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Startseite > Rezensionen > Filmrezensionen > Staatsschutz (Prosecution) – von Faraz Shariat
Geschrieben von: Redaktion Zukunft braucht Erinnerung | Erstellt: 15. Februar 2026

Staatsschutz (Prosecution) – von Faraz Shariat

Staatsschutz | Prosecution | Staatsschutz / Land: DEU / Jahr: 2026 / Regie: Faraz Shariat / Bildbeschreibung: Chen Emilie Yan / Sektion: Panorama 2026 / Datei: 202603082_1 / © Jünglinge Film

Staatsschutz | Prosecution | Staatsschutz / Land: DEU / Jahr: 2026 / Regie: Faraz Shariat / Bildbeschreibung: Chen Emilie Yan / Sektion: Panorama 2026 / Datei: 202603082_1 / © Jünglinge Film

Inmitten des geschäftigen Treibens der 76. Berlinale, zwischen den kühlen Glasfassaden am Potsdamer Platz und der erwartungsvollen Stille in den Kinosälen, hat ein Werk die Gespräche der diesjährigen Edition dominiert: Faraz Shariats neuer Film „Staatsschutz“ (Internationaler Titel: Prosecution). Nach seinem gefeierten Debüt „Futur Drei“, das 2020 den Teddy Award gewann, kehrt Shariat nun mit einer erzählerischen Wucht zurück, die den Glanz des Festivals mit der harten Realität deutscher Institutionen konfrontiert. Es ist ein Film, der sich nicht mit einfachen Antworten begnügt, sondern tief in die Wunden einer Gesellschaft blickt, die ihre eigenen blinden Flecken im Umgang mit rechtem Terror oft nur mühsam kaschiert.

Das System und seine Opfer

„Staatsschutz“ erzählt die Geschichte von Seyo Kim, einer jungen, ambitionierten Staatsanwältin, die mit einer tiefen Überzeugung für die Integrität des Rechtsstaats in ihren Beruf gestartet ist. In der Rolle der Seyo Kim liefert Chen Emilie Yan eine darstellerische Glanzleistung ab, die von einer unterkühlten Professionalität bis hin zu einer tiefen, existenziellen Erschütterung reicht. Die Handlung setzt an einem Wendepunkt ein, der das Private und das Politische untrennbar miteinander verwebt: Seyo wird selbst Opfer eines rassistisch motivierten Anschlags. In einer Gesellschaft, die sich gerne als wehrhafte Demokratie versteht, müsste nun der volle Apparat des Staates hinter ihr stehen. Doch Shariat zeigt mit chirurgischer Präzision, wie dieser Apparat zu stottern beginnt, wenn die Bedrohung aus der Mitte oder vom rechten Rand kommt, den man zu lange ignoriert hat.

Gegen die expliziten Weisungen ihrer Vorgesetzten beginnt Seyo, in eigener Sache zu ermitteln. Was als Suche nach Gerechtigkeit für ein individuelles Verbrechen beginnt, weitet sich schnell zu einer archäologischen Ausgrabung in den Aktenschränken der Justiz aus. Sie stößt auf „Einzelfälle“, die keine sind, auf Netzwerke, die im Verborgenen agieren, und auf eine institutionelle Trägheit, die an Komplizenschaft grenzt. Der Film führt uns in die sterile Welt der Staatsanwaltschaften und Gerichtssäle, die hier weniger als Orte der Wahrheitsfindung, sondern als Schauplätze einer bürokratischen Abwehrschlacht inszeniert werden.

Ein Kind seiner Zeit: Der politisch-historische Kontext

Um die Relevanz von „Staatsschutz“ zu verstehen, muss man ihn im Kontext der gegenwärtigen politischen Landschaft Deutschlands betrachten. Der Film atmet den Geist einer Ära, in der die Aufarbeitung von rechtsextremen Netzwerken in Sicherheitsbehörden und die Debatten um den NSU-Komplex oder die Anschläge von Hanau und Halle noch immer wie ein Schatten über dem gesellschaftlichen Diskurs liegen. Shariat nutzt das Genre des Polit-Thrillers, um eine fundamentale Frage zu stellen: Kann ein System, das auf Neutralität beharrt, objektiv bleiben, wenn es von innen heraus untergraben wird?

