Zukunft braucht Erinnerung

  • Startseite
  • Über uns
    • Auszeichnungen für unser Projekt
    • Grußwort von Yad Vashem
    • Dies sind unsere Autoren und Redakteure
  • Mitmachen
    • Themenliste Biographien
    • Themenliste Erinnerung und Aufarbeitung
    • Themenliste Extremismus
    • Themenliste Geschichte Deutschlands
    • Themenliste Nahostkonflikt
    • Themenliste NS-Völkermord
    • Themenliste Zeitalter der Weltkriege
  • Kontakt

Das Online-Portal zu den historischen Themen unserer Zeit.

  • Geschichte Deutschlands
    • Deutsche Einigungskriege
    • Deutsches Kaiserreich
    • Weimarer Republik
    • Deutschland im Nationalsozialismus (Drittes Reich)
    • Deutschland unter alliierter Besatzung
    • Geteilte Stadt Berlin
    • Bundesrepublik Deutschland (Bonner Republik)
    • Deutsche Demokratische Republik (DDR)
  • Zeitalter der Weltkriege
    • Erster Weltkrieg
    • Zwischenkriegszeit
    • Zweiter Weltkrieg
  • Völkermorde und Massenverbrechen im Nationalsozialismus
    • Antisemitismus
    • Jüdisches Leben und Verfolgung im Nationalsozialismus
    • Holocaust
    • Porajmos
  • Nahostkonflikt
  • Völkermorde im 20. Jahrhundert
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Afrika
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Asien
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Europa
  • Erinnerung und Aufarbeitung
    • Erinnerung und Aufarbeitung der NS-Diktatur
    • Erinnerung und Aufarbeitung der SED-Diktatur
  • Extremismus in Deutschland
    • Rechtsextremismus in Deutschland
  • Biographien
  • Rezensionen
    • Ausstellungsrezensionen
    • Buchrezensionen
    • Filmrezensionen
    • Theaterrezensionen
    • Veranstaltungsrezensionen
  • News
Startseite > News > The Mad Dog of Europe – von Rubika Shah
Geschrieben von: Redaktion Zukunft braucht Erinnerung | Erstellt: 25. September 2026

The Mad Dog of Europe – von Rubika Shah

Hollywoods verhinderte Warnung

Schon 1933 kämpfte Herman J. Mankiewicz für einen Film gegen Hitler. Er wurde nie gedreht. Rubika Shah erzählt in „The Mad Dog of Europe“, wie das Projekt zwischen Geschäftsinteressen, politischem Druck und Antisemitismus zerrieben wurde. Eine aufschlussreiche Spurensuche durch die Geschichte Hollywoods.

Filmkritik zu „The Mad Dog of Europe“: Rubika Shah erzählt, warum Hollywood einen frühen Anti-Hitler-Film verhinderte.
Im Sommer 1933 wirbt der Produzent Sam Jaffe in der amerikanischen Branchenpresse für ein neues Filmprojekt. Das Drehbuch stammt von Herman J. Mankiewicz, der Titel lässt an der Stoßrichtung wenig Zweifel: „The Mad Dog of Europe“. Gemeint ist Adolf Hitler. Mankiewicz will die Verfolgung einer deutsch-jüdischen Familie auf die Leinwand bringen. Doch aus der Ankündigung wird keine Premiere. Wiederholte Anläufe scheitern. Mehr als neun Jahrzehnte später rekonstruiert die britische Regisseurin Rubika Shah, warum ausgerechnet diese Geschichte in Hollywood keine Bilder finden durfte.

Ein Autor erkennt die Gefahr

Heute ist Mankiewicz vor allem als Mitautor von Orson Welles’ „Citizen Kane“ bekannt. Als er sein Anti-Hitler-Projekt verfolgt, hat der frühere Journalist und Theaterkritiker längst in der Filmindustrie Fuß gefasst. Er kennt ihre Regeln und ihr Publikum. Dieses Publikum möchte er mit einer Familiengeschichte erreichen: Die nationalsozialistische Verfolgung zerstört ein vertrautes Leben und greift in persönliche Beziehungen ein. Das geplante Drama soll die Nachrichten aus Deutschland für amerikanische Kinobesucher in menschliche Erfahrungen übersetzen.

