„Romanische Insel im slavischen Meer“ wird Rumänien gern genannt, und das trifft ja auch zu: Nur in den Jahren 106 bis 271 n. Chr. waren die Siedlungsgebiete der Daker und Geten von Rom besetzt, wonach sich die Römer bald wieder in die Sicherheit hinter der Donau zurückzogen. Dennoch reichte diese kurze Zeit von gut anderthalb Jahrhunderten hin, eine irreversible Romanisierung dieser Stämme einzuleiten, die im 14. Jahrhundert mit der Schaffung der rumänischen Fürstentümer Moldau und Walachei ihre Krönung erlebte. Einiges spricht dafür, dass mit den Römern auch die ersten Juden im Dreieck Karpaten – Donau – Schwarzes Meer auftauchten. Details sind unbekannt, da die Bewohner in späteren Jahrhunderten sich dagegen wehren mussten, in völlige Abhängigkeit von den Osmanen zu geraten. 1862 vereinigten sich die „Donau-Fürstentümer“ unter dem Namen „Rumänien“ (România), und 1878 erkannte der Berliner Kongress die Unabhängigkeit Rumäniens an. Zum Königreich (regat) wurde Rumänien 1881.[62]
Rumänen lebten auch westlich des Karpatenbogens in Transilvanien (Siebenbürgen), das seit dem 10. Jahrhundert zu Ungarn gehörte, im russischen Besarabien (benannt nach dem rumänischen Herrscher Basarab), in der österreichischen Bukovina, der bulgarischen Dobrudža und anderswo. Gute neun Zehntel des rumänischen Ethnikums bildeten die Dako-Rumänen in Rumänien, Transilvanien und Besarabien, die Ende 1918 den stolzen Moment ihrer Vereinigung zu „Groß-Rumänien“ (România Mare) erlebten[1]: Rumänien war bereits am 27. August 1916 auf der Seite der Entente in den Krieg eingetreten.[63] Das Territorium vergrößerte sich von 137.000 auf 295.049 Quadratkilometer, die Bevölkerung wuchs von 7,9 auf 18 Millionen Einwohner.
Politik und Juden in Groß-Rumänien
Zwischen beiden Weltkriegen lebte Rumänien in beständiger Furcht vor ungarischem und sowjetischem Revisionismus, der ihm die 1918 gewonnenen Gebiete wieder streitig machte. Um dieser Gefahr zu begegnen, schloss sich Rumänien ab Mitte der 1930er Jahre enger an Deutschland an. Einen größeren Fehler hätte es nicht begehen können: Im Juni 1940 musste es nach einem sowjetischen Ultimatum Besarabien und die Nordbukowina an die Sowjetunion abtreten. Im August 1940 folgte unter deutschem und italienischem Druck die Abtretung Nord-Transilvaniens an Ungarn. Besonders schmerzlich war der Verlust des transilvanischen Landesteils, da es eine landwirtschaftlich und an Bodenschätzen reiche Region von 41.617 Quadratkilometern war, die zudem mehrheitlich von Rumänen (1.171.534 laut Volkszählung von 1930) besiedelt war. Die Ungarn zählten nur 910.692, hinzu kamen noch Juden (138.763), Deutsche (68.264), Ukrainer (24.100) und andere.[2]
Transilvanien und Besarabien waren auch die Heimstatt vieler rumänischer Juden gewesen. Der Berliner Kongress 1878 und der Minderheitenvertrag vom 9. Dezember 1919 verpflichteten Rumänien zur Gleichbehandlung seiner jüdischen Bevölkerung. Im alten Königreich waren Juden jedoch weitgehend von der Staatsbürgerschaft ausgeschlossen; auch in Groß-Rumänien bestand Diskriminierung fort.[3] Beschwichtigende Erklärungen rumänischer Diplomaten widerlegen diese rechtliche und gesellschaftliche Ausgrenzung nicht.[4][64]
Rumänische Politik nach 1918 war ein Gemisch aus etwas Liberalität und viel Leichtfertigkeit. So behauptete und erläuterte es der Deutsche Rudolf Brandsch (1880-1953). Brandsch war der politische Führer und führende politische Kopf der deutschen Volksgruppe in Rumänien, der durch seine unbedingte Loyalität zum Staat, dem er u.a. als Unterstaatssekretär diente, legitimiert war, die strukturellen und mentalen Schwächen Rumäniens zu kritisieren. Dabei rügte er vor allem: Die allgemeine Kultur war bereits im alten Rumänien niedrig und ist durch die jüngsten Vereinigungen weiter gesunken, da die neuen Landesteile zu den „vernachlässigsten Provinzen“ der Staaten gehörten, deren Teile sie waren. Die politische Kultur ist von „skrupelloser Parteipolitik“ und allgemeinem Mangel an „Gesetzesachtung“ geprägt. Die Innenpolitik zeichnet sich dadurch aus, dass der frühere Zentralismus bruchlos auf die neuen Regionen ausgedehnt wurde, was „von unglaublicher Oberflächlichkeit und völliger Verständnislosigkeit für geschichtliche Entwicklung“ zeugt und „eine verbitterte Stimmung bei Führern und Volk erzeugt“. Schließlich: „Man muß als gewöhnlicher Staatsbürger staunen, mit welcher Gleichgültigkeit und Leichtigkeit bei uns die Außenpolitik behandelt wird“. Wichtige Dinge wie „die russische Frage, das mitteleuropäische Problem, das Verhältnis zu den Nachbarstaaten“ spielen kaum eine Rolle, „dafür Nebensachen“, was allen die „völlig Ratlosigkeit“ darüber verdeutlicht, „wie unser Staat aus der ganz verzweifelten Lage herausgebracht werden könnte, in die er durch die Folgen des Weltkrieges zwangsläufig geraten ist“.[5] Wo Rumänien Auswege hätte suchen müssen – „Ostkonföderation“, „Balkankonföderation“ etc. -, vertraute es auf ferne Partner („Kleine Entente“) gegen nahe Feinde („russische Gefahr“) und eröffnete mit seiner Passivität Räume für Populisten und Demagogen.
Rumänische Politik nach 1918 war, neben großen Erfolgen, auch eine Abfolge von fatalen Fehlern: Man wollte den „nationalen Einheitsstaat“ (statul naţional unitar) schaffen, verwischte aber die historisch gewachsenen Unterschiede der einzelnen Landesteile. Der patriotische Trotz der Politik „prin noi înşine“ (durch uns allein) isolierte das Land in Europa, was in der Weltwirtschaftskrise 1929 verheerende Folgen hatte. Die Agrarreform von 1921 sollte der „Beginn der Modernität in Rumänien“ sein, verbitterte aber nur die nationalen Minderheiten der Ungarn und Deutschen, denen die größten Güter enteignet wurden, ohne dass sich dadurch irgendeine Verbesserung für die rumänische Landbevölkerung ergab. Die Verfassung von 1923 führte das allgemeine Wahlrecht ein, von dem die Landbevölkerung, also drei Viertel der rumänischen Gesellschaft, keinen rechten Gebrauch zu machen wusste. Der Grundgedanke der Veränderungen von 1921 und 1923 war, den Bauern zum „zentralen Produzenten der nationalen Wirtschaft“ zu machen, das Dorf kulturell auf nie gekannte Höhen zu heben und so Rumänien zu einer demokratischen, kultivierten und innovativen agro-industriellen Gesellschaft zu transformieren. Aus diesen schönen Vorsätzen wurde buchstäblich nichts, weil man die Bildung der Landbevölkerung in sträflicher Weise vernachlässigte: Wenn die Bauern ihre Kinder überhaupt zur Schule schickten, dann taten sie es aus Furcht vor Strafen, denn sie „betrachteten die Volksschule wie einen Kasernendienst, dem sie auf alle möglichen Arten zu entweichen trachteten“. Bis in die 1930er Jahre hinein wuchs die Zahl der Analphabeten in Rumänien um jährlich 300.000, und allein dieses statistische Faktum illustrierte die Vergeblichkeit aller Bemühungen um Demokratie und Fortschritt.
