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Startseite > Biographien > Adolf Galland (1912 – 1996)
Geschrieben von: Redaktion Zukunft braucht Erinnerung | Erstellt: 18. Januar 2026

Adolf Galland (1912 – 1996)

General der Jagdflieger der Deutschen Luftwaffe – Mythos und Wahrheit

Adolf Galland - General der Jagdflieger der Deutschen Luftwaffe - Mythos und Wahrheit

Bundesarchiv, Bild 146-2006-0123 / Hoffmann, Heinrich / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 146-2006-0123, Adolf Galland, CC BY-SA 3.0 DE.

Die Geschichte der Luftfahrt im zwanzigsten Jahrhundert ist untrennbar mit den Biografien jener Männer verbunden, die das taktische und strategische Verständnis des Luftkriegs maßgeblich geprägt haben. Einer der prominentesten und zugleich umstrittensten Akteure dieser Epoche war Adolf Josef Ferdinand Galland, dessen Werdegang vom begeisterten Segelflieger zum jüngsten General der Wehrmacht eine beispiellose Karriere innerhalb der militärischen Hierarchie darstellt. Geboren am 19. März 1912 in Westerholt, Westfalen, entwickelte er bereits in seiner Jugend eine tiefe Leidenschaft für die Fliegerei, die ihn schließlich zur Deutschen Verkehrsfliegerschule und später in die geheimen Ausbildungsstrukturen der noch im Aufbau befindlichen Luftwaffe führen sollte. In einer Zeit, in der das Deutsche Reich die Bestimmungen des Versailler Vertrages zunehmend ignorierte, fand der junge Pilot Adolf Galland ideale Bedingungen vor, um sein außergewöhnliches fliegerisches Talent zu perfektionieren. Seine frühe Laufbahn war geprägt von technischem Interesse und einem ausgeprägten Führungsanspruch, der ihn schnell in den Fokus der militärischen Führung rücken ließ. Es war diese Kombination aus persönlichem Wagemut und strategischem Verständnis, die ihn zu einer zentralen Figur der deutschen Militärgeschichte machte. Die folgenden Ausführungen widmen sich dem Leben dieses Mannes, der als Pilot, Kommandeur und späterer Berater der argentinischen luftwaffe die Entwicklung der Jagdwaffe über Jahrzehnte hinweg beeinflusste. Dabei werden sowohl seine militärischen Leistungen als auch seine Konflikte mit der politischen Führung thematisiert, um ein umfassendes Bild dieser komplexen Persönlichkeit zu zeichnen.

Adolf Galland und die Anfänge in der Legion Condor

Der Weg an die Front führte für viele junge Offiziere der damaligen Zeit über den Einsatz im spanischen Bürgerkrieg, wo das Deutsche Reich die nationalspanischen Truppen unter General Franco unterstützte. Hier kam Adolf Galland im Jahr 1937 zum Einsatz, allerdings zunächst nicht in der Rolle eines klassischen Jägers, sondern als Staffelführer in der 3. Staffel der Jagdgruppe 88 der Legion Condor. In Spanien sammelte er grundlegende Erfahrungen in der Nahunterstützung von Bodentruppen, wobei er maßgeblich an der Entwicklung neuer Angriffstaktiken beteiligt war, die später für die Wehrmacht von großem Wert sein sollten. Die Legion bot ein ideales Testfeld für die neuen Flugzeugtypen und die Erprobung moderner Funktechnik unter realen Gefechtsbedingungen, was Galland tiefgreifende Einblicke in die moderne Kriegsführung ermöglichte. Während seiner Zeit in Spanien absolvierte er über 300 Einsätze, wobei er sich durch eine aggressive und zugleich umsichtige Führung auszeichnete. Es war auch die Zeit, in der er sein Markenzeichen, die Zigarre während des Fluges, etablierte, was seinen Ruf als individualistischer und eigenwilliger Offizier festigte. Trotz der Erfolge in der Erdkampfunterstützung blieb sein eigentliches Ziel jedoch stets der Einsatz als Jagdflieger, da er in der direkten Luftbegegnung die reinste Form des fliegerischen Handwerks sah. Die Erfahrungen aus der Legion Condor prägten sein Verständnis von Luftüberlegenheit und zeigten ihm frühzeitig die Grenzen technischer Überlegenheit gegenüber taktischer Flexibilität auf. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er aufgrund seiner Leistungen schnell befördert und übernahm Aufgaben im Reichsluftfahrtministerium, wo er an der Auswertung der spanischen Erfahrungen mitarbeitete.

