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Startseite > Rezensionen > Filmrezensionen > Tutu – von Sam Pollard
Geschrieben von: Redaktion Zukunft braucht Erinnerung | Erstellt: 20. Februar 2026

Tutu – von Sam Pollard

TUTU / Land: GBR / Jahr: 2026 / Regie: Sam Pollard / Bildbeschreibung: / Sektion: Berlinale Special 2026 / Datei: 202609071_1 / © Getty - Bromberger Hoover Photography

TUTU / Land: GBR / Jahr: 2026 / Regie: Sam Pollard / Bildbeschreibung: / Sektion: Berlinale Special 2026 / Datei: 202609071_1 / © Getty – Bromberger Hoover Photography

 

Der Dokumentarfilm TUTU von Sam Pollard, der im Rahmen der Berlinale 2026 seine Weltpremiere feierte, ist weit mehr als eine konventionelle Retrospektive über das Leben des südafrikanischen Erzbischofs und Friedensnobelpreