Mörderischer Film ohne Gewissen von 1940 – Lion Feuchtwanger und die propagandistische Verzerrung der Figur des Jud Süss
Es gibt kaum ein Werk der Filmgeschichte, das die manipulative Kraft des Kinos so deutlich vor Augen führt wie der im Jahr 1940 uraufgeführte Spielfilm Jud Süß. Unter der Regie von Veit Harlan entstand ein Werk, das weit über die Grenzen herkömmlicher Unterhaltung hinausging und als staatlich verordnetes Instrument der Volksverhetzung fungierte. Der Film nutzte die Lebensgeschichte einer realen historischen Figur, um ein antisemitisches Feindbild zu zementieren, das die physische Vernichtung der europäischen Juden ideologisch vorbereiten sollte. Dabei steht die Instrumentalisierung durch Joseph Goebbels beispielhaft für die Perfektionierung der Propaganda im Dritten Reich. Die historische Wahrheit hinter dem Schicksal des Finanzberaters Joseph Süß Oppenheimer wurde dabei bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, um sie in das nationalsozialistische Weltbild einzupassen. Ein Blick zurück auf das Jahr 1939 offenbart, wie systematisch die Vorbereitungen für dieses filmische Gift vorangetrieben wurden. Die Verbindung von künstlerischem Anspruch und mörderischer Intention macht diesen Film bis heute zu einem erschreckenden Dokument der Unmenschlichkeit.
Joseph Süß Oppenheimer und der historische Hintergrund in Württemberg
Um die mörderisch verzerrte Darstellung im Film zu verstehen, muss man zunächst die historische Figur des Joseph Süß Oppenheimer betrachten, der 1698 geboren wurde. Er stieg im frühen 18. Jahrhundert zu einem einflussreichen Finanzberater am württembergischen Hof auf, was ihm in der damaligen Ständegesellschaft zahlreiche Feinde einbrachte. Im Jahr 1733 wurde er von Herzog Karl Alexander an den Hof berufen, um die zerrütteten Finanzen des Herzogtums zu sanieren. Der württembergische Herzog Karl Alexander war ein katholischer Herrscher in einem überwiegend protestantischen Land, was die politischen Spannungen zusätzlich verschärfte. Oppenheimer erwies sich als äußerst fähig und implementierte moderne Finanzmethoden, um die Schuldenlast des Herrschers zu bewältigen. Er half dem Herzog dabei, neue Einnahmequellen zu erschließen und sogar das Recht, einen Straßenzoll zu erheben, effektiv zu nutzen. Diese Tätigkeit brachte ihn jedoch in direkten Konflikt mit den traditionellen Landständen, die um ihre Privilegien fürchteten und in dem jüdischen Berater einen willkommenen Sündenbock sahen. Aufstieg und Fall war somit eng mit der absolutistischen Machtpolitik des Herzogs verknüpft, die den Zorn der konservativen Kreise in Württemberg heraufbeschwor.
Die literarische Rezeption und der mörderische Wandel durch Lion Feuchtwanger
Lange vor der nationalsozialistischen Verfilmung widmeten sich bedeutende Literaten dem Stoff, allen voran der jüdische Schriftsteller Lion Feuchtwanger. Sein im Jahr 1925 veröffentlichter Roman Jud Süß war ein internationaler Erfolg und zeichnete ein komplexes, eher tragisches Bild der Titelfigur. Feuchtwanger nutzte die Geschichte, um über Assimilation, Macht und die Zerbrechlichkeit jüdischer Existenz in einer feindseligen Umwelt nachzudenken. Der Roman von Lion Feuchtwanger war keineswegs antisemitisch, sondern vielmehr eine psychologische Studie über die Ambivalenz der Macht. In dieser literarischen Vorlage wird er als ein Mann dargestellt, der zwischen seinem jüdischen Erbe und seinem politischen Ehrgeiz zerrissen ist. Interessanterweise gab es bereits vor 1940 eine englische Verfilmung des Stoffes, die sich eng an der humanistischen Sichtweise Feuchtwangers orientierte und das Schicksal des Protagonisten als Mahnung gegen Intoleranz verstand. Das nationalsozialistische Deutschland hingegen plante, genau dieses Narrativ ins Gegenteil zu verkehren und die tragische Figur Feuchtwangers für ihre mörderisch motivierten Propagandazwecke zu missbrauchen. Die Nationalsozialisten erkannten das Potenzial der Geschichte, um die vermeintliche Gefährlichkeit des jüdischen Einflusses auf deutsche Fürstenhäuser zu illustrieren.