Die Entwicklung der Taktik durch deutsche Jagdflieger

Nach dem Ende der Einsätze in Spanien und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde deutlich, dass die koordinierte Führung von Jagdverbänden über den Ausgang von Schlachten entscheiden würde. Galland wurde zunächst bei der Invasion Polens erneut in der Erdkampfunterstützung eingesetzt, drängte jedoch unaufhörlich auf eine Versetzung zu einem Jagdgeschwader 27. Dieser Wunsch wurde ihm schließlich gewährt, und er trat seinen Dienst im JG 26 an, einem Verband, der bald unter dem Namen Schlageter Weltruhm erlangen sollte. Hier traf er auf Gleichgesinnte und entwickelte jene Aggressivität im Luftkampf, die ihn zu einem der erfolgreichsten Piloten seiner Zeit machen sollte. Die Messerschmitt Bf 109 war in dieser Phase das Rückgrat der Jagdwaffe und bot den Piloten die notwendige Geschwindigkeit und Steigleistung, um gegen die gegnerischen Jäger bestehen zu können. Galland erkannte schnell, dass die starre Formation der Kette, wie sie noch im Ersten Weltkrieg üblich war, den modernen Anforderungen nicht mehr entsprach. Er propagierte stattdessen den flexiblen Viererschwarm, eine Formation, die eine bessere Rundumsicht und gegenseitige Deckung ermöglichte und die Schlagkraft der Verbände massiv erhöhte. Diese taktische Innovation war ein entscheidender Faktor für die anfänglichen Erfolge der Luftwaffe über den Schlachtfeldern Europas. In dieser Zeit festigte sich auch sein Ruf als Experte, der nicht nur im Cockpit, sondern auch am Planungstisch präzise Analysen liefern konnte. Seine Abschusszahlen stiegen stetig an, was ihn zu einem Idol der deutschen Öffentlichkeit und zu einem hochdekorierten Soldaten machte.

Der Kampf gegen die Royal Air Force im September 1940

Der Sommer und der September 1940 markierten einen Wendepunkt in der Karriere Gallands, als die Luftschlacht um England ihren Höhepunkt erreichte. Als Kommodore des JG 26 stand er direkt an der Kanalfront und lieferte sich tägliche Kämpfe mit den Piloten der Royal Air Force, die sich als ebenbürtige und entschlossene Gegner erwiesen. In dieser Phase des Krieges wurde Galland mit der strategischen Kurzsichtigkeit der Führung der Luftwaffe konfrontiert, die den Jägern befahl, die langsamen Bomber im engen Begleitschutz zu schützen. Galland kritisierte diese Anordnungen scharf, da sie den Jägern ihre wichtigste Waffe, die Beweglichkeit und Überraschung, raubten und sie zu leichten Zielen für die britischen Spitfires machten. Ein bekanntes Zitat aus dieser Zeit überliefert ein Gespräch mit Hermann Göring, in dem Galland auf die Frage, was er für seinen Verband benötige, antwortete, er wünsche sich eine Ausrüstung mit Spitfires. Diese Provokation gegenüber dem Oberbefehlshaber der Luftwaffe verdeutlichte Gallands Frustration über die operative Führung und sein tiefes Verständnis für die technischen Qualitäten des Gegners. Trotz der taktischen Fesseln erzielte sein Geschwader beeindruckende Erfolge, doch die Verluste an erfahrenen Piloten nahmen besorgniserregende Ausmaße an. Galland selbst wurde in dieser Zeit mehrmals abgeschossen, konnte sich jedoch stets retten und kehrte umgehend in den Einsatz zurück. Die Luftschlacht um England lehrte ihn, dass bloße Zahlenmäßigkeit keinen Sieg garantieren konnte, wenn die strategische Zielsetzung fehlerhaft war. Sein Respekt vor den Leistungen der britischen Piloten blieb zeit seines Lebens bestehen und prägte sein späteres Bild als fairer Kämpfer.