Die rund 780.000 Juden in Groß-Rumänien lebten unter regional und sozial unterschiedlichen Bedingungen. Rechtliche Beschränkungen und antisemitische Feindseligkeit prägten ihre Erwerbs- und Bildungsmöglichkeiten. Da sie keinen Grundbesitz erwerben durften, wurden sie in den Städten ansässig und betätigten sich dort im Handel und Finanzwesen. Da sie in den Städten lebten, konnten sie Schulen regelmäßiger als Landkinder besuchen, die den Schulbesuch immer wieder wegen der Feldarbeit unterbrechen mussten. Da sie nicht in Dörfern lebten, lebten sie gesünder und länger, denn die Mortalität der rumänischen Landbevölkerung war im 19. und frühen 20. Jahrhundert enorm hoch. Da die Juden Schulen absolvierten, gehörten sie nicht zum „Volk der Analphabeten“ (popor de analfabeţi), als welches Bildungsminister Simion Mehedinţi (1869-1962) die Rumänen noch im Juli 1918 in einer Parlamentsrede bezeichnete.[6] Da sie, speziell in Besarabien zu russischen Zeiten, schlechte Erfahrungen mit „Christen“ gemacht hatten, war ihre Assimilationsbereitschaft zwar regional unterschiedlich ausgeprägt, generell aber eher niedrig – Mischehen kamen so gut wie nicht vor. Da sie in juristischen Berufen, die zum Staatsdienst führten und darum bei Rumänen sehr beliebt waren, früh auf Widerstand stießen, wichen sie auf andere Disziplinen aus. Beispielsweise war die Pharmazie zeitweilig eine Domäne der Juden; zwar hatten sie Schwierigkeiten, als selbständige Apotheker tätig zu sein, aber andererseits waren Medikamentenvertreter, Apothekengehilfen etc. sehr gesucht. Als sich auch hier restriktive Maßnahmen hinderlich auswirkten, wählten die Juden Technik und Architektur, da sie in diesen Berufen vom Staat und von den Berufskammern unabhängiger waren. Neben Sozialneid wirkten religiöse und nationalistische Vorurteile gegen Juden, was mitunter groteske Züge zeitigte: Viele Juden hatten im Ausland studiert, und anstatt diesen Umstand als zusätzliche Qualifikation zu werten, machten die rumänischen Behörden ihnen Schwierigkeiten bei der Anerkennung der Diplome. Da sie in anderen Branchen nicht reüssieren konnten, profilierten sie sich in den genannten, was dann wieder Anklagen der „Überfremdung“ auslöste. Das war rumänischer Alltag, aber „die rumänischen Juden haben diese Entwicklung mit bemerkenswerter Ruhe verfolgt“.[7] Weil sie wussten oder ahnten, dass sie längst über die Fähigkeiten, Kenntnisse, Berufe und Erfahrungen verfügten, die rumänische Bildungs- und Sozialreformer als unabdingbar für die Zukunft „unseres agrarischen, bürokratischen und armen Landes“ (ţara noastră agrară, biurocratică şi săracă) forderten.[8] Minister Mehedinţi verwies in der erwähnten Rede die Abgeordneten auf „einen Teil unseres Volkstums, wo es gar keinen Analphabetismus gibt“, die balkanischen „Aromanen“[9], die sich im Bildungsniveau mit Schweizern und Schweden messen könnten. Er hätte genau so gut die Juden in Rumänien erwähnen können, zumal die zahlreicher als die wenigen Aromanen waren. Jedoch wurde der „Vorsprung“ der Juden von Rumänen allgemein nie erkannt und von antijüdischen Demagogen gegen Juden ausgelegt.
Rumänischer Antisemitismus[10]
Die antijüdischen Demagogen standen ab Mitte des 19. Jahrhunderts hinter dem genuin rumänischen Antisemitismus. Rein äußerlich waren sie zumeist hochgebildete Gelehrte und welterfahrene Politiker – die vor den Juden eine große Angst empfunden haben müssen, die sie dann lautstark zu politischen Programmen stilisierten. Es gab nicht wenige Juden, aber wo sie am zahlreichsten waren – Moldau, Besarabien -, da waren sie am wenigsten assimiliert. Die Juden sprachen Jiddisch und die Sprachen ihrer unmittelbaren Umgebung, also Ungarisch in Transilvanien, Russisch in Besarabien, Deutsch in der Bukovina etc. Dadurch erschienen sie gleich zweifach als străini (Fremde), denn sie redeten in den Sprachen der gestrigen Unterdrücker und heutigen Bedroher. Zudem lebten sie mehrheitlich in Städten, wo doch 14,5 Millionen Rumänen Dorfbewohner waren, es ging ihnen zumeist materiell nicht schlecht, was sie auch vom Gros der Rumänen unterschied, sie hielten so fest an ihrem Glauben wie die Rumänen an ihrer Orthodoxie. Mit anderen Worten: Der rumänische Antisemitismus enthielt alle ethnischen, religiösen, sozialen und ideologischen Motive, aus denen er sich anderswo in zeitlichen Abfolgen speiste.
Anfänglich waren „rassische“ Vorbehalte noch weniger präsent, aber in Europa bestand bereits Misstrauen gegen die Rumänen; ihnen wurden Auflagen gemacht, die vor Erlangung der Unabhängigkeit zu erfüllen waren, z.B. in der Konvention von Paris (1858), die den Walachen und Moldauern auferlegte, alle Bürger und Kulte gleich zu behandeln, bevor sie ihre Fürstentümer vereinigen durften. Das wiederum weckte trotzige Animositäten im Inland, und so überlegten schon die Väter der rumänischen Verfassung von 1866, ob nicht die Juden ein „Hindernis“ (obstacol) für die „Unabhängigkeit, Prosperität und Kultur in Rumänien“ wären. Der endgültige Verfassungstext verordnete in Artikel 7 Ausgrenzung: „Nur Fremde christlichen Glaubens können rumänische Staatsbürger werden“.
Gestützt auf die Verfassung, erließen die Regierungen diskriminatorische Gesetze. Diese provozierten Proteste im Ausland, die mit Gegenklagen beantwortet wurden, dass die Juden in Rumänien praktisch straffrei agierten: Selbst wenn ein Jude straffällig würde, „kommt ein Konsul und sagt: Der ist mein Untertan“. Dieses Wechselspiel von rumänischer Aktion, fremdem Protest und rumänischem „Schmollen“ prägte die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, und es förderte antijüdische Stimmungen, die sich auch sprachlich ausmachen ließen: Wer den Juden nicht als „evreu“ sondern als „jidov“ oder „jidan“ bezeichnete, der gab sich als dessen Feind zu erkennen. Und wenn gar jüdische Weltorganisationen die Gleichbehandlung „rumänischer Juden“ einforderten, kochte der Deputierten-Zorn: „Die Bezeichnung rumänischer Jude (român-israelit) ist eine Beleidigung, die gegen unsere Nation geschleudert wurde“.
In den ersten zehn Jahren Groß-Rumäniens waren die Juden bereit, sich demonstrativ „in Treue und Hingebung für Thron und Vaterland“ zu üben. Sie betrachteten sich als „Rumänen mosaischer Religion“ (Români de religie mosaică), nahmen mehr und mehr Rumänisch als ihre Muttersprache an und benannten ihre Organisation um: Aus der Union der Juden des Landes (Uniune Evreilor Pămînteni) wurde Union der Juden-Rumänen (Uniune Evreilor Români, UER). Erst in den 1930er Jahren, als keine rumänische Partei mehr zu Wahlbündnissen mit der UER bereit war, konnten zionistische Ideen unter rumänischen Juden Raum gewinnen.
Aus der Größe der jüdischen Bevölkerung lässt sich nicht auf sichere oder erträgliche Lebensbedingungen schließen. Der starke Zuwachs nach 1918 hing wesentlich mit der territorialen Vergrößerung Rumäniens zusammen. Die Geschichte dieser Bevölkerung war zugleich von Diskriminierung und antisemitischer Gewalt geprägt.
Auf Seiten der Rumänen war und blieb die Entwicklung völlig irrational: Was immer in Berlin, Paris oder London über rumänische Politik verlautete, bestärkte in Bukarest diejenigen, die überzeugt waren, Juden betrieben mit ausländischer Hilfe eine „Eroberung“ (cotropire) Rumäniens, um aus diesem „einen rein jüdischen Staat“ (un stat pur evreiesc) zu machen. Als der Berliner Kongress in den Artikeln 43 und 44 seines Schlussdokuments die Gleichberechtigung der Juden forderte, replizierte Vasile Conta (1845-1882), Philosoph und Abgeordneter, am 5. September 1879: „Wenn wir nicht gegen das jüdische Element kämpfen, sterben wir als Nation“.
Noch gröberes Geschütz fuhr der allseits verehrte Dichter Vasile Alecsandri (1821-1890) am 10. Oktober 1879 im rumänischen Senat auf. Für ihn waren Juden eine „Heimsuchung“ (încercare) und „Invasion“: Zwar sind sie „ein aktives und intelligentes Volk, aber auch Anhänger des blindesten religiösen Fanatismus, die exklusivsten unter allen Einwohnern des Landes, die am wenigsten assimilierbaren unter allen Völkern der Welt“. Kurz: „Ihr Vaterland ist der Talmud, ihre Macht kennt kein Maß“. Der Romancier und Essayist Ioan Slavici (1848-1925) schlug gar Pogrome vor: „Erwürgen wir sie (să-i sugrumăm), werfen wir sie in die Donau, damit auch nicht der kleinste Rest von ihnen übrig bleibt“. Jahre später mäßigte Slavici seinen Tonfall etwas, blieb aber bis zuletzt ein Befürworter gewalttätiger Methoden gegen Juden.
Wer gegenwärtig, hundert und mehr Jahre später, diese und andere Namen der rumänischen Kulturgeschichte sucht, wird überaus fündig. Wenn sogar der „Nationaldichter“ (poet naţional) Mihai Eminescu (1850-1889) sich in explizit antisemitischen Äußerungen gefiel, dann hatten und haben Rumänen keine Bedenken, diese Seiten der Großen ihrer Literatur und Kultur einfach „auszublenden“. Vermutlich handeln sie damit sogar richtig: Wer immer in Deutschland Martin Luther und andere Größen erwähnt, erinnert sich auch nicht automatisch an deren (milde gesagt) zwiespältige Einstellung zu den Juden. Es gab nun einmal lange Zeiten, in denen Antisemitismus sozusagen „gesellschaftsfähig“ war. Dass er es heute nicht mehr ist, liegt an der zwischenzeitlichen Erfahrung des Holocaust in allen seinen Untiefen. Die letzte noch relevante Frage lautet, ob und wie der Boden für ihn auch von den „gesellschaftsfähigen“ Antisemiten früherer Zeiten bereitet wurde.
Der Antisemitismus der Gründerzeit Rumäniens gab sich zwar radikal und gewaltbereit, war letztlich aber wirr und von irrationalen Ängsten diktiert. Eben das aber machte seine mittelbare Gefährlichkeit aus: Es bedurfte nur einiger „echter“ Antisemiten, die dieser Wirrnis eine rassistische Stoßrichtung gaben, und der Weg zum Holocaust war klar und kurz. Für Rumänien lässt sich das an der kurzfristigen Koalition zwischen Nicolae Iorga und Alexandru C. Cuza zu Beginn des 20. Jahrhunderts exemplifizieren. Der (mittlerweile) weltbekannte Historiker Iorga (1871-1940) war anfänglich ein Muster für diesen Antisemitismus. So führte er am 17. Dezember 1909 im Parlament aus, dass der Zionismus sich in Wahrheit Rumänien als künftige Heimstätte aller Juden auserwählt habe und deshalb die Rumänen hasse, da diese in Ermangelung anderer Räume im Lande bleiben müssten und so den Zionisten den Weg versperrten. Um den rumänischen Anspruch aufs eigene Land zu unterstreichen, gründete Iorga 1910 seine Demokratische Nationalpartei (Partidul Naţionalist Democrat, PND).