Die Instrumentalisierung durch Joseph Goebbels und die Produktion 1940
Der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels erkannte früh, dass der Film Jud Süß ein ideales Werkzeug zur Beeinflussung der Massen sein könnte. Er übernahm persönlich die Aufsicht über das Projekt und sorgte dafür, dass die Produktion mit höchsten technischen und finanziellen Mitteln ausgestattet wurde. Joseph Goebbels die Rolle des strategischen Planers zuzuweisen, wäre untertrieben; er griff massiv in das Drehbuch ein, um die antisemitische Stoßrichtung zu verschärfen. Im Jahr 1939 wurden die Vorbereitungen intensiviert, wobei zunächst andere Regisseure für das Projekt im Gespräch waren. Sogar ein renommierter Theatermann wie Gründgens weigerte sich zunächst, die Verantwortung für dieses offenkundig hetzerische Werk zu übernehmen. Schließlich fiel die Wahl auf Veit Harlan, der sich als bereitwilliger Vollstrecker der ministeriellen Wünsche erwies. Unter seiner Regie von wurde die Geschichte so umgeschrieben, dass Oppenheimer als hinterhältiger Manipulator erschien, der den Herzog Karl Alexander ins Verderben führt. Der Film sollte den Eindruck erwecken, dass der jüdische Berater nur auf seinen eigenen Vorteil und die Zerstörung des christlichen Gemeinwesens bedacht sei. Die Dreharbeiten begannen schließlich Anfang 1940, wobei kein Aufwand gescheut wurde, um eine scheinbar authentische historische Atmosphäre zu schaffen.
Veit Harlan und die filmische Inszenierung des Jud Süß
Die Regie von Veit Harlan zeichnete sich durch eine hohe handwerkliche Qualität aus, was den Film Jud Süß umso gefährlicher machte. Harlan nutzte modernste filmische Mittel, um die Zuschauer emotional zu manipulieren und tief sitzende Vorurteile zu aktivieren. In seiner Version der Ereignisse dringt er durch List und Tücke in das Leben des Herzogs ein und überzeugt ihn davon, Juden in die Stadt zu lassen. Der Film stellt die Rückzahlung der angehäuften Schulden erhält Oppenheimer als zentrales Motiv dar, wodurch er sich Machtbefugnisse erschleicht, die eigentlich den Landständen zustehen. Veit Harlan aus dem Jahr 1940 schuf Bilder, die den jüdischen Protagonisten systematisch entmenschlichten und als Bedrohung für die deutsche Ehre darstellten. Besonders perfide war die Darstellung der Tochter Dorothea, die als Inbegriff der deutschen Weiblichkeit fungierte und durch den mörderisch charakterisierten Oppenheimer geschändet wird. Die Besetzung der Rollen wurde sorgfältig ausgewählt, wobei Kristina Söderbaum, Harlans Ehefrau, die tragische Dorothea verkörperte. Der Film suggerierte ständig, dass der jüdische Einfluss zur gewaltsamen Niederschlagung der drohenden Revolution und zum moralischen Verfall des Landes führen würde. Harlans Inszenierung zielte darauf ab, den Zuschauer davon zu überzeugen, dass die Ausgrenzung der Juden eine notwendige Notwehrmaßnahme sei.
Ferdinand Marian und die Darstellung des Antagonisten
Die Wahl des Hauptdarstellers war für den Erfolg der Propaganda entscheidend, und der Schauspieler Ferdinand Marian übernahm die undankbare Aufgabe. Marian spielte den Oppenheimer mit einer verführerischen Eleganz, die ihn nach dem Willen der Machthaber noch gefährlicher erscheinen lassen sollte. Ursprünglich hatte Marian Bedenken, eine so offensichtlich bösartige Rolle zu übernehmen, doch der Druck durch das Propagandaministerium war immens. Ferdinand Marian verlieh der Figur eine dämonische Ausstrahlung, die genau jenes Klischee bediente, das die Nationalsozialisten verbreiten wollten. In vielen Szenen wird Marians Gesicht so ausgeleuchtet, dass seine Züge scharf und bedrohlich wirken, was die mörderisch gesinnte Absicht der Regie unterstreicht. Dass der Film eine so starke Wirkung entfaltete, lag nicht zuletzt an der schauspielerischen Leistung, die den Zuschauer in einen Sog aus Abscheu und Faszination ziehen sollte. Auch Heinrich George als Herzog und Werner Krauß in mehreren jüdischen Nebenrollen trugen zur Intensität der Darstellung bei. Die Figur der Dorothea wurde zum emotionalen Ankerpunkt des Films, deren Schicksal den Hass des Publikums auf den jüdischen Verführer lenken sollte. Marians Darstellung wurde nach dem Krieg oft als Beweis für die Korrumpierbarkeit von Künstlern in totalitären Systemen angeführt.