Aufstieg zum General der Jagdflieger im Jahr 1941

Das Jahr 1941 brachte eine fundamentale Veränderung in Gallands Leben mit sich, als sein enger Freund und Rivale Werner Mölders bei einem Flugunfall ums Leben kam. Nach dem Tod von Werner wurde Galland von Adolf Hitler persönlich zu dessen Nachfolger als Inspekteur der Jagdflieger ernannt. In dieser Funktion, die er ab November 1941 ausübte, war er für die taktische Führung und die Ausrüstung aller Jagdverbände verantwortlich. Im Juni 1941 hatte er noch an der Spitze seines Geschwaders gestanden, doch nun musste er die Rolle des aktiven Kämpfers gegen die des Strategen eintauschen. 1941 wurde Galland somit zu einem der einflussreichsten Offiziere innerhalb der Wehrmacht, wobei er den Rang eines Generalmajor bekleidete. Mit gerade einmal 29 Jahren war er der jüngste General der deutschen Wehrmacht zu diesem Zeitpunkt. Diese Beförderung war sowohl eine Anerkennung seiner persönlichen Tapferkeit als auch ein Zeichen für den Bedarf an junger, dynamischer Führung in einer immer schwieriger werdenden Kriegslage. Als Inspekteur versuchte er, die Produktion der Me 109 zu steigern und gleichzeitig die Ausbildung neuer Piloten zu forcieren, um den wachsenden Druck an der Ostfront und im Westen zu begegnen. Er kämpfte unermüdlich für eine Priorisierung der Jagdwaffe gegenüber der Bomverwaffe, da er die kommende Gefahr durch die alliierten Bomberflotten frühzeitig voraussah. Seine Position brachte ihn in ständigen Kontakt mit der obersten Führungsebene, wobei er seine Meinung oft mit einer Offenheit vertrat, die ihm nicht nur Freunde einbrachte. Trotz seines neuen Amtes ließ er es sich nicht nehmen, gelegentlich heimlich Feindflüge zu unternehmen, was ihm jedoch bald streng untersagt wurde.

Die Krise der Luftwaffe und die Herausforderungen von 1942

Im Verlauf des Jahres 1942 verschärfte sich die Situation für die deutsche Luftwaffe an allen Fronten zusehends, da die industrielle Kapazität der Alliierten begann, die deutsche Produktion massiv zu überflügeln. Adolf Galland erkannte, dass die Verteidigung des Reichsraums zur wichtigsten Aufgabe der Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg werden würde. Er forderte eine massive Konzentration der Kräfte im Westen, um den Einflügen der amerikanischen und britischen Verbände wirksam begegnen zu können. Doch die politische Führung, insbesondere Hitler und Göring, hielt an der Offensivdoktrin fest und verzettelte die Ressourcen in verlustreichen Kämpfen in Nordafrika und im tiefen Russland. Galland organisierte in dieser Zeit den berühmten Kanaldurchbruch der deutschen Schlachtschiffe, das Unternehmen Cerberus, bei dem er durch eine perfekte Koordination der Jagdflieger den Schutz der Flotte sicherstellte. Dieser Erfolg im Februar 1942 zeigte, was die Luftwaffe unter fähiger Führung noch zu leisten imstande war, konnte aber über die strukturellen Defizite nicht hinwegtäuschen. Der Mangel an Treibstoff und gut ausgebildeten Piloten begann die Einsatzfähigkeit der Verbände zu untergraben, während die technische Weiterentwicklung der Gegenseite rasant voranschritt. Galland drängte auf die Einführung neuer Technologien und unterstützte die Entwicklung von Raketen- und Strahlflugzeugen, um den technologischen Vorsprung zurückzugewinnen. Seine Rolle als General der Jagdflieger erforderte ein ständiges Lavieren zwischen den Anforderungen der Front und den oft realitätsfernen Befehlen aus dem Hauptquartier. Er blieb jedoch eine charismatische Integrationsfigur für die jungen Piloten, die in ihm noch immer den erfolgreichen Jäger sahen.