Seine Initiative fällt in das Jahr, in dem die Nationalsozialisten die demokratische Ordnung zerschlagen, politische Gegner verfolgen und den Boykott jüdischer Geschäfte organisieren. Niemand muss den späteren Verlauf der Geschichte kennen, um diese Gewalt zu erkennen. Gerade darin liegt die historische Bedeutung des Projekts. Mankiewicz reagiert auf eine bereits sichtbare Verfolgung. Dass er früh Alarm schlagen will, macht das folgende Ringen um Geld, Genehmigungen und Unterstützung umso bedrückender.

Das Geschäft mit dem Schweigen

Für die Studios steht ihr Geschäft in Deutschland auf dem Spiel. Das NS-Regime verfügt mit dem Zugang zum deutschen Kinomarkt über ein Druckmittel, das bis nach Kalifornien wirkt. Zu seinen Vertretern dort gehört Georg Gyssling, der deutsche Konsul in Los Angeles. Eine Meldung der Jewish Telegraphic Agency vom 23. Oktober 1933 zeigt, wie konkret die Einschüchterung wahrgenommen wird: Aus dem Umfeld des Filmprojekts wird deutschen Diplomaten vorgeworfen, dessen Verhinderung zu betreiben. Im Raum stehen Einfuhrverbote für amerikanische Filme und die Beschlagnahmung von Studiobesitz in Deutschland.

Der Widerstand kommt ebenso aus Hollywood selbst. Joseph Breen, eine Schlüsselfigur der brancheninternen Zensur, erklärt das Vorhaben zum Risiko für die gesamte Filmindustrie. Weil zahlreiche Studiochefs Juden seien, könne ein Anti-Hitler-Film als deren Propaganda angegriffen werden. Diese Argumentation ist verräterisch: Antisemitische Ressentiments dienen als Begründung dafür, über antisemitische Verfolgung zu schweigen. Die Rücksicht auf mögliche Angreifer bestimmt, was auf der Leinwand stattfinden darf.

Für die historische Einordnung ist dabei entscheidend, die unterschiedlichen Interessen auseinanderzuhalten. Geschäftsinteressen, politischer Druck, eigener Antisemitismus und die Angst vor antisemitischen Angriffen können zur gleichen Entscheidung führen. Jüdische Studiochefs verfügen über Geld und Einfluss, sind aber selbst Anfeindungen ausgesetzt. Ihr Zögern lässt sich deshalb nicht allein mit Gewinnstreben erklären. Das macht die Geschichte komplizierter und zugleich aufschlussreicher. Sie zeigt, wie Selbstzensur auch dort entsteht, wo ein autoritäres Regime keine unmittelbare Befehlsgewalt besitzt.

Ein Film über fehlende Bilder

Shah steht vor einer reizvollen filmischen Aufgabe: Im Zentrum ihrer Dokumentation steht ein Werk, aus dem sie keine einzige gedrehte Szene zeigen kann. Sie nähert sich ihm über Archivmaterial, Interviews und historische Tonaufnahmen. Mankiewicz’ Enkel Nick Davis und Ben Mankiewicz bringen die Familienperspektive ein. Die Biografin Sydney Stern und die Historiker Thomas Doherty und Steven J. Ross ordnen das Material ein. So bleibt der Autor als Person greifbar, während die Erzählung seinen Lebenslauf immer wieder mit dem damaligen Hollywood verbindet.

Besonders anschaulich ist die animierte Karte von Los Angeles. Sie zeigt, wie nahe Filmstudios, Orte jüdischen Lebens und nationalsozialistische Präsenz räumlich beieinanderliegen. Die Bedrohung bekommt eine Adresse, mitten in der Stadt des Kinos. Das ist ein treffendes Bild für die Reichweite politischer Einflussnahme. Die historischen Tonaufnahmen Sam Jaffes geben dem gescheiterten Vorhaben zudem eine Stimme aus seinem unmittelbaren Umfeld. Zusammen mit den heutigen Interviews schaffen sie eine Verbindung zwischen den damaligen Bemühungen und ihrer späteren Rekonstruktion.