Ideologische Kernbotschaften und die Nürnberger Rassegesetze
Ein zentrales Thema des Films war die Betonung eines Sexualverbots zwischen Juden und Nichtjuden, was direkt auf die NS-Ideologie Bezug nahm. Die Handlung wurde so konstruiert, dass sie die Nürnberger Rassegesetze bzw. das Blutschutzgesetz künstlerisch legitimieren sollte. Indem Oppenheimer die deutsche Dorothea vergewaltigt, wird das jüdische Individuum als eine existenzielle Bedrohung für das deutsche Blut dargestellt. Dieser Aspekt der Geschichte ist rein fiktiv und dient allein dem Zweck, sexuelle Ängste und Rassenhass zu schüren. Die nationalsozialistisch geprägte Sichtweise verlangte nach einer klaren Trennung zwischen den Völkern, was im Film durch die mörderisch übersteigerte Gefahr der Vermischung illustriert wurde. Juden und nichtjuden nimmt der Film als unvereinbare Gegensätze wahr, deren Berührung unweigerlich in die Katastrophe führt. Diese geschichtsverfälschenden Elemente wurden so geschickt in die historische Erzählung eingebettet, dass viele zeitgenössische Zuschauer sie für bare Münze nahmen. Der Film Jud Süß fungierte somit als visuelle Ergänzung zur staatlichen Gesetzgebung und bereitete den Boden für die mörderisch konsequente Verfolgung vor. Die ideologische Botschaft war unmissverständlich: Wer den Juden Raum gibt, gefährdet den Fortbestand des eigenen Volkes.
Die mörderische Wirkung und die Rezeption im September 1940
Die Premiere des Films fand im September 1940 bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig statt, wo er von der Kritik des faschistischen Italien begeistert aufgenommen wurde. Kurz darauf wurde der Film im Berliner Ufa-Palast am Zoo uraufgeführt und entwickelte sich schnell zu einem Kassenschlager. 1940 wurde das Werk zum Pflichtprogramm für weite Teile der Bevölkerung, insbesondere für Mitglieder der Schutzstaffel und der Polizei. Joseph Goebbels notierte zufrieden in seinem Tagebuch, dass die Wirkung des Films gewaltig sei und die Massen gegen das Judentum aufbringe. Tatsächlich gibt es Berichte darüber, dass es nach Vorführungen zu Übergriffen auf jüdische Mitbürger kam, da der Eindruck des Films bei vielen Zuschauern direkten Hass auslöste. Er wurde zum Paradebeispiel eines Propagandafilms, der nicht nur informieren, sondern direkt zu Handlungen animieren sollte. Die mörderisch kalkulierte Inszenierung erreichte ihr Ziel, die Empathie für die jüdischen Opfer der NS-Politik vollständig zu untergraben. In den besetzten Gebieten wurde der Film ebenfalls gezeigt, um die dortige Bevölkerung auf die antisemitische Linie des Dritten Reiches einzuschwören. Die historische Figur des Oppenheimer war zu diesem Zeitpunkt längst hinter der dämonischen Fratze des Filmcharakters verschwunden.