Konflikte mit der Führung und die Ära der Me 262

Die Jahre 1943 und 1944 waren geprägt von einem zunehmenden Zerwürfnis zwischen Galland und dem Oberkommando der Luftwaffe über den Einsatz neuer Waffensysteme. Besonders die Messerschmitt Me 262, das erste einsatzfähige Strahltriebwerksflugzeug der Welt, wurde zum Zankapfel der Strategen. Während Galland das enorme Potenzial dieses Flugzeugs als Abfangjäger erkannte, befahl Hitler den Einsatz als Schnellbomber, was die Einführung als wirksame Waffe gegen die Bomberströme verzögerte. Als General der Jagdflieger protestierte er energisch gegen diese Entscheidung, da er sah, wie seine Verbände in einem ungleichen Kampf gegen die Übermacht der Alliierten verheizt wurden. Die Frustration über die Inkompetenz der obersten Führung führte schließlich dazu, dass Galland bei Göring in Ungnade fiel und Anfang 1945 seines Amtes enthoben wurde. Sein Eintreten für seine Männer und seine fachliche Integrität machten ihn jedoch zu einer Legende innerhalb der Truppe. Nach seiner Absetzung erhielt er die Erlaubnis, einen eigenen Verband aus den besten Piloten zu bilden, den Jagdverband 44. In dieser Einheit, die als Schwadron der Experten bekannt wurde, konnte er am Ende des Krieges doch noch die Me 262 im Kampf fliegen. Diese späte Rückkehr ins Cockpit unterstrich seine Identität als Pilot, die er nie ganz aufgegeben hatte, auch wenn er als Generalleutnant hohe Verantwortung getragen hatte. Die Kämpfe in den letzten Kriegswochen waren verzweifelt und konnten den Ausgang des Krieges nicht mehr beeinflussen, zeigten aber noch einmal die technische Überlegenheit der deutschen Strahljäger. Galland selbst erzielte mit der Me 262 noch mehrere Abschüsse, bevor er bei seinem letzten Einsatz verwundet wurde und in Gefangenschaft geriet.

Das Erbe eines außergewöhnlichen Piloten im Nachkriegsdeutschland

Nach dem Ende des Krieges und seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft stand Adolf Galland, wie viele ehemalige Offiziere, vor einer ungewissen Zukunft in einem zerstörten Land. Seine Expertise blieb jedoch international gefragt, und so folgte er einem Ruf nach Südamerika, wo er als Berater der argentinischen luftwaffe tätig wurde. In Argentinien half er beim Aufbau einer modernen Luftwaffe und gab sein Wissen über die Taktik des Jet-Zeitalters an eine neue Generation von Piloten weiter. In dieser Zeit verfasste er auch seine Memoiren, die unter dem Titel Die Ersten und die Letzten zu einem weltweiten Bestseller wurden und das Bild der deutschen Jagdflieger in der Nachkriegszeit maßgeblich prägten. Er kehrte schließlich nach Deutschland zurück und wurde ein erfolgreicher Industrieberater sowie eine angesehene Persönlichkeit in Luftfahrtkreisen weltweit. Galland pflegte nach dem Krieg enge Freundschaften zu seinen ehemaligen Gegnern, wie dem britischen Fliegerass Douglas Bader, was sein Bemühen um Versöhnung und gegenseitigen Respekt unter Soldaten unterstrich. Er blieb bis ins hohe Alter aktiv und war ein gefragter Redner und Zeitzeuge auf internationalen Konferenzen zur Luftfahrtgeschichte. Sein Leben spiegelt die Ambivalenz einer Generation wider, die zwischen technischer Begeisterung, militärischem Pflichtgefühl und der Verstrickung in ein verbrecherisches System gefangen war. Adolf Galland verstarb am 9. Februar 1996 in Remagen-Oberwinter, wobei er als eine der prägendsten Figuren der Luftkriegsführung in die Geschichte eingegangen ist. Sein Name bleibt verbunden mit der Entwicklung des modernen Luftkriegs und der tragischen Geschichte der deutschen Luftwaffe im zwanzigsten Jahrhundert.