Einer der PND-Führer war der Wirtschaftswissenschaftler Alexandru C. Cuza (1857-1944). Cuza stammte aus Iaşi im Norden der Moldau, wo auffallend viele Juden lebten. Seine Wählerschaft entstammte nahezu ausschließlich seiner Heimatregion, aber die verschaffte ihm eine verblüffend lange politische Karriere. In dieser kannte und behandelte Cuza nur ein Thema: Die Juden sind eine „fremde Rasse“, und „die einzig mögliche Lösung des Judenproblems ist die Eliminierung der Juden“ (eliminarea jidanilor). Juden sind „eine verkommene (corcită) und degenerierte Nation“, sie haben kein Land, weil sie unfähig sind, „einen kompletten und produktiven sozialen Organismus zu bilden“, von den Anfängen bis zur Gegenwart unterdrücken Juden andere Nationen, „beuten deren produktive Arbeit aus“, sind „eine parasitäre Nation“ (o naţie parazitară). Bereits 1896 soll er in Bukarest einen internationalen antijüdischen Kongress ausgerichtet haben, zu dem Antisemiten aus der ganzen Welt angereist kamen. Cuza, der mit Wiener Antisemiten in persönlichem Kontakt stand, führte schon 1910 das Hakenkreuz als Symbol seiner „Nationalen“ ein, verband rassistische Feindbilder mit wirtschaftlichen Anklagen: Er jonglierte mit Zahlen, die die ökonomische „Überfremdung“ Rumäniens und sein Credo „Rumänien den Rumänen“ verständlich machen sollten und vor allem führte er einen bizarren Kampf gegen „jüdische Schankwirte“, weil diese angeblich „ganze Dörfer ins Elend brachten“.[11]
Radikale und Extremisten
Die nach 1918 aus außenpolitischen Rücksichten praktizierte Liberalität gegenüber ethnischen Minderheiten verstärkte die Aktivitäten im rechten politischen Spektrum. 1920/21 entstanden zahlreiche „Bewegungen“, die alle weithin von Mussolinis Faschismus inspiriert waren, aber keine Bedeutung erlangten. Gewichtiger war die Spaltung der PND: Die Abtrünnigen unter Cuza gründeten einige „national-christliche“ Parteien, Unionen und Blätter, die noch keine Durchschlagskraft gewannen. Im Grunde ging es ihnen darum, im Lande die Möglichkeiten, den Zulauf und das Wahlecho für eine rechtsradikale Partei zu erkunden – also Gleichgesinnte zu finden, die wie sie überzeugt waren, dass Rumänien in höchster Gefahr sei, von Juden, Freimaurern, Protestanten, dem Alkoholismus etc. vernichtet zu werden. Interessant war dabei, dass die Initiatoren – Hochschullehrer, Dichter, Schriftsteller etc. – es vor allem auf die Jugend abgesehen hatten.
Ein erster Erfolg zeigte sich, als Cuza mit Nicolae Constantin Paulescu (1869-1931) zusammentraf. Paulescu war zu dieser Zeit bereits ein bekannter Mediziner und Insulinforscher. Den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1923 erhielten Frederick G. Banting und John J. R. Macleod für die Entdeckung des Insulins.[65] Weltanschaulich war Paulescu ein bigotter Christ und pathologischer Judenhasser, für den die Juden alle „Gottesmörder“ waren und ausgerottet werden sollten.[12] Paulescu hatte 1922 eine Christliche National-Union (Uniune Naţional Creştine) gegründet, die er unter dem Einfluss Cuzas am 3. März 1923 zur Liga für Christliche National-Verteidigung (Liga Apărării Naţional Creştine, LANC) umformte. Cuza wurde Vorsitzender der LANC, aber Paulescus Postulat, den Juden eine „systematische und totale Ausrottung“ (exterminarea sistematică şi totală) zu bereiten, wurde zur Leitlinie der Liga.
Zu LANC war auch eine christlich-nationalistische Studentengruppe gestoßen, unter Führung des jungen Rechtsanwalts Corneliu Zelea Codreanu (1899-1938, überlieferte Bildunterschrift: „Heil allen, die zum großen Sieg der Legionäre mitmarschieren“). Codreanu und seine Leute verübten Anschläge gegen Juden, wofür sie mehrfach im Gefängnis landeten. 1924 erschoss Codreanu den Polizeichef von Iaşi, Constantin Manciu. Er kam vor Gericht, wurde aber im Mai 1925 freigesprochen. 1926 hielt er sich in Grenoble auf.[76] 1927 trennte er sich von LANC und gründete am 24. Juni 1927 in Iaşi die Legion Erzengel Michael (Legiune Arhanghelui Mihail). 1931 wurde die Legion verboten, worauf Codreanu sie unter dem Namen Eiserne Garde (Garda de Fier) weiterführte. 1933 plante Premier I. G. Duca (1879-1933) eine erneute Auflösung der Legion, weswegen er am 29. Dezember von Legionären erschossen wurde. 1935 verwandelte Codreanu, mit Billigung der Regierung, die Legion zur Partei Alles für das Land (Totul pentru Ţară). 1938 wurde er auf Befehl des Königs Carol II. zu zehn Jahren Haft verurteilt, in der Nacht zum 30. November 1938 aber auf einem Transport nach Bukarest zusammen mit 13 mitgefangenen Legionären erschossen.
Bei ihrer Auflösung verfügte die Legion bereits über 45 Regionalorganisationen und genoss einige Popularität bei Bauern und jungen Intellektuellen. Bei Wahlen konnte sie LANC anfänglich noch überflügeln, aber das änderte sich, als letztere bei den Wahlen 1931 und 1932 acht bzw. elf Parlamentssitze errang. Später erweiterte sie ihren Einfluss noch, als sie sich am 16. Juli 1935 mit der Nationalen Agrar-Partei (Partidul Naţional Agrar) zur National-Christlichen Partei (Partidul Naţional Creştin, PNC) vereinigte. Cuza, bereits 78 Jahre alt, wurde „oberster Chef“ (şef suprem) der PNC. Die neue Partei verfügte über 18 Parlamentssitze und führte das Hakenkreuz (zavstica) als Parteisymbol. Ihre paramilitärische Organisation Lăncierii verübte ständig Anschläge gegen Juden, wobei sie mit Codreanus Legionären wetteiferte, mit denen sie sich nicht selten blutige Straßenschlachten lieferte. Das PNC-Programm war strikt antisemitisch und seine Hauptforderung war, die Juden per numerus clausus aus allen öffentlichen Institutionen und aus dem Staatsdienst zu vertreiben.
Hitlers NSDAP als Vorbild
Eigentlicher Parteichef der PNC war der Dichter Octavian Goga (1881-1938), einer der beliebtesten und höchstdekorierten Poeten Rumäniens in der Zwischenkriegszeit. Als mehrfacher Minister hatte er auch politische Erfahrungen gesammelt und sich dabei zum führenden Antisemiten des Landes entwickelt. Im Grunde entsprang sein Antisemitismus der Angst vor Ungarn, denn er hielt die Juden für „unbekehrbar“ proungarisch und darum für Feinde Rumäniens. Die gemeinsame Gegnerschaft gegen Juden war dann auch die Basis der Fusion der Parteien von Cuza und Goga, da sie deren jeweiligen Antisemitismus gewissermaßen potenzierte, was die PNC aus dem übrigen Parteienspektrum Rumäniens, in welchem Fusionen und Trennungen alltägliche Erscheinungen waren, heraushob.
Hinzu kam der hypertrophe Nationalismus der PNC, der vor allem das Werk des Dichters Nichifor Crainic (1889-1972)[72] war. Crainic hatte bereits in der alten Goga-Partei als Generalsekretär gewirkt und versah dieses Amt auch in der neuen PNC. Sein Antisemitismus war weniger ausgeprägt als der Gogas und Cuzas, da er sozusagen in einen schwärmerischen Chauvinismus eingebettet war: Rumänien hat nur als ethnisch homogener Staat die Chance, ein Leben in Frieden und gegenseitiger Achtung zu führen, aber noch hat es diese Chance nicht, weil „entromanisierte Rumänen“ die Parteien und die Politik dominieren; in Rumänien leben nur die gut, die sich an „parasitäre Fremde“ halten, und Politiker zeigen sich nur dann machtbewusst, wenn sie gegen aufrichtige Patrioten und Nationalisten vorgehen, um ihren eigenen Verrat zu bemänteln etc. Im Zivilberuf war Crainic Theologie-Professor, was seiner Einstellung zum Judentum eine bizarre Note gab: Das Alte Testament ist nicht jüdisch, Jesus war kein Jude, der Talmud ist „eine Waffe zur Bekämpfung der christlichen Evangelien und zur Vernichtung von Christen“ etc.
Alfred Rosenberg, Chef des Außenpolitischen Amts von Hitlers NSDAP, hatte 1934 erkannt: „In Rumänien existiert ein machtvolles antisemitisches Fundament. Jedoch hat sich diese Tendenz ungeachtet vieler Anstrengungen nie über die Grenzen eines Clubs erhoben, weil zu viele akademische Doktrinen in der Führerschicht im Umlauf sind. Es fehlt die Orientierung und Führung durch eine politische Persönlichkeit. Nach langem Suchen glaubt das Amt jetzt, diese Persönlichkeit gefunden zu haben: den ehemaligen Minister und Dichter Octavian Goga“.