Das Ende des Herzogs und das Urteil über Jud Süß
Der Film gipfelt im Tod des Herzogs, der im Februar 1738 verstarb, was historisch korrekt ist, im Film jedoch als direkte Folge seines sündhaften Bündnisses mit Oppenheimer dargestellt wird. Nach dem Ableben seines Gönners verliert der Finanzberater jeglichen Schutz und wird von den Landständen zur Rechenschaft gezogen. Am 4. Februar 1738 wurde Süß nach einem Schauprozess zum Tode verurteilt und gehängt. In der filmischen Darstellung wird dieser Akt als gerechte Sühne und Reinigung des Staates inszeniert, was die mörderisch gesinnte Grundhaltung des Werkes unterstreicht. Dass er hingerichtet wurde, entsprach zwar den Tatsachen, doch die Gründe waren politischer Natur und hatten nichts mit den im Film gezeigten Verbrechen zu tun. Der Film endet mit der Ausweisung aller Juden aus Stuttgart, was als triumphaler Sieg des rechtmäßigen Volkswillens dargestellt wird. Diese Schlussszene sollte den deutschen Zuschauern suggerieren, dass eine ähnliche Säuberung in ihrer eigenen Zeit ebenfalls notwendig und heilvoll sei. Harlan jedoch behauptete nach dem Krieg stets, er habe lediglich einen historischen Stoff verarbeitet und keine bösen Absichten verfolgt. Die Analyse der mörderisch wirkenden Dramaturgie entlarvt diese Verteidigungsstrategie jedoch als haltlos.
Film ohne Gewissen: Die Aufarbeitung nach 1945
Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wurde Harlan als einer der wenigen Künstler des Regimes wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht gestellt. Er berief sich darauf, dass er unter dem direkten Befehl von Goebbels gehandelt habe und ihm keine Wahl geblieben sei. Dennoch gilt das Werk heute als der Inbegriff eines Film ohne Gewissen, da es die Kunst in den Dienst des Völkermords stellte. In mehreren Prozessen wurde versucht, die individuelle Schuld Harlans festzustellen, was sich jedoch als rechtlich schwierig erwies. Er wurde letztlich freigesprochen, was in der Nachkriegszeit zu heftigen Protesten führte und die Debatte über die Verantwortung der Kunst befeuerte. Der Film wurde von den alliierten Siegermächten verboten und darf in Deutschland bis heute nur unter strengen Auflagen als Vorbehaltsfilm gezeigt werden. Ein Film ohne Gewissen bleibt er vor allem deshalb, weil er die Macht des Bildes nutzte, um Menschen für mörderisch motivierte Verbrechen zu begeistern. Die Figur des Moritz Bleibtreu in der späteren Verfilmung des Lebens von Ferdinand Marian erinnert an die Zerrissenheit der beteiligten Künstler. Ein moderner Spielfilm unter der Regie von Oskar Roehler mit Tobias Moretti als Marian thematisierte im Jahr 2010 die Entstehungsgeschichte und die moralische Verstrickung der Schauspieler. Doch das Original von 1940 bleibt die dunkle Referenz für die Verführbarkeit durch die Leinwand.
Historische Verzerrungen und die mörderisch geplante Desinformation
Die Analyse der geschichtsverfälschenden Elemente zeigt, wie gezielt Details verändert wurden, um eine mörderisch wirkende Stimmung zu erzeugen. Während der echte Oppenheimer ein hochgebildeter Mann war, der versuchte, das veraltete württembergische System zu reformieren, zeigt der Film ihn als gierigen Parasiten. Die Landstände, die historisch gesehen oft reaktionär und egoistisch handelten, werden im Film als die ehrenhaften Verteidiger des Volkes dargestellt. Auch das Motiv der Rache zieht sich durch die gesamte Handlung und soll die mörderisch motivierte Vernichtungslust der Nationalsozialisten rechtfertigen. Der Film behauptet, dass der Einfluss des jüdischen Volkes grundsätzlich zersetzend sei, egal wie sehr sich das Individuum anpasst. Diese pseudohistorische Herleitung war essenziell, um den Holocaust als eine logische Konsequenz der Geschichte erscheinen zu lassen. Der Film ohne Gewissen unterlässt es absichtlich, die tatsächlichen politischen Leistungen zu erwähnen, etwa seine Bemühungen um die Förderung des Handels. Stattdessen konzentriert sich die Erzählung auf Hinterlist und moralische Verwerflichkeit. Die historische Figur wurde so zu einer leeren Hülle, die mit dem Gift der NS-Ideologie gefüllt wurde.