Strategische Reflexionen über die deutsche Luftwaffe

Betrachtet man die Karriere von Adolf Galland im Kontext der militärischen Gesamtsituation, so wird deutlich, dass er einer der wenigen war, die die strukturellen Fehler der deutschen Luftkriegführung frühzeitig benannten. Als General der deutschen Wehrmacht war er nicht nur für die Siege seiner Piloten verantwortlich, sondern auch für die Verwaltung des Mangels in den letzten Kriegsjahren. Die deutsche luftwaffe kämpfte ab 1943 einen verlorenen Kampf, was Galland in seinen Berichten an das Oberkommando immer wieder deutlich machte. Er forderte eine radikale Umstellung der Produktion und eine Konzentration auf die Reichsverteidigung, doch seine Vorschläge wurden oft aus politischen Gründen ignoriert. Sein Verhältnis zu anderen Größen, wie etwa General Josef Kammhuber, dem Architekten der Nachtjagd, war von fachlichem Austausch, aber auch von Kompetenzstreitigkeiten geprägt. Dennoch blieb er in der Bewertung seiner Zeitgenossen und späterer Historiker ein brillanter Taktiker, der das Beste aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln herausholte. Seine Beförderung zum Generalleutnant war ein letzter Versuch der Führung, seine fachliche Kompetenz an die Organisation zu binden, doch zu diesem Zeitpunkt war die materielle Unterlegenheit bereits zu erdrückend. Gallands Wirken als Inspekteur der Jagdflieger zeigt exemplarisch das Scheitern einer rein technisch und taktisch orientierten Militärelite an den Realitäten eines totalen Krieges. Sein Leben bleibt ein Studienobjekt für die Verbindung von individuellem fliegerischem Können und der Komplexität moderner militärischer Führung.

Die Rolle der Condor Legion in der Biografie Gallands

Die Bedeutung der Zeit in Spanien für die spätere Karriere von Galland kann kaum überschätzt werden, da hier das Fundament für seinen Aufstieg gelegt wurde. In der Legion Condor lernte er die Notwendigkeit der engen Zusammenarbeit zwischen Luft- und Erdkräften kennen, eine Erfahrung, die er später in die Ausbildung der Jagdflieger einfließen ließ. Die dort eingesetzten Heinkel He 51 waren den sowjetischen Jägern der Gegenseite oft unterlegen, was Galland die Wichtigkeit der technischen Überlegenheit vor Augen führte. Er war maßgeblich an der Erprobung von Abwurftanks beteiligt, die die Reichweite der Jäger erhöhten, eine Neuerung, die im späteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs von entscheidender Bedeutung sein sollte. Sein Einsatz in Spanien war auch politisch aufgeladen, da die Legion ein Instrument der nationalsozialistischen Außenpolitik zur Unterstützung des Faschismus war. Galland sah sich in erster Linie als professioneller Soldat und Pilot, eine Sichtweise, die er auch in späteren Jahren oft betonte, um seine Rolle im Krieg zu definieren. Die Auszeichnungen, die er in Spanien erhielt, ebneten ihm den Weg für seine rasche Beförderung innerhalb der Luftwaffe nach 1939. Die Legion Condor blieb für ihn zeit seines Lebens ein Symbol für den Aufbruch der deutschen Jagdwaffe in die Moderne. Seine dort geknüpften Kontakte bildeten das Rückgrat seines Netzwerks innerhalb der Offizierskorps der Wehrmacht.