Und weil NS-Politiker den Rumänen Goga so vielversprechend einschätzten, manipulierte Rosenberg 1934 deutsch-rumänische Finanztransaktionen derart, dass für die PNC eine Unterstützung von 700.000 Reichsmark heraussprang. „Geldbote“ war der Rumäne Radu Lecca (1902-1980), der noch Rumänien-Korrespondent des „Völkischen Beobachters“ war, später aber zum „Judenkommissar“ im Lande avancierte. Dass die Nationalsozialisten überhaupt finanziell in und auf Rumänien wirken konnten, war nur in Fortführung früherer Kontakte möglich. Vor dem Ersten Weltkrieg kamen 70 Prozent des gesamten rumänischen Imports aus Deutschland, und in eine solche Abhängigkeit wollte sich Groß-Rumänien nicht wieder begeben. Erst nach 1928, als Rumänien dringend benötigte Kredite in keinem anderen Land Europas bekommen konnte, wendete es sich wieder Deutschland zu. Damit erreichten die Deutschen eine Position, die fast so stark wie vor dem Krieg war.[13]
Es war auch verständlich, dass die deutschen Nationalsozialisten auf Goga verfielen. Dieser war bis zum Ersten Weltkrieg von dem sozialen Antisemitismus des Wiener Bürgermeisters Karl Lueger (1844-1910) beeinflusst gewesen, wandelte sich danach aber zum rassistischen Antisemiten. Diese Orientierung musste ihn in eine wachsende Nähe zu Hitlers Antisemitismus bringen, wie sich schon aus Gogas bevorzugtem Vokabular herauslesen ließ: „puritate rasiale“ (rassische Reinheit), „privilegii sângelui“ (Bluts-Privilegien), „adevărul organic ale rasei“ (organische Wahrheit der Rasse), „furtună purificatoare“ (stürmische Säuberung), „ofensivă naţională“ (nationale Offensive) gegen „paraziţii“ (Parasiten) etc.
Da auch Cuza ähnliche Ideen hegte, war es nicht verwunderlich, dass er und Goga zu „Lieblingskindern“ deutscher NS-Medien avancierten.[14] 1935 hatte Hans Krebs (1888-1947) – ein NS-Aktivist aus dem Sudetenland, der 1947 in Prag zum Tod verurteilt und hingerichtet wurde – ein Buch „Die Weltfron – Stimmen zur Judenfrage“ veröffentlicht, in dem Antisemiten aus ganz Europa zu Wort kamen. Über Rumänien schrieb Cuza, dessen Beitrag der NSDAP so gut gefiel, dass sie ihn auch separat verbreitete.[15] In diesem fanden sich solche Sätze: „Nachdem die Juden durch Wucher und Schnapsverkauf die Bauern ausgeplündert und den christlichen Mittelstand ruiniert haben, wollen sie jetzt durch ihre Gleichstellung die führende Klasse des rumänischen Volkes gänzlich ausrotten und sich (…) zu Führern des ganzen Landes aufschwingen! (…) Die Juden lassen sich nicht assimilieren (…) Mit den Juden können die anderen Völker nicht zusammenleben (…) Die Eliminierung der Juden aus der Mitte der Völker ist die einzige Lösung der Judenfrage“.
Unter dem Einfluss Rosenbergs schwenkte Cuza vollends auf Hitlers Linie ein: „Ohne Deutschland und ohne Adolf Hitler könnte sich Rumänien heute nicht gegen die jüdische Vorherrschaft aufraffen“. Für die Zukunft der Juden sah Cuza nur zwei Möglichkeiten: „Ich trete für die Idee der Einberufung eines antijüdischen Weltkongresses ein. Wir müssen die westlichen Demokratien vor die Wahl stellen, entweder neue Gebiete für die jüdische Einwanderung zu erschließen, oder aber eine Gewaltlösung in Kauf zu nehmen. Wir halten das Volk nur mit Mühe vor Pogromen zurück“.[16]
Ähnlich umworben war Goga, vor allem während seiner kurzfristigen Amtszeit als Premierminister (29. Dezember 1937 bis 10. Februar 1938). Rumänien hat von 1918 bis 1945, also in nur 27 Jahren, 36 Regierungen gehabt, und die von Goga war eine der kürzesten, aber auch eine der folgenschwersten. Denn in dieser Phase wurde versucht, Gogas extreme Vision einer „Lösung der Judenfrage“ umzusetzen: „Alle, die glauben, daß unsere jüdische Frage nur ein wirtschaftliches Problem ist, unterliegen einem Irrtum. (…) Sie haben ein teuflisches Netz von schlechten Einflüssen auf die rumänische Seele gesponnen und sie mit zersetzenden Formeln krank gemacht. (…) Für uns gibt es nur eine einzige endgültige Lösung des jüdischen Problems: die Sammlung aller Juden auf ein noch freies Gebiet und die Gründung eines jüdischen Nationalstaates – je weiter von uns, desto besser“.[17]
Seit 1930 änderten sich die politischen Verhältnisse in Rumänien, die relative Liberalität der Anfangsjahre war vorüber. Innerhalb der jüdischen Bevölkerung standen sich unterschiedliche politische Strategien gegenüber, darunter die Zusammenarbeit mit rumänischen Parteien und eine eigenständige jüdische Interessenvertretung. Am 4. Mai 1931 entstand die Jüdische Partei Rumäniens (Partidul Evreiesc din România). Sie errang 1931 vier und 1932 fünf Parlamentssitze.[74] Ihre Führer postulierten, die gesamte „jüdische ethnische Kommunität“ Rumäniens zu vertreten, und forderten eine volle kulturelle und eine partielle territoriale Autonomie.[18]
Solche Forderungen waren zu dieser Zeit völlig illusionär, denn König Carol II. (1893-1953) begann, seine persönliche „Diktatur“ zu errichten, die weder mit dem „Statut des Königshauses“ (1884) noch mit der Verfassung (1923) in Einklang zu bringen war. Nominell blieb Rumänien eine konstitutionelle Monarchie, aber die neue Verfassung vom 27. Februar 1938[73] initiierte ein autoritäres Regime des Königs, das die Gewaltenteilung faktisch aufhob, dem Parlament nur noch eine „dekorative Rolle“ beließ und die Regierungsmacht in allen Segmenten kontrollierte.
Die pointiert antisemitische Politik der Regierung Goga blieb davon unberührt, vielmehr hatte sie, wie die NS-Presse bewundernd berichtete, „gleich in den ersten Tagen nach ihrer Amtseinsetzung eine Reihe von Maßnahmen durchgeführt, wie sie bisher selbst in radikal antisemitischen anderen Staaten nicht angewandt wurden“.[19] Es ging vor allem darum, möglichst alle Juden aus dem Wirtschafts- und Kulturleben und dem Staatsdienst auszugrenzen und möglichst vielen durch Überprüfung der Staatsbürgerschaftslisten politische Rechte wegzunehmen. So sah es ein Regierungsdekret vom 22. Januar 1938 vor, nach welchem diese Überprüfung nötig sei, da „nicht weniger als 250.000 bis 500.000 Personen als Flüchtlinge oder Emigranten nach Rumänien gekommen seien und somit kein Anrecht auf die rumänische Staatsbürgerschaft besäßen“. Das war ein klarer Verstoß gegen den Minderheitenvertrag von 1919, und der Jüdische Weltkongress drängte den Völkerbund, Rumänien zur Erfüllung eingegangener Verpflichtungen zu veranlassen.[20] So geschah es auch: Am 14. Mai und 17. September 1938 verhandelte Außenminister Nicolae Petrescu-Comnen (1881-1952), ein überzeugter Demokrat und Europäer, im Völkerbund, und im gleichen Jahr musste sich König Carol II. bei einem London-Besuch heftige Vorwürfe der britischen Regierung anhören. Die internationalen Proteste verhinderten jedoch nicht den massenhaften Entzug der Staatsbürgerschaft durch die 1938 eingeleitete Überprüfung.