Die filmische Sprache des Hasses: Technik im Dienste der Vernichtung
Betrachtet man die technischen Aspekte von Harlans Werk, so muss man anerkennen, dass er ein Meister der Bildsprache war. Die Kameraarbeit und der Einsatz von Licht und Schatten erzeugen eine Atmosphäre, die den Zuschauer unbewusst beeinflusst. In Szenen, in denen das jüdische Ghetto gezeigt wird, nutzt Harlan dokumentarisch wirkende Aufnahmen, um eine mörderisch verzerrte Authentizität vorzutäuschen. Diese Bilder von fremdartig wirkenden Menschen sollten das Gefühl von Gefahr und Abscheu verstärken. Der Spielfilm nutzt Musik und Rhythmus, um emotionale Höhepunkte zu setzen, die den Hass auf die Titelfigur kanalisieren. Ein Film ohne Gewissen ist dieses Werk auch deshalb, weil es keine Sekunde des Zweifels oder der Menschlichkeit für den Antagonisten zulässt. Die mörderisch kalkulierte Struktur des Drehbuchs führt den Zuschauer zwangsläufig zu der Schlussfolgerung, dass es keine Koexistenz geben kann. Selbst in Momenten, in denen er verzweifelt wirkt, wird dies als weitere Form der Täuschung inszeniert. Die Perfektionierung dieser filmischen Sprache war ein entscheidender Faktor für die Wirksamkeit der nationalsozialistischen Propaganda. Harlan aus dem Jahr 1940 bleibt somit ein mahnendes Beispiel für den Missbrauch ästhetischer Mittel.
Der mörderische Einfluss auf die Zuschauer und das Bewusstsein
Untersuchungen zur Wirkung des Films zeigen, dass er vor allem bei jungen Menschen und in Kreisen der Exekutive eine mörderisch motivierte Radikalisierung bewirkte. Die Schutzstaffel nutzte Vorführungen oft unmittelbar vor Einsätzen gegen die jüdische Bevölkerung, um die Hemmschwelle zur Gewalt zu senken. Der Film ohne Gewissen wurde so zu einem Teil der psychologischen Kriegsführung im Inneren. Er bot den Tätern eine moralische Rechtfertigung für ihre Verbrechen, indem er die Opfer als mörderisch gefährliche Feinde darstellte. Die Zuschauer im nationalsozialistischen Deutschland wurden systematisch darauf konditioniert, in jedem Juden einen potenziellen Oppenheimer zu sehen. Diese Form der Massenmanipulation ist eines der dunkelsten Kapitel der Mediengeschichte. Der Film wurde nicht als Fiktion, sondern als historische Wahrheit präsentiert, was seine mörderisch wirkende Kraft massiv verstärkte. Selbst nach 1945 berichteten ehemalige Zuschauer, wie tief die Bilder sie beeindruckt und ihr Weltbild geprägt hatten. Die Auseinandersetzung mit diesem Werk ist daher auch heute noch notwendig, um die Mechanismen von Hate Speech und Desinformation zu verstehen. Ein Film ohne Gewissen kann nur durch Bildung und Aufklärung unschädlich gemacht werden.
Kontinuitäten und Brüche in der filmischen Darstellung des Judentums
Nach dem Krieg gab es lange Zeit kaum Versuche, sich filmisch mit der Figur des Jud Süss auseinanderzusetzen, da das mörderisch belastete Erbe Harlans zu schwer wog. Erst in den letzten Jahrzehnten begannen Filmemacher, die Verstrickungen der Künstler im Dritten Reich zu thematisieren. Ein Beispiel hierfür ist die Arbeit von Regisseuren wie Oskar Roehler, der die Rolle von Ferdinand Marian kritisch beleuchtete. Martina Gedeck und andere moderne Schauspieler übernahmen Rollen in Werken, die die moralischen Abgründe jener Zeit untersuchten. Doch der Film ohne Gewissen von 1940 bleibt ein unerreichtes Mahnmal der Bösartigkeit. In der Forschung wird heute klar zwischen der mörderisch intendierten Propaganda und seriösen historischen Darstellungen unterschieden. Die Begriffe jew suss oder jew haben durch diesen Film eine traumatische Aufladung erfahren, die bis heute nachwirkt. Es ist die Aufgabe der Geschichtswissenschaft, die historische Wahrheit hinter dem Finanzberater von den Lügen der Nationalsozialisten zu trennen. Die mörderisch verzerrte Darstellung im Film Jud Süß darf nicht das letzte Wort über einen Mann bleiben, der letztlich ein Opfer politischer Intrigen wurde. Die Analyse solcher Propagandafilmen hilft uns, die Anfälligkeit von Gesellschaften für extremistische Ideologien besser zu begreifen.