Die Stärke dieses dokumentarischen Ansatzes liegt im Wechsel zwischen persönlicher Geschichte und institutionellen Entscheidungen. Ein Name, ein Einwand, eine geschäftliche Sorge: Schritt für Schritt wird verständlich, wie ein Film verhindert werden kann. Shah, die in „White Riot“ die britische Bewegung Rock Against Racism porträtierte, beschäftigt sich erneut mit dem politischen Potenzial von Kultur. Diesmal richtet sich ihr Blick auf die Hürden, die eine engagierte Arbeit überwinden muss, bevor überhaupt jemand sie sehen kann.

Was dem Publikum vorenthalten bleibt

Hollywoods Haltung blieb nicht unverändert. Warner Bros. brachte 1939 „Confessions of a Nazi Spy“ heraus, Charlie Chaplin 1940 „Der große Diktator“. Diese Filme gehören ebenfalls zur Geschichte. Mankiewicz’ Projekt zeigt jedoch, wie früh eine offene Auseinandersetzung möglich gewesen wäre. Welche Wirkung es beim Publikum entfaltet hätte, lässt sich nicht nachträglich bestimmen. Eine politische Wirkung garantieren konnte auch damals kein Drehbuch.

Shahs Dokumentation macht dafür etwas anderes sichtbar: Zur Geschichte des Kinos gehören auch die Stoffe, die sein Publikum nie erreichen. Wer Geld verweigert, Druck ausübt oder einen Konflikt für geschäftsschädigend erklärt, entscheidet mit darüber, was eine Gesellschaft zu sehen bekommt. Darin liegt die Aktualität dieser sorgfältig erschlossenen Episode. „The Mad Dog of Europe“ erinnert an die Verantwortung einer Branche, deren Macht sich auch an den Bildern bemisst, die sie verhindert.

The Mad Dog of Europe
Dokumentarfilm von Rubika Shah. Frankreich / Deutschland 2026, 83 Minuten.
Kinostart: 12. November 2026.

Offizielle Website zum Film

Offizieller Trailer bei YouTube

Verwandte Beiträge:

  • Sehenswerte Filme auf der Berlinale 2026
  • In Liebe, Eure Hilde - von Andreas Dresen
  • Sehenswerte Filme auf der Berlinale 2017
  • Je Suis Karl - Die Jugend, die in den Krieg ziehen will
  • Sehenswerte Filme auf der Berlinale 2025

Verwandte Beiträge:

  • Sehenswerte Filme auf der Berlinale 2026
  • In Liebe, Eure Hilde - von Andreas Dresen
  • Sehenswerte Filme auf der Berlinale 2017
  • Je Suis Karl - Die Jugend, die in den Krieg ziehen will
  • Sehenswerte Filme auf der Berlinale 2025
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen
  • Barrierefreiheit
Zukunft braucht ErinnerungLogo Header Menu
  • Geschichte Deutschlands
    • Deutsche Einigungskriege
    • Deutsches Kaiserreich
    • Weimarer Republik
    • Deutschland im Nationalsozialismus (Drittes Reich)
    • Deutschland unter alliierter Besatzung
    • Geteilte Stadt Berlin
    • Bundesrepublik Deutschland (Bonner Republik)
    • Deutsche Demokratische Republik (DDR)
  • Zeitalter der Weltkriege
    • Erster Weltkrieg
    • Zwischenkriegszeit
    • Zweiter Weltkrieg
  • Völkermorde und Massenverbrechen im Nationalsozialismus
    • Antisemitismus
    • Jüdisches Leben und Verfolgung im Nationalsozialismus
    • Holocaust
    • Porajmos
  • Nahostkonflikt
  • Völkermorde im 20. Jahrhundert
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Afrika
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Asien
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Europa
  • Erinnerung und Aufarbeitung
    • Erinnerung und Aufarbeitung der NS-Diktatur
    • Erinnerung und Aufarbeitung der SED-Diktatur
  • Extremismus in Deutschland
    • Rechtsextremismus in Deutschland
  • Biographien
  • Rezensionen
    • Ausstellungsrezensionen
    • Buchrezensionen
    • Filmrezensionen
    • Theaterrezensionen
    • Veranstaltungsrezensionen
  • News