Zeitgenössische Presseberichte über die Überprüfung der Staatsbürgerschaft sind kritisch zu lesen. Im Juni 1938 wurden insgesamt 398.704 Juden zu dieser aufgefordert, und Ende des Jahres wurden nach damaligen Presseangaben allen, deren rumänische Staatsbürgerschaft unklar war, „Identitätskarten“ ausgegeben. Diese Ausweise bedeuteten keine Wiederherstellung entzogener Staatsbürgerrechte.[21] Auch Auswanderungspläne wurden in der Presse beschönigend dargestellt: Die Regierung wollte binnen drei Jahren 150.000 Juden aus den östlichen Landesteilen nach Palästina abschieben und alle dabei anfallenden Kosten übernehmen – ein Plan, den die Juden dem damaligen Bericht zufolge „mit Genugtuung“ aufnahmen.[22] Um die Auswanderung zu erleichtern, gründeten Juden eine „Jüdische Territorialbewegung“, die nach ihrem Leiter allgemein nur „Aktion Willman“ genannt wurde. Ziel der Bewegung war, dass Juden, „um ihre menschliche Würde und ihr Dasein zu retten, aus Rumänien auswandern werden“, denn es sei „unbestreitbar, daß auch sie ein Recht zum Leben hätten“.[23]
„Judenpolitik“ in Rumänien nach 1940
Als Folge des Hitler-Stalin-Pakts (1939) hatte Rumänien, wie eingangs erwähnt, im Juni 1940 Besarabien an die Sowjetunion ausliefern müssen. Mit dem Zweiten Wiener Schiedsspruch, der Rumänien am 30. August 1940 zwang, Nord-Transilvanien an Ungarn abzutreten, hatte Hitler beide Länder fest in der Hand: Der wachsende deutsche Einfluss verstärkte die antisemitische Politik. Diese beruhte jedoch zugleich auf eigenständigen rumänischen Traditionen und Entscheidungen; sie lässt sich nicht allein als deutsches Diktat erklären.[66] Dort hatten früher Juden (4% der Gesamtbevölkerung 1930) 10-50% der Stadtbevölkerung gestellt. In Groß-Rumänien lebten, wie erwähnt, rund 780.000 Juden, davon in ländlichen Regionen nur zwischen 0,3 (Banat) und 4,3 Prozent (Besarabien)[24], und so verlor Rumänien mit den Gebietsabtretungen von 1940 429.000 Juden, mehrheitlich Angehörige eines urban-unternehmerischen Bürgertums.[25]
Der Schiedsspruch war eine ökonomische, politische und nationale Katastrophe, deren Umfang Hitler bereits am 17. Juli 1940 in einem zynischen Brief an König Carol II. klargemacht hatte: Rumänien habe 1918 dank glücklicher Umstände fremde Territorien gewonnen, „die es, meiner Meinung nach, nicht mehr lange mit einer Politik der Stärke wird halten können“. Die Rumänen sollten froh sein, dass „Ungarn nicht auf einer strikt juristischen Befriedigung seiner Ansprüche besteht, sondern zu Verhandlungen auf der Basis eines ausgewogenen Kompromisses bereit ist“. Sollte Rumänien zu keiner „friedlichen Verständigung“ bereit sein, werde Deutschland „völlig desinteressiert an künftigen Entwicklungen in Südost-Europa sein“ und seine Wehrmacht nicht einsetzen, falls es wegen territorialer Dispute zu einem Krieg kommen sollte. Wenn Rumänien einwilligte, könne es auf deutsche und italienische Förderung und auf ungarische und bulgarische Kooperation rechnen – wenn nicht, würde die deutsche Regierung die ungarische und bulgarische darüber informieren, dass es keinen Weg zur Krisenlösung gäbe.[26] Im Klartext hieß das, dass Hitler Ungarn und Bulgarien freie Hand gab, mit Rumänien nach Belieben zu verfahren, also auch einen Krieg (război) zu führen.
Unter diesen Umständen dankte Carol am 6. September 1940 ab[67], überließ den Thron seinem Sohn, der als König Mihai I. (*1921) regierte. Carol verließ das Land und hinterließ seinem Sohn ein verstümmeltes, politisch zerrissenes Rumänien in einem Europa im Krieg. Das Land war ein Satellit von Hitlers Deutschland, sein König eine Marionette der zur Macht drängenden Extremisten. Rumänien war exakt in jener umfassenden Staatskrise gelandet, die Rudolf Brandsch knapp zwanzig Jahre zuvor prophezeit hatte: Die rumänische Führung hatte die potentiellen Gefahren des nachbarlichen Revisionismus zwar immer gekannt, konkret aber nie etwas dagegen unternommen, so dass das Land nun hilflos Entwicklungen gegenüberstand, die sintflutartig über es hereinbrachen. Was Brandsch nicht vorhersehen konnte, war die spezifische Zuspitzung der Innenpolitik unter dem Aspekt der Gegnerschaft gegen die Juden: In den 1920er Jahren hatte es mitunter Maßnahmen gegeben, die indirekt antijüdisch wirkten, etwa das Staatsbürgergesetz von 1924 (sog. „Mirzescu-Gesetz“), das ca. 160.000 Juden vom Wahlrecht ausschloss. In den 1930er Jahren entstand langsam ein „Staats-Antisemitismus“ (antisemitism de stat), dem nach 1940 antijüdische Repressionen nach deutschen Mustern folgten.
Anzeichen der Radikalisierung im Inneren war das Wiedererstarken der Legion. Nach dem Tod Codreanus wurde diese von Horia Sima (1907-1993) geführt. Der lenkte den Antisemitismus Codreanus („Die historische Mission unserer Generation ist die Lösung des Judenproblems“) in neue Bahnen: Rumänien und seine Politiker sind „verjudet“, die Juden stecken auch hinter dem Bolschwismus und Kommunismus als neuen Kampfmitteln gegen das Christentum etc. Mit dieser neuen Ideologie und ihrer alten Gewaltbereitschaft kamen sie mit Mihai I. an die Macht, dessen erstes Dekret bestimmte: „Der rumänische Staat wird ein national-legionärer Staat. Die Legionärs-Bewegung (Mişcarea legionară) ist die einzige im neuen Staat anerkannte Bewegung“. Mitte November 1940 verfügte die neue Regierung eine Fülle antijüdischer Gesetze, die alle auf eine – von „Rumänisierungskommissaren“ (comisari de românizare) überwachte – „Entjudung der rumänischen Wirtschaft“ hinausliefen.[27] Die Enteignungen und Übergriffe schädigten jüdische Existenzen und störten zugleich die Wirtschaft, die unter den Gebietsabtretungen und der Missernte dieses Jahres ohnehin litt. Die Legionäre gerieten dabei auch in Gegensatz zu anderen Politikern und zu den Wirtschaftsführern.[28] Hinzu kam ihr blutrünstiger Terror, der in der Nacht vom 26. zum 27. November 1940 im Massaker an politischen Gefangenen im Gefängnis Jilava gipfelte. Iorga wurde ebenfalls von Legionären ermordet, jedoch nicht bei diesem Gefängnismassaker.[68] Im Dezember 1940 rügte Constantin Brătianu (1887-1955), Vorsitzender der oppositionellen National-Liberalen Partei (Partidul Naţional Liberal, PNL), dass die Legionäre „verantwortungslose Halbstarke“ seien, die wirtschaftlichen Unfug stifteten; sie schlössen jüdische Betriebe, die dann „in den Händen von Deutschen oder Sachsen“[29] landeten, weil die Rumänen nicht ausreichend Geld besäßen, diese zu erwerben. Laut „Rumänisierungsgesetz“ vom 18. November 1940[30] sollten an die Stelle der entlassenen Juden (denen „Entschädigungen“ gezahlt wurden) nur Rumänen treten.
Eigentlicher „starker Mann“ Rumäniens war seit September 1940 Marschall Ion Antonescu (1882-1946), den Carol II. am 4. September zum Ministerpräsidenten ernannte. Am Tag darauf setzte Antonescu die Verfassung außer Kraft und zwang den König zur Abdankung. Nur dafür hatte er die Legionäre mit „an Bord“ genommen, die er generell ablehnte; übergehen konnte er sie nicht, eher schon bremsen, denn sie hatten gleichzeitig Angriffe auf staatliche Institutionen, Kasernen etc. gestartet. Alles, was Antonescu in jenen Tagen unternahm, tat er bezeichnenderweise im Beisein des deutschen Botschafters Wilhelm Fabricius. Dieser offenbarte Anfang August 1940 einen gewissen „Wert“ für Rumänien, da er Hitler telegraphisch beschwor, keine „Erfüllung maximaler ungarischer Territorialansprüche“ in Transilvanien zuzulassen, da solches die dortige deutsche Volksgruppe „zerreißen“ (rupe) und dem ethnischen bzw. wirtschaftlichen Untergang ausliefern würde.
Antonescu war Berlins Mann. Zwar kannten die Deutschen auch Codreanu, dessen Autobiographie in deutscher Übersetzung veröffentlicht worden war[31], aber sie hielten nichts von ihm und seinen Legionären. Der blinde Aktionismus der Legion fand bei deutschen Nationalsozialisten kein Verständnis. Als die Legion im Januar 1941 auch noch gegen den conducător statului (Staatsführer) Antonescu putschte, und der sich die Gelegenheit nicht entgehen ließ, seine offiziellen Partner und heimlichen Feinde förmlich zu zerschmettern, da war die deutsche Meinung ganz auf Seiten des Marschalls, einer der „bestimmenden Persönlichkeiten des heutigen Europas“.[32]
Die deutschen Elogen auf Antonescu konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass das vorrangige deutsche Interesse den Rohstoffen und der Industrie Rumäniens galt.[33] Da die Legionäre in Sachen Ökonomie völlige Ignoranten waren, konnten sie keine Wunschpartner sein. Berlin ging den Weg des geringsten Widerstands, denn es wusste wenig von rumänischen Problemen, Erfahrungen, Sehnsüchten. Wenn etwa deutsche „Experten“ das rumänische Besarabien als „Elsaß-Lothringen des Ostens“ bezeichneten[34], dann bewiesen sie doch nur, dass sie von beiden Regionen nichts verstanden.