Adolf Galland als Leitfigur der Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg

In der öffentlichen Wahrnehmung des Dritten Reiches nahm Galland die Rolle eines Kriegshelden ein, dessen Konterfei die Titelseiten der Illustrierten zierte. Er verkörperte den Typus des modernen Ritters der Lüfte, ein Image, das von der Propaganda bereitwillig aufgegriffen und verbreitet wurde. Als Pilot adolf galland war er für viele junge Deutsche ein Vorbild, wobei seine Erfolge im Luftkampf als Beweis für die Überlegenheit der deutschen Wehrmacht präsentiert wurden. In der Realität war er jedoch ein Mann, der unter dem enormen Druck der Verantwortung für das Leben tausender Piloten stand. Seine Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten war eine der höchsten Auszeichnungen, die vergeben wurden, und unterstrich seine außergewöhnliche Stellung. Er nutzte seinen Ruhm gelegentlich, um sich gegenüber der politischen Führung Freiheiten herauszunehmen, die anderen Offizieren verwehrt geblieben wären. So weigerte er sich standhaft, das Rauchen seiner Zigarren aufzugeben, selbst in Gegenwart von Nichtrauchern wie Hitler. Diese kleinen Akte der Rebellion machten ihn bei seinen Untergebenen beliebt und festigten seinen Ruf als charakterstarker Anführer. Sein Vermächtnis als Jagdflieger im zweiten Weltkrieg ist daher untrennbar mit seiner Persönlichkeit verbunden, die sich nicht vollständig in das Schema des gehorsamen Soldaten einfügen ließ. Die Geschichte Gallands ist somit auch eine Geschichte des individuellen Profils innerhalb eines autoritären Systems.

Technologische Innovationen und die Messerschmitt-Flugzeuge

Die enge Zusammenarbeit mit Konstrukteuren wie Willy Messerschmitt war ein wesentlicher Aspekt von Gallands Wirken als General der Jagdflieger. Er war maßgeblich an der Definition der Anforderungen für zukünftige Jägergenerationen beteiligt und drängte stets auf eine Vereinfachung der Produktion bei gleichzeitiger Leistungssteigerung. Die Messerschmitt Bf 109 wurde unter seinem Einfluss ständig weiterentwickelt, um gegen die neueren Versionen der Spitfire und der Mustang bestehen zu können. Als die Me 262 schließlich die Serienreife erreichte, war Galland einer der ersten, der die Maschine im Flug testete und von ihren Leistungen begeistert war. Er sah in dem Strahljäger die einzige Chance, die Luftherrschaft über Deutschland zurückzugewinnen und die alliierten Bombenangriffe zu stoppen. Sein Kampf für die Me 262 war jedoch ein Kampf gegen Windmühlen, da die strategischen Fehlentscheidungen der Führung nicht mehr korrigiert werden konnten. Dennoch bleibt der Einsatz dieses Flugzeugs am Ende des Krieges eng mit seinem Namen und dem Jagdverband 44 verbunden. Die technologische Überlegenheit der deutschen Strahltriebwerke wurde nach dem Krieg von den Siegermächten analysiert und floss in die Entwicklung der modernen Jet-Luftfahrt ein. Galland fungierte hierbei oft als Mittler zwischen der alten Welt der Kolbenmotoren und der neuen Ära der Düsenjets. Seine technische Expertise machte ihn auch nach 1945 zu einem gefragten Berater für Luftfahrtunternehmen.

