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Startseite > Rezensionen > Filmrezensionen > Raspad (Decay | Der Zerfall) – von Mykhailo Belikov
Geschrieben von: Redaktion Zukunft braucht Erinnerung | Erstellt: 11. Februar 2026

Raspad (Decay | Der Zerfall) – von Mykhailo Belikov

Raspad | Decay | Der Zerfall / Land: UdSSR, USA / Jahr: 1990 / Regie: Mykhailo Belikov / Bildbeschreibung: / Sektion: Retrospektive 2026 / Datei: 202611185_1 / © Dovzhenko Film Studio Raspad | Decay | Der Zerfall / Land: UdSSR, USA / Jahr: 1990 / Regie: Mykhailo Belikov / Bildbeschreibung: / Sektion: Retrospektive 2026 / Datei: 202611185_1 / © Dovzhenko Film Studio

 

Anatomie einer sterbenden Epoche

Wenn man über Filme spricht, die das Ende der Sowjetunion nicht nur dokumentieren, sondern regelrecht spürbar machen, kommt man an einem Werk nicht vorbei: „Raspad“ (1990). Der ukrainische Regisseur Mykhailo Belikov schuf mit diesem Film das erste große fiktionale Mahnmal zur Tschernobyl-Katastrophe. Doch der Titel ist doppeldeutig: Es geht nicht nur um den radioaktiven Zerfall von Atomen, sondern um den moralischen und strukturellen Zerfall eines ganzen Imperiums.

Die Stille vor dem GAU

Der Film beginnt im April 1986. Wir folgen dem Journalisten Alexander Shuravlyov, der nach einer Auslandsreise in seine Heimatstadt Kiew zurückkehrt. Er ist ein Mann des Systems, doch sein Privatleben liegt in Trümmern: Seine Frau betrügt ihn, seine Ehe ist eine Farce aus Lügen und gegenseitigem Schweigen.

Genau in diesem Moment der persönlichen Krise explodiert Reaktor 4 in Prypjat. Belikov zeigt die Katastrophe nicht als effekthascherisches Actionkino, sondern als schleichendes Gift. Während der Himmel über dem Kraftwerk in einem unnatürlichen Violett leuchtet, geht das Leben in der Stadt zunächst weiter. Kinder spielen im Sand, Hochzeiten werden gefeiert – eine der beklemmendsten Sequenzen des Films –, während die Behörden schweigen und die unsichtbare Gefahr bereits alles durchdringt.

Das unsichtbare Gift der Lüge

Die Genialität von „Raspad“ liegt in der Verwebung verschiedener Schicksale, die alle eines gemeinsam haben: Sie sind Opfer eines Systems, das die Aufrechterhaltung der Fassade über das Überleben der Menschen stellt.

  • Die Hochzeitsgesellschaft: Ein junges Paar feiert in Prypjat den „schönsten Tag des Lebens“, während im Hintergrund die Evakuierungsbusse bereits in Position fahren.
  • Der Journalist: Shuravlyov versucht, die Wahrheit herauszufinden, wird aber von den eigenen Strukturen korrumpiert und ausgebremst.
  • Der kleine Junge: Ein Kind bleibt in der evakuierten Zone zurück und irrt allein durch die Geisterstadt – ein Bild, das die totale Verlassenheit einer ganzen Generation symbolisiert.

Belikov nutzt Tschernobyl als ultimative Metapher für die Glasnost-Ära: Der Reaktorunfall riss das Loch in den Eisernen Vorhang, durch das die bittere Wahrheit über die Instabilität der Sowjetunion ans Licht kam. Die moralische Fäulnis des Staates findet ihre Entsprechung in der physischen Zerstörung durch die Strahlung.

Eine Ästhetik der Apokalypse

Visuell ist „Raspad“ ein Meisterwerk des düsteren Realismus. Die Bilder sind oft in kränkliches Grün oder aschfahles Grau getaucht. Belikov verzichtet auf heroische Retter-Pathos. Stattdessen fängt er die Absurdität ein: Soldaten, die mit einfachen Schaufeln gegen den unsichtbaren Tod kämpfen, und die gespenstische Stille der verlassenen Wohnblocks in Prypjat.

Die Kameraarbeit ist nervös, fast dokumentarisch, was dem Film eine Unmittelbarkeit verleiht, die auch über drei Jahrzehnte später noch Gänsehaut verursacht. Man riecht förmlich den metallischen Geschmack der Luft, von dem die Überlebenden von Tschernobyl oft berichteten.

Warum „Raspad“ heute wichtiger ist denn je

„Raspad“ ist kein Katastrophenfilm im klassischen Sinne – es ist ein Requiem. Er zeigt, was passiert, wenn eine Gesellschaft auf Lügen aufgebaut ist und das Vertrauen in die Institutionen vollkommen erodiert.

Während „Der Kontrolleur“ zeigt, wie ein Mann sich einmauert, um die Veränderung auszusperren, zeigt „Raspad“, wie die Realität mit einer Gewalt über die Menschen hereinbricht, die keine Mauern und keine Ideologien mehr schützen können. Es ist ein unverzichtbares Zeitzeugnis des ukrainischen Kinos und eine Warnung vor der Hybris der Macht. Ein Film, der wie die Strahlung selbst lange nachwirkt.

 

Raspad (Decay | Der Zerfall) / Mykhailo Belikov (Regie, Buch), Oleg Prikhodko (Buch) / mit Sergey Shakurov, Tatyana Kochemasova, Stanislav Stankevich, Georgiy Drozd, Aleksey Serebryakov / 95′ / UdSSR, Ukrainische SSR, USA / 1990 / Farbe / Russisch, Ukrainisch / Untertitel: Englisch / Berlinale 2026, Sektion Retrospektive

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