Der historische Kontext ist hier nicht nur Kulisse, sondern treibende Kraft. Die Verweise auf die jüngere deutsche Geschichte, in der Warnungen vor rechtem Terror oft als „Hysterie“ abgetan oder Beweismittel unter Verschluss gehalten wurden, sind unübersehbar. Shariat und seine Drehbuchautorin Claudia Schaefer verweben diese realen Traumata mit einer fiktiven Handlung, die dadurch eine beklemmende Authentizität gewinnt. Es geht um die Entmystifizierung der Justiz als „objektivste Behörde der Welt“. Der Film zeigt schmerzhaft auf, dass Gerechtigkeit kein automatisches Nebenprodukt des Gesetzes ist, sondern jeden Tag gegen Widerstände erkämpft werden muss – oft von denen, die am meisten zu verlieren haben.

Inszenierung und Besetzung

Künstlerisch hebt sich „Staatsschutz“ deutlich von klassischen deutschen TV-Krimis ab, auch wenn er Versatzstücke des Genres nutzt. Die Kameraarbeit von Lotta Kilian fängt die Isolation der Protagonistin in weiten, oft kühlen Einstellungen ein, die die Architektur der Macht unterstreichen. Die Räume der Justiz wirken wie Labyrinthe aus Glas und Beton, in denen Seyo Kim zunehmend zur Fremden wird.

Neben Chen Emilie Yan glänzt ein hochkarätiges Ensemble, das die verschiedenen Facetten der Systemdynamik verkörpert. Julia Jentsch spielt eine Vorgesetzte, die zwischen Loyalität zum Dienstherrn und persönlicher Integrität zerrieben wird – eine Figur, die symbolisch für die moralische Grauzone steht, in der sich viele Entscheidungsträger bewegen. Arnd Klawitter und Sebastian Urzendowsky ergänzen den Cast in Rollen, die die Ambivalenz und teilweise die unterkühlte Aggression eines Apparates widerspiegeln, der sich durch Kritik von außen – und erst recht von innen – bedroht fühlt.

Faraz Shariats Regie zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Reife aus. Er verzichtet auf effekthascherische Action und setzt stattdessen auf eine psychologische Spannung, die sich aus der Ohnmacht und der mühsamen Rekonstruktion von Wahrheit speist. Erneut beweist er sein Gespür für Figuren, die an den Rändern der Mehrheitsgesellschaft stehen und sich ihren Platz in der Mitte erkämpfen müssen – diesmal jedoch nicht in einer subkulturellen Nische, sondern im Herzen des Staates selbst.

Ein notwendiger Spiegel

Trotz der harten Thematik ist „Staatsschutz“ ein wohlwollender Film – nicht gegenüber dem System, aber gegenüber der Idee der Demokratie und den Menschen, die sie mit Leben füllen. Er ist ein Plädoyer für Wachsamkeit und für den Mut einzelner, die bereit sind, für universelle Werte ihre Karriere und Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Shariat verurteilt nicht pauschal, sondern analysiert die Mechanismen der Verdrängung.

Es ist bezeichnend, dass dieser Film im Panorama-Programm der Berlinale 2026 uraufgeführt wurde, einer Sektion, die traditionell für politisch streitbares und gesellschaftlich relevantes Kino steht. „Staatsschutz“ ist mehr als nur ein spannender Film; er ist ein Zeitdokument, das den Finger in die Wunde legt und uns fragt, wie viel uns der Schutz unseres Rechtsstaates wirklich wert ist.

In der Nachbetrachtung bleibt vor allem das Bild einer Frau haften, die sich weigert, Opfer zu sein, und die stattdessen die Werkzeuge des Rechts nutzt, um das Recht selbst zu retten. Faraz Shariat hat hiermit bewiesen, dass er endgültig in der Riege der wichtigsten deutschen Filmemacher angekommen ist, die es wagen, das Kino als einen Raum für dringliche politische Debatten zu begreifen, ohne dabei die ästhetische Kraft des Erzählens zu vernachlässigen. „Staatsschutz“ ist ein Film, der wehtun muss, um zu heilen – ein unverzichtbarer Beitrag zum deutschen Kino der Gegenwart.

Staatsschutz (Prosecution) / Faraz Shariat (Regie), Claudia Schaefer (Buch), Jee-Un Kim (Buch), Dr. Sun-Ju Choi (Buch) / mit Chen Emilie Yan, Julia Jentsch, Alev Irmak, Arnd Klawitter, Sebastian Urzendowsky / 113′ / Deutschland / 2026 / Farbe / Deutsch, Koreanisch / Untertitel: Englisch / Weltpremiere / Berlinale 2026, Sektion Panorama

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