Die Bedeutung von „Jud Süß“ für die heutige Erinnerungskultur
Heute gilt der Film als eines der wichtigsten Dokumente zur Erforschung der nationalsozialistischen Mentalitätsgeschichte. Er zeigt, wie eine gesamte Kulturindustrie mörderisch instrumentalisiert wurde, um den Weg zum Holocaust zu ebnen. Das Werk wird in Universitäten und Bildungseinrichtungen analysiert, um die Methoden der Manipulation offenzulegen. Ein Film ohne Gewissen lehrt uns, dass Ästhetik niemals von der Ethik getrennt werden darf. Die mörderisch wirkende Kraft der Bilder von 1940 ist eine ständige Warnung vor der Macht der Desinformation. In einer Zeit, in der digitale Propaganda und Fake News wieder zunehmen, gewinnt die kritische Auseinandersetzung mit Harlan an neuer Relevanz. Wir müssen verstehen, wie aus einer historischen Figur ein mörderisch aufgeladenes Feindbild konstruiert wurde. Nur durch dieses Wissen können wir heutige Formen des Antisemitismus und der Ausgrenzung rechtzeitig erkennen und bekämpfen. Der Film ohne Gewissen bleibt ein Teil unserer Geschichte, den wir nicht totschweigen, sondern als mahnendes Beispiel nutzen müssen. Das Schicksal Joseph Süß ist untrennbar mit der mörderisch verlaufenden deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts verbunden. Sein Name steht heute sowohl für die Tragik eines Justizmordes im 18. Jahrhundert als auch für die Abgründe der Propaganda im Nationalsozialismus.
Fazit: Die mörderische Verantwortung der Kunst
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Film Jud Süß weit mehr war als nur ein antisemitischer Spielfilm. Er war ein mörderisch effizientes Werkzeug der Staatsführung, das unter der Regie von Veit Harlan zur Perfektion getrieben wurde. Die Beteiligung begabter Künstler wie Marian zeigt die tiefe Korruption der Kultur im Dritten Reich. Ein Film ohne Gewissen zerstörte nicht nur den Ruf einer historischen Figur, sondern bereitete aktiv die Vernichtung von Millionen Menschen vor. Die mörderisch konsequente Umsetzung der nationalsozialistischen Ideologie in diesem Werk bleibt beispiellos. Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass Filme die Kraft haben, die Realität nicht nur abzubilden, sondern mörderisch zu verändern. Die Geschichte von Oppenheimer und seiner Instrumentalisierung durch Goebbels ist eine Lektion über die Verletzlichkeit der Zivilisation. Der Film ohne Gewissen erinnert uns daran, dass wir stets wachsam gegenüber denjenigen sein müssen, die Hass in die Herzen der Menschen säen. Möge die wissenschaftliche Analyse dieses mörderisch wirkenden Propagandawerks dazu beitragen, dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen. Die historische Wahrheit zu bewahren ist der beste Schutz gegen die mörderisch gesinnten Lügen der Vergangenheit.
Literatur
Friedrich, Knilli: Ich war Jud Süß. Die Geschichte des Schauspielers Ferdinand Marian. Henschel Verlag, Berlin 2000.
Harlan, Veit: Im Schatten meiner Filme. Selbstbiographie. Sigbert Mohn Verlag, Gütersloh 1966.
Jung, Uli / Schatzberg, Walter: Filmpionier und Propagandist. Veit Harlan. Schüren Verlag, Marburg 2001.
Kanzog, Klaus: „Staatspolitisch besonders wertvoll“. Ein Handbuch zu den Propagandafilmen des Dritten Reiches. Diskurs Film, München 1994.
Mannes, Stefan: Antisemitismus im nationalsozialistischen Film – Jud Süß und Der ewige Jude, Berlin 2022.
Moeller, Felix: Der Filmminister. Goebbels und der Film im Dritten Reich. Henschel Verlag, Berlin 1998.
Rother, Rainer: „Jud Süß“. Propagandafilm und historische Figur. In: Damals. Das Magazin für Geschichte, Heft 9, 2010.
Tegel, Susan: Jew Suss. Life, Legend, Appropiations. Continuum, London/New York 2011.
Zielinski, Siegfried: Veit Harlan. Analysen und Materialien zur Rechts- und Musikgeschichte. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1981.