Galland und Werner Mölders: Eine prägende Kameradschaft

Die Beziehung zwischen Galland und Werner Mölders war eine der bemerkenswertesten Kameradschaften innerhalb der deutschen Luftwaffe. Beide waren die herausragenden Jagdflieger ihrer Zeit und wetteiferten oft um die Anzahl der Luftsiege, wobei sie sich jedoch gegenseitig respektierten und unterstützten. Während Mölders als eher ernsthafter und methodischer Taktiker galt, wurde Galland als der intuitive und draufgängerische Flieger wahrgenommen. Zusammen entwickelten sie die Grundlagen der modernen Jagdtaktik, die weit über den Krieg hinaus Gültigkeit behalten sollten. Galland und Werner Mölders bildeten das Gesicht der deutschen Jagdwaffe und waren für die Moral der Truppe von unschätzbarem Wert. Nach Mölders‘ Tod im Jahr 1941 übernahm Galland dessen Erbe und versuchte, dessen Reformen im Sinne einer schlagkräftigen Jagdwaffe fortzuführen. Die Benennung von Geschwadern nach diesen beiden Männern zeigt ihre Bedeutung für die Tradition der späteren Luftwaffe der Bundeswehr. In vielen Gesprächen nach dem Krieg betonte Galland, wie sehr ihn der Verlust seines Freundes persönlich und fachlich getroffen hatte. Diese Verbindung zweier Ausnahmeerscheinungen prägte die goldene Ära der deutschen Jagdflieger in den frühen Kriegsjahren maßgeblich. Sie stehen stellvertretend für eine Epoche, in der der Einzelne im Luftkampf noch eine entscheidende Rolle spielen zu können schien.

Die letzten Monate des Krieges und der Fall Gallands

Zum Jahreswechsel 1944 auf 1945 erreichte die Krise zwischen Galland und Göring ihren endgültigen Höhepunkt, was zur sogenannten Meuterei der Jagdflieger führte. Erfahrene Kommodore stellten sich hinter Galland und forderten von Göring eine Rückkehr zur sachlichen Führung und ein Ende der Diffamierung der Jagdflieger als Feiglinge. Göring reagierte mit drakonischen Maßnahmen und entließ Galland aus seinem Amt als General der Jagdflieger, wobei er ihn zeitweise unter Hausarrest stellte. Erst durch das Eingreifen Hitlers wurde Galland rehabilitiert und durfte den Jagdverband 44 gründen, um seine Loyalität im Kampf unter Beweis zu stellen. Diese Episode zeigt die tiefen Risse innerhalb der deutschen Führung und die Verzweiflung der erfahrenen Frontoffiziere angesichts des drohenden Untergangs. Er hatte alles erreicht, was ein Soldat erreichen konnte, und doch endete seine offizielle Laufbahn in tiefer Enttäuschung über die eigene Führung. Der Einsatz mit der Me 262 in den letzten Wochen war ein letztes Aufbäumen gegen das Unvermeidliche, bei dem Galland noch einmal sein ganzes Können als Pilot und Führer unter Beweis stellte. Seine Verwundung kurz vor Kriegsende bewahrte ihn möglicherweise vor weiteren politischen Verwicklungen in den letzten Tagen des Regimes. Nach seiner Genesung und der Kapitulation begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt, der ihn weit weg von den Schlachtfeldern Europas führen sollte. Sein Weg war damit beendet, doch sein Einfluss auf die Geschichte der Luftfahrt blieb bestehen.

Litaratur

Galland, Adolf, Die Ersten und die Letzten. Die Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg, München 1953. Baker, David, Adolf Galland. The Authorized Biography, London 1996. 

Toliver, Raymond F. und Constable, Trevor J., Galland. Ein Porträt, Stuttgart 1992.

Mitcham, Samuel W., Eagles of the Third Reich. Men of the Luftwaffe in World War II, Galland – German Luftwaffe General and flying Ace, Novato 1988.

Prien, Jochen, Die Jagdfliegerverbände der Deutschen Luftwaffe 1934 bis 1945, Eutin 2000.

Caldwell, Donald L., JG 26. Top Guns of the Luftwaffe, New York 1991.

Braatz, Kurt, Gott oder ein Flugzeug. Leben und Sterben des Jagdfliegers Günther Lützow, Moosburg 2005.

Overy, Richard, The Air War 1939-1945, London 1980.

Murray, Williamson, Strategy for Defeat. The Luftwaffe 1933-1945, Maxwell AFB 1983. 

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