Antonescu erfüllte die deutschen Erwartungen in mehrfacher Hinsicht. Im Juni 1941 nahm die rumänische Armee unter seinem Oberbefehl am deutschen Angriff auf die Sowjetunion teil. Nach der Rückeroberung Besarabiens rückten rumänische Truppen weiter nach Osten vor. Das Gebiet zwischen Dnister und Südlichem Bug einschließlich Odessa wurde als „Transnistria“ bis 1944 von Rumänien besetzt und verwaltet; es wurde nicht formell Bestandteil des rumänischen Staates. Zeitgenössische deutsche Darstellungen der rumänischen Kriegführung sind als Kriegspropaganda zu lesen.[35]
Transnistria wurde zu einem zentralen Deportations- und Mordgebiet der rumänischen Judenverfolgung. Entrechtung, Beraubung, Zwangsarbeit und Massenmord waren miteinander verbunden. Die Gegenüberstellung eines lediglich wirtschaftlich motivierten rumänischen und eines rassistischen deutschen Antisemitismus ist deshalb unhaltbar. Laut Antonescu verkörperte z.B. sein „Judenenteignungsgesetz“ vom März 1941 einen „Beweis der Einführung des rumänischen Volkes in die nationalistische Denkart, die Europa durchzieht“.[36]
Beleg der Verbindung wirtschaftlicher Ausgrenzung und rassistischer Gesetzgebung war bereits das Königliche Dekret Nr. 2650 vom 8. August 1940, das die rechtliche Stellung der Juden regelte.[37] Grundsätzlich wurden die Juden – deren angeblicher Reichtum in immer grelleren Farben gemalt wurde, je weniger Juden es noch gab[38] – kollektiv von den „Bluts-Rumänen“ (români de sânge) unterschieden und vom Landerwerb in Rumänien ausgeschlossen. Darüber hinaus wurden sie – je nach Stichjahren der Aufenthaltsdauer im Lande bzw. Verdiensten um dieses – in drei Kategorien eingeteilt, wobei nur die Kategorie 2 etwas besser gestellt war, da zu ihr „Juden, die in den rumänischen Kriegen an der Front für Rumänien gekämpft haben“, gehörten. Zu diesen Kriegen kam in der zweiten Jahreshälfte 1941 noch Reintegrationskrieg (Războiul de Reîntregire), und das alles schuf ein definitorisches Chaos in der Unmenge der Bestimmungen: Immer wieder musste festgelegt werden, wer denn nun „Jude“ sei, und selten stimmte eine Definition mit der anderen überein. Zudem mühte man sich vergebens, die deutsche NS-Terminologie zu übernehmen: Für einen im Deutschen so frequenten Ausdruck wie „Volljude“ fand sich überhaupt keine adäquate rumänische Übersetzung; man behalf sich mit „von beiden jüdischen Eltern Geborener“ (născut din ambii părinţi evrei).
Antonescu konnte auf „Vorarbeiten“ früherer Regierungen zurückgreifen, die er mitunter änderte; so schaffte er am 18. Januar 1941 die „Rumänisierungskommissare“ ab, da diese fast ausschließlich unter den Legionären rekrutiert waren und ihre Posten zur schamlosesten Bereicherung ausnutzten. Im Mai 1941 wurde das Nationale Zentrum für Rumänisierung (Centrul Naţional de Românizare, CNR) gegründet.[75] Das Ziel blieb immer dasselbe: Unter dem Deckmantel der „Rumänisierung“ den Juden alles wegzunehmen, was sie besaßen. Darüber hinaus ist die Fülle der antijüdischen Maßnahmen Antonescus nahezu unüberschaubar, weswegen sich auch der eingangs erwähnte (Anm. 10) Bericht über den Holocaust in Rumänien mit einer eher summarischen Darstellung begnügen musste:
- Enteignung jüdischer Besitztümer in ländlichen Regionen: über 95.000 ha Land, Mühlen, Wälder, Brauereien etc. im Gesamtwert von ca. 1,86 Mrd. Lei (1941: 110 Lei = 1 US-$).
- Konfiskation des jüdischen Grundbesitzes in den 1941 zurückeroberten Gebieten (27.091 ha Ackerland, 141 ländliche Fabriken).
- Enteignung jüdischer Fabriken, Banken und Geschäfte (15.987 zwischen September 1940 und Juni 1943).
- Enteignung jüdischer Wohnungen (75.385 bis Dezember 1943, Gesamtwert über 50 Mrd. Lei).
- Enteignung von 35.033 jüdischen Immobilien in den wiedereroberten Gebieten.
- Enteignung von 1.042 jüdischen Gemeindebauten (Synagogen, Schulen, Waisenhäuser, Kliniken etc.).
- Berufsverbot für jüdische Autoren, Schauspieler, Apotheker etc.
- Zwangsentlassungen von Juden aus rumänischen Firmen.
- Verbot für Juden, rumänische Staats- und Privatschulen zu besuchen („numerus nullus“).
- Auflösung der Föderation der Verbände Jüdischer Gemeinden Rumäniens (Federaţia Uniunilor de Comunităţii Evreieşti din România), Einrichtung einer Juden-Zentrale (Centrala Evreilor).
- Entzug des Wahlrechts für Juden.
- Verbot für Juden, Wehrdienst zu leisten; Verordnung (Dezember 1940), für den nicht geleisteten Wehrdienst eine „Wehrsteuer“ zu zahlen und „gesellschaftliche Arbeit“ zu leisten. Diese Bestimmung galt für alle Juden von 18 bis 50 Jahren, und die Arbeit musste in bestimmten „Lagern“ oder „Kolonnen“ mit militärischer Ordnung und Disziplin geleistet werden.
- Einführung einer „Arbeitspflicht“ (muncă obligatorie) von 90 Tagen im Jahr für alle Juden (Juli 1942).
- Verbot für Juden, Radio zu hören (Mai 1941).
- Obligatorische Sondersteuern für Juden („Reintegrationsanleihe“ – fast 2 Mrd. Lei 1942, Zwangssteuer für Lazarette – 500 Mio. Lei, Zwangssteuer für Invaliden – 100 Mio. Lei, laufende Ablieferungsaktionen für Kleidung, Lebensmittel etc. „Sondersteuer“ in Höhe von 4 Mrd. Lei, im April 1943 auf persönliche Weisung Antonescus etc.).
Über 20 Sonderbestimmungen zu Reisen für Juden: Reisen durften sie nur noch zu bestimmten und erlaubten Zwecken – Bade- und Urlaubsreisen waren gänzlich untersagt. Zuwiderhandlungen wurden strengstens bestraft.[39]
Und endlos so weiter – bis hin zu der Verfügung vom 19. August 1942 „Doppelte Brotpreise für Juden“, also für 500 Gramm Brot 30 Lei, wovon der Staat 8 Lei abschöpfte. Wohlgemerkt nur für Brot, denn schon seit 1941 war „es den Juden streng verboten, Semmel und Kipfel zu kaufen“.[40]
Die nationalsozialistische Presse kritisierte die rumänische Verfolgungspolitik aus der Perspektive einer angestrebten noch umfassenderen Entrechtung und Beraubung der Juden. Ihre Kritik an organisatorischen Mängeln ist kein Beleg für eine grundsätzlich harmlose oder nicht rassistische Politik:
„Alle bisherigen Maßnahmen haben daran gekrankt, daß man das Judenproblem in Rumänien infolge der unvorstellbaren Überfremdung der rumänischen Wirtschaft als ein Wirtschaftsproblem und weniger als eine politische, weltanschauliche und rassische Frage sah. Trotz ungezählter Judengesetze gibt es doch kein einheitliches, klares Judengesetz wie z.B. in Deutschland. Ebenso fehlten immer genaue, zuverlässige Angaben über die Zahl der Juden und Judenstämmlinge in Rumänien, wie über ihren wirklichen Einfluß in der Wirtschaft. Der jüdische Besitz war niemals vollständig aufgenommen worden. Die verschiedenen Schätzungen über die Zahl der Juden in Rumänien unterschieden sich um Hunderttausende. Daß diese Mängel sich bei der Enteignung jüdischen Besitzes zum Beispiel recht unerfreulich auswirkten, die Arbeit übermäßig erschwerten und eine glatte Durchführung fast unmöglich machten, ist selbstverständlich. Dazu kamen noch die verschiedenen Kompetenzüberschneidungen und unklaren Abgrenzungen innerhalb der verschiedenen Ämter, die sich alle mit der Lösung dieser Frage oder einzelner Teilgebiete abgaben“.[41]
Diese propagandistische Darstellung muss von der historischen Einordnung unterschieden werden. Auch Berichte über die „Judenzählung“ von 1942 spiegeln die Perspektive der Verfolger. Von diesem Enteignungsorgan ist die Ende 1941 geschaffene Jüdische Zentrale (Centrala Evreilor din România) zu unterscheiden[42]. Sie stand unter staatlicher Kontrolle durch Radu Lecca und wurde zur Mitwirkung an der „Judenzählung“ herangezogen.[43] Lecca, ein alter Vertrauensmann der Deutschen, wurde dabei von dem SS-„Judenexperten“ Gustav Richter (1913- um 1982) und dem deutschen Botschafter Manfred von Killinger (1886-1944) gesteuert. Am 20. Februar 1942 sollte die Zählung abgeschlossen sein, was aber daran scheiterte, dass man kein Papier für die benötigten 400.000 Fragebögen beschaffen konnte. Auch wurde das zugehörige Gesetz geändert, so dass z.B. „Halbjuden“ – die in der rumänischen Judenpolitik weder als Begriff noch als Kategorie existierten – aus der Zählung herausgenommen wurden, desgleichen die Juden in Besarabien, der Bukowina und Transnistria. Am 1. Mai wurden 350.000 Fragebögen gegen eine Gebühr von 20 Lei ausgegeben, Stichtag der Zählung sollte der 30. Juni sein, und 300.000 Bögen kamen von den Juden zurück. Wer die Zählung verweigerte, riskierte Haftstrafen bis zu 10 Jahren, „so daß man mit einer 100%igen Erfassung rechnet“.[44]
Die hier herangezogenen zeitgenössischen Presseberichte ergeben kein verlässliches Gesamtbild der jüdischen Bevölkerung: Der Stichtag war auf den 20. Mai vorgezogen worden, das Ergebnis wurde in unterschiedlichen Größen bekannt gegeben (wobei die Unterschiede rund 15.000 Personen ausmachten, bis man sich am Ende auf „272.409 Volljuden in Rumänien“ einigte[45]), die NS-Presse vermisste ein aus ihrer Sicht ausreichendes Verständnis für die „Judenfrage als Rassenfrage“, und wenige Monate danach herrschte wieder völlige Unklarheit über die Gesamtzahl der Juden in Rumänien.[46] Die Presse fragte nach dem Verbleib von „den rund dreiviertel Millionen Juden der Vorkriegszeit“, ohne die Dimension des Massenmords offenzulegen. Ihre Behauptung, „ein großer Teil“ der Juden aus Besarabien und der Bukowina sei mit den abziehenden sowjetischen Truppen mitgegangen, erklärt die Bevölkerungsverluste nicht[47]. Den damaligen Presseangaben zufolge lebten 200.000 Juden in dem nunmehr ungarischen Nord-Transilvanien, die jüdische Emigration über Bulgarien und die Türkei war „nicht unerheblich“, und aus ganz Rumänien wurden 185.000 Juden „in transnistrische Arbeitslager geschickt“.[48]
Die rumänische und die deutsche Verfolgungspolitik unterschieden sich in Abläufen und einzelnen Maßnahmen. Daraus folgt keine Entlastung der rumänischen Verantwortlichen.[49] Beispielsweise hat es keine einheitlichen Richtlinien zum Tragen des „Judensterns“ gegeben, der im Verlauf des Kriegs nur „in frontnahen Gebieten“ und auf spezielle Anordnung hin getragen werden musste.[50] Auch die „Deportationen von Juden nach Transnistrien“ waren in der Regierung umstritten und wurden z.B. im September 1942 „vorübergehend eingestellt“.[51] Der Grund dafür sollen Einwände einzelner Ministerien gewesen sein, die wohl einen Zusammenbruch der Wirtschaft und Versorgung befürchteten: Wie die gegenwärtige Jüdische Gemeinde in Rumänien (Comunitatea Evreiască din România) dokumentierte, gab es allein im Landesteil Moldova 35.419 jüdische Unternehmer, Geschäftsinhaber etc., ohne die vermutlich kein funktionierendes Wirtschaftsleben aufrechtzuerhalten war.
