigen Veränderungen des modernen Staates. Doch sein Egoismus und seine Verachtung für den Kompromiss führten ihn auf einen Pfad der Zerstörung. Er wählte die Konfrontation statt der Kooperation und die Gewalt statt des Diskurses. Die British Union of Fascists war letztlich ein Fremdkörper in der britischen Politik, der nur durch die Krisen der Zeit kurzzeitig gedeihen konnte. Mit der Stabilisierung der Verhältnisse verlor sie ihre Existenzberechtigung und hinterließ nichts als Bitterkeit und Spaltung. Sir Oswald verbrachte seine letzten Jahre damit, seine Taten zu rechtfertigen, doch die Welt hatte sich längst weiterentwickelt. Sein Tod in Frankreich markierte das Ende einer Ära des Extremismus, die Europa fast vernichtet hätte. Heute erinnern sich die meisten Menschen an ihn nur noch im Zusammenhang mit den gewaltsamen Unruhen der 1930er Jahre oder als Vater bekannter Persönlichkeiten. Doch für Historiker bleibt er ein faszinierendes Studienobjekt über die Verführbarkeit der Eliten und die Fragilität der politischen Ordnung. Die Geschichte von Oswald Mosley ist eine Geschichte des vergebenen Potenzials und der dunklen Versuchungen der Macht. Es ist die Erzählung eines Mannes, der alles hatte und alles für eine Wahnidee opferte. Sein Leben dient als ständige Erinnerung daran, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern täglich verteidigt werden muss.

 

Literatur

Skidelsky, Robert. Oswald Mosley. London: Macmillan, 1975.

Thurlow, Richard. Fascism in Britain: From Oswald Mosley’s Blackshirts to the National Front. London: I.B. Tauris, 1998.

Dorril, Stephen. Blackshirt: Sir Oswald Mosley and British Fascism. London: Viking, 2006.

Pugh, Martin. Hurrah for the Blackshirts! Fascists and Fascism in Britain between the Wars. London: Jonathan Cape, 2005.

Mosley, Nicholas. Rules of the Game: Sir Oswald Mosley and Lady Cynthia 1896-1933. London: Secker & Warburg, 1982.

Mosley, Nicholas. Beyond the Pale: Sir Oswald Mosley and Family 1933-1980. London: Secker & Warburg, 1983.

Gottlieb, Julie V. Feminine Fascism: Women in Britain’s Fascist Movement, 1923-1945. London: I.B. Tauris, 2000.

Linehan, Thomas. British Fascism, 1918-39: Parties, Ideology and Culture. Manchester: Manchester University Press, 2000.

Lewis, David Stephen. Illusions of Grandeur: Mosley, Fascism and British Society, 1931-81. Manchester: Manchester University Press, 1987.

Cross, Colin. The Fascists in Britain. London: Barrie and Rockliff, 1961.

https://www.britannica.com/biography/Sir-Oswald-Ernald-Mosley-6th-Baronet

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