Rumänische Diplomaten bemühten sich im Kriegsverlauf auch um den Schutz jüdischer Staatsbürger im Ausland. Solche Interventionen richteten sich gegen deutsche Pläne, die vorsahen, alle von Deutschen kontrollierten Gebiete „judenfrei“ zu machen und dabei auch Juden mit ausländischer Staatsangehörigkeit nicht zu verschonen. In aller Eile versorgten die rumänischen Behörden rumänische Juden mit den für eine Heimkehr nötigen Papieren – und im April 1944 wurde die rumänische Botschaft in Budapest angewiesen, abgezählte „51.537 Visa für einen Transit durch Rumänien an ungarische und fremde Juden“ auszugeben.[52]
Solche Rettungsbemühungen einzelner Diplomaten sind von der Verfolgungspolitik des rumänischen Staates zu unterscheiden. General Ion Gheorghe (1893-1957), im Krieg Militärattaché an der rumänischen Botschaft in Berlin und seit Juni 1943 Botschafter, führte einen energischen Kampf zur Freilassung der Juden, die in deutschen KZs inhaftiert waren. Als seine Interventionen von deutschen Behörden laufend abgewiesen wurden, versuchte er, Bukarest zu einer härteren Haltung gegenüber Berlin zu bewegen: „Wir geben unsere souveränen Rechte über rumänische Bürger, wer immer dieser auch sind, nie auf“, zumal die deutsche Behauptung falsch sei, dass Rumänien „zugestimmt habe, daß Deutschland Juden interniert, die rumänische Untertanen sind“. Die Bemühungen um „Schutz für unsere nicht-arischen Bürger“ wurden bis Mai 1944 fortgesetzt, hatten aber keinen Erfolg.[53]
Schlussbemerkung
Im November 1942 erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Mihai Antonescu, er sei „gegen barbarische Maßnahmen und Akte des Terrors gegen arme und schwache Menschen, die sich nicht verteidigen können“.[54] Solche Äußerungen und einzelne Rettungsbemühungen widerlegen nicht die dokumentierte Verantwortung der rumänischen Führung für den Holocaust. Die Forschung hat die Verbrechen anhand von Befehlen, Verwaltungsakten und Zeugnissen der Verfolgten untersucht.[55]
Der Holocaust in Rumänien und in den von Rumänien kontrollierten Gebieten ist historisch belegt. Die Internationale Kommission zur Erforschung des Holocaust in Rumänien beziffert die Zahl der ermordeten oder infolge der Verfolgung gestorbenen rumänischen und ukrainischen Juden auf 280.000 bis 380.000. Die unter Ion Antonescu handelnden rumänischen Behörden trugen eine zentrale Verantwortung für Deportationen und Massenmord.[69] Berichte der NS-Presse über Verzögerungen oder organisatorische Probleme bei Deportationen können diesen Befund nicht entkräften.[56] Transnistria war ein rumänisches Besatzungsgebiet; sein besonderer Verwaltungsstatus entlastet die Besatzungsmacht nicht.[57]
Deutsche Einsatzgruppen waren ebenfalls an den Verbrechen beteiligt. Die Beteiligung deutscher Täter hebt die eigenständige Verantwortung rumänischer Stellen nicht auf. Eine zeitgenössische Meldung der Kronstädter Zeitung ist als Quelle zur damaligen Berichterstattung zu behandeln, nicht als Nachweis einer grundsätzlichen rumänischen Ablehnung des Massenmords.[58]
Auch die Behauptung, der rumänische Antisemitismus sei nicht rassistisch gewesen, widerspricht den in diesem Beitrag angeführten rassistischen Programmen und Gesetzen. Die zitierte Charakterisierung als „Radau-Antisemitismus Jugendlicher, rhetorischer Antisemitismus nationalistisch-konservativer Politiker, bürokratisch-schikanöser Antisemitismus der Verwaltung, wirtschaftlich motivierter, aber nicht weiter auffallender Antisemitismus der ländlichen Bevölkerung“[59] kann die staatliche Verfolgungs- und Vernichtungspolitik der Kriegsjahre nicht angemessen beschreiben.
Enteignung, Ausbeutung und Überlegungen zur Auswanderung gegen Geldzahlungen dürfen nicht als Gegenbeweise zum Massenmord verstanden werden.[60] 1942 stimmte die rumänische Führung zunächst deutschen Plänen zu, weitere Juden in das Vernichtungslager Bełżec zu deportieren, setzte diese Pläne aber später nicht um. Dass dadurch viele Menschen überlebten, ändert nichts an den zuvor und andernorts begangenen Verbrechen.[70]
Am 23. August 1944 wurde Antonescu gestürzt; Rumänien löste sich vom Bündnis mit Deutschland. Zeitgenössische Berichte beschrieben anschließend die Aufhebung antijüdischer Maßnahmen und die Wiederherstellung jüdischer Rechte.[61] Die in solchen Berichten behauptete Rückkehr zur Normalität darf nicht mit einer vollständigen Wiedergutmachung der Verfolgung gleichgesetzt werden.
Vom 6. bis 17. Mai 1946 wurde Gericht über Ion Antonescu und Mitglieder seiner Regierung gehalten; Antonescu wurde zum Tode verurteilt und am 1. Juni 1946 hingerichtet.[71] Laut den Volkszählungen leben gegenwärtig in Rumänien noch etwas mehr als 9.000 Juden. Am 9. Oktober 2004 beging das Land erstmalig einen Tag des Holocaust (Ziua Holocaustului), wobei Präsident Ion Iliescu die allgemeine Trauer über „250.000 Juden, die in Territorien unter rumänischer Administration getötet wurden“, ausdrückte.
Autor: Wolf Oschlies
Sachliche Überarbeitung: Redaktion, 29. September 2026. Korrigiert wurden insbesondere die Einordnung des Holocaust, der staatlichen Verantwortung und der antisemitischen Politik sowie historische Einzelangaben.
Literatur
Stefan Mannes: Antisemitismus im nationalsozialistischen Film. Jud Süß und Der ewige Jude (= ZbE – Sachbuch). 2. überarbeitete Auflage. Norderstedt: BoD, 2026.
Heinen, Armin: Ethnische Säuberung – Rumänien, der Holocaust und die Regierung Antonescu, in: Krista Zach (Hrsg.): Rumänien im Brennpunkt, München 1998, S. 169-197
Scurtu, Ioan et al.: (Hrsg.): Istoria Românilor între anii 1918-1940 (Geschichte der Rumänen in den Jahren), Bukarest 2000
Totok, William: Nicolae Constantin Paulescu – Schita biografică (Biographische Skizze), in: 22 Nr. 709, 7.-13. 10.2003 und Nr. 710, 14.-20.10.2003
Transnistrien, das Reich des Todes – Neuere Forschungen zum Holocaust in Rumänien, in: Neue Zürcher Zeitung 6.11.1999
Anmerkungen
[1] Eine ausführliche Sammlung relevanter Dokumente zu Außen-, Innen-, Wirtschafts-, Parteipolitik etc. Rumäniens findet sich bei Ioan Scurtu et al.: (Hrsg.): Istoria Românilor între anii 1918-1940 (Geschichte der Rumänen in den Jahren), Bukarest 2000
[2] Der Schiedspruch von Wien, in: Südostecho (Wien) 6.9.1940
[3] Kartenquelle der ursprünglichen Fassung: www.lebensgeschichten.org/rumaenien/geschichte-ru.php (Seite nicht mehr abrufbar / 24. November 2014)
[4] Charles M. Mitilineu: Die Juden in Rumänien, in: Neue Freie Presse (Wien) 31.5.1927; der Verfasser war „rumänischer Gesandter“, W.O.
[5] Br. (= Rudolf Brandsch): Grundursachen der rumänischen Krisen, in: Deutsche Politische Hefte aus Großrumänien Nr. 1/1922, S. 1-3; ders.: Zur außenpolitischen Lage Rumäniens, in: ibid. Nr.1-2/1925, S. 1-3
[6] S. Mehedinţi: Şcoala poporului (Schule des Volks), Bukarest 1918, S. 10
[7] Die Juden in Rumänien, in: Neue Zürcher Zeitung 27.1.1938
[8] P.P.Negulescu: Reforma invăţămăntului (Bildungsreform), Bukarest 1927, S. XLII ff.
[9] Zu den Aromanen, Mengleno-Rumänen und anderen Teilen des rumänischen Ethnikums auf dem Balkan vgl. Th(eodor) Capidan: Die Mazedo-Rumänen, Bukarest 1941
[10] Soweit nicht anders ausgewiesen, folgt die Darstellung von hier ab den sehr detaillierten Analysen des zweisprachigen „The Raport of the International Commission on the Holocaust in Romania“ (http://www.yadvashem.org/docs/international-commission-on-romania-holocaust); aus Gründen der höheren Authentizität wurde allein der rumänische Text verwendet, W.O.
[11] Bericht in: Die Zeit (Prag) 7.1.1938
[12] William Totok: Nicolae Constantin Paulescu – Schita biografică (Biographische Skizze), in: 22 Nr. 709, 7.-13. 10.2003 und Nr. 710, 14.-20.10.2003
[13] Josef Macůrek: Rumunsko ve své minulosti i přitomnosti (Rumänien in seiner Vergangenheit und Gegenwart), Prag 1930, S. 133 ff.
[14] Ilariu Dobridor: Die antijüdische Bewegung in Rumänien, in: Der Neue Tag (Prag) 31.7.1942
[15] A.C.Cuza: Das rumänische Judenproblem und die „völkisch-christliche Verteidigung“, in: Völkischer Beobachter 8.1.1938, dito in: Kronstädter Zeitung 3.2.1938
[16] A.C.Cuza (Interview): Weltkongreß zur Lösung der Judenfrage, in: Völkischer Beobachter 9.2.1938
[17] O. Goga (Interview mit dem Deutschen Nachrichtenbüro): Die einzige endgültige Lösung der Judenfrage, in: Kronstädter Zeitung 26.1.1938
[18] Parteiprogramm bei Scurtu, Istoria… aaO., Kap. 10.8
[19] Karl Hermann Theil: Ein Volk in Notwehr – Rumäniens Kampf gegen das Judentum, in: Völkischer Beobachter 6.1.1938
[20] Bericht in: Neue Zürcher Zeitung 27.1.1938
[21] Meldungen in: Berliner Börsen-Zeitung 5.6.1938, Berliner Tageblatt 3.12.1938
[22] Die Juden in Rumänien, in: Neue Zürcher Zeitung 11.1.1939
[23] Meldungen in: Pester Lloyd 16.2.1938, Frankfurter Zeitung 3.1.1939
[24] Zahlen nach: Nieuwe Rotterdamsche Courant 16.1.1938
[25] Sabin Manuila: Das Judenproblem in Rumänien zahlenmäßig gesehen, in: Deutsches Archiv für Landes- und Volksforschung Nr. 3-4/1941, S. 603-613
[26] Wortlaut des Briefs bei Scurtu, Istoria… aaO., Kap. 13.9
[27] Entjudung der rumänischen Wirtschaft, in: Siebenbürgisch-Deutsches Tageblatt 5.12.1940
[28] Ansturm gegen das Judentum, Südost-Echo 25.10.1940
[29] Gemeint waren Angehörige der deutschen Volksgruppe in Transilvanien, die „Siebenbürger Sachsen“.
[30] Deutscher Wortlaut in: Siebenbürgisch-Deutsches Tageblatt 18.11.1940
[31] Codreanu: Eiserne Garde, Berlin 1939
[32] Harald Laeuen: Marschall Antonescu, Essen 1943, Vorwort und S. 81 ff.
[33] Walter Hoffmann: Rumänien von heute – Ein Querschnitt durch Politik, Kultur und Wirtschaft, Bukarest/ Leipzig 1941
[34] Laeuen, Marschall… aaO., S. 126
[35] Laeuen, Marschall… aaO., S. 126 ff. Zur sachlichen Einordnung siehe United States Holocaust Memorial Museum: Romania.
[36] General Antonescu zum Judenenteignungsgesetz, in: Südostdeutsche Tageszeitung 29.3.1941
[37] Deutsche Übersetzung in: Legislativer Informationsdienst 7.10.1940
[38] Quelle der in der ursprünglichen Fassung genannten Grafik: Deutsche Zeitung aus Kroatien (Zagreb) 18.12.1943, Angaben in Mio Lei
[39] Zeitgenössische Meldung: Südostdeutsche Tageszeitung 10.9.1942
[40] Meldung in: Südostdeutsche Tageszeitung 21.8.1942
[41] Judenzählung in Rumänien, in: Der Neue Tag 23.7.1942
[42] Rumäniens europäische Lösung der Judenfrage – Die Durchführungsverordnung zu dem Gesetz über die Errichtung der Judenzentrale, in: Rumänischer Wirtschaftsspiegel 1.3.1942. Zur sachlichen Einordnung siehe Bericht der Internationalen Kommission, Abschnitt zur Jüdischen Zentrale.
[43] Deutsche Übersetzung des „Dekretgesetzes über die Zählung der Einwohner jüdischen Blutes“ vom 16.12. 1941 in: Legislativer Übersetzungs- und Nachrichtendienst Nr. 19, 19.1.1942
[44] Judenzählung… aaO.
[45] Bericht über das Zählungsergebnis in: Rumänischer Wirtschaftsspiegel 20.8.1942
[46] Rumänien wird judenrein, in: Rumänischer Wirtschaftsspiegel 20.8.1942
[47] Die in der ursprünglichen Fassung aus Presseberichten abgeleitete Vermutung, fast alle Juden Besarabiens und der Bukowina hätten sich im Juni 1940 in die Sowjetunion retten können, ist unzutreffend. Flucht, sowjetische Gebietsübernahme 1940 und der Rückzug sowjetischer Truppen 1941 dürfen nicht vermischt werden. Nach dem rumänisch-deutschen Einmarsch 1941 wurden zahlreiche in diesen Gebieten verbliebene Juden ermordet oder nach Transnistrien deportiert. Siehe United States Holocaust Memorial Museum: Romania. Die zuvor angeführte Meldung des Siebenbürgisch-Deutschen Tageblatts vom 1. Juli 1940 belegt kein Überleben der später Verfolgten.
[48] Tartans Ende – Rumäniens Kampf gegen das Judentum, in: Pariser Zeitung 10.6.1943; Rumäniens Kampf gegen die Juden, in: Frankfurter Zeitung 22.7.1943
[49] Detailliert dazu Armin Heinen: Ethnische Säuberung – Rumänien, der Holocaust und die Regierung Antonescu, in: Krista Zach (Hrsg.): Rumänien im Brennpunkt, München 1998, S. 169-197
[50] Meldung in: Südostdeutsche Tageszeitung 10.5.1944
[51] Meldung in: Neue Zürcher Zeitung 30.10.1942
[52] Nicoleta Ionescu-Gura: 1940 – 1944 Cetateni români cu steaua lui David în Europa lui Hitler (Rumänische Bürger mit dem David-Stern in Hitlers Europa), in: www.itcnet.ro/history/archive/mi2000/current11/mi45.htm
[53] Ionescu-Gura, 1940 – 1944… aaO.
[54] Heinen, Ethnische… aaO., S. 193; ebd. auch weitere ähnliche Äußerungen von anderen Politikern.
[55] Transnistrien, das Reich des Todes – Neuere Forschungen zum Holocaust in Rumänien, in: Neue Zürcher Zeitung 6.11.1999
[56] Judenaussiedlung in Rumänien, in: Donauzeitung (Belgrad) 8.8.1942; Vor der Abschiebung der Juden aus Rumänien, in: Kronstädter Zeitung 10.8.1942
[57] Ekkehard Völkl: Das rumänische Besatzungsgebiet „Transnistria“ 1941-1944, in: Zach, Rumänien im Brennpunkt… aaO., S. 67-82
[58] Zeitgenössische Meldung: Kronstädter Zeitung 3.7.1941
[59] Heinen, Ethnische… aaO., S. 178
[60] Details bei Heinen, Ethnische… aaO., passim
[61] Rückkehr der Juden in Rumänien, in: National-Zeitung (Essen) 2.12.1944
[62] Deutsches Historisches Museum: Chronik 1881.
[63] Deutsches Historisches Museum: Kriegseintritt Rumäniens 1916.
[64] International Commission on the Holocaust in Romania: Roots of Romanian Antisemitism, insbesondere zu Staatsbürgerschaft, diskriminierender Gesetzgebung und deren Fortwirken.
[65] Nobel Foundation: The Nobel Prize in Physiology or Medicine 1923.
[66] International Commission on the Holocaust in Romania: Romanian-German Relations Before and During the Holocaust.
[67] U.S. National Archives: RG 84, Rumania.
[68] International Commission on the Holocaust in Romania: The Holocaust in Romania, Abschnitt zum national-legionären Staat.
[69] International Commission on the Holocaust in Romania: Executive Summary, insbesondere die Schlussfolgerungen zu Opferzahlen und staatlicher Verantwortung. Die Schätzung bezieht rumänische und ukrainische Juden in den von Rumänien kontrollierten Gebieten ein; die Opfer aus dem damals ungarisch verwalteten Nordsiebenbürgen sind davon zu unterscheiden.
[70] International Commission on the Holocaust in Romania: Executive Summary, zur zunächst erklärten Zustimmung zu Deportationen nach Bełżec und zur späteren Abkehr von diesen Plänen.
[71] United States Holocaust Memorial Museum: Romania, Abschnitt zum Prozess gegen Ion Antonescu.
[72] Academia Română: Academica, Mai–Juni 2018, Mitgliederverzeichnis.
[73] Die rumänische Verfassung vom 27. Februar 1938, zeitgenössischer Dokumentenabdruck.
[74] YIVO Encyclopedia of Jews in Eastern Europe: Romania.
[75] Internationale Kommission: Raport final, Abschnitt zum Centrul Național de Românizare.
[76] Bibliothèque nationale de France: Corneliu Z. Codreanu, Autour de la question des bourses accordées par l’État français aux étudiants roumains. Grenoble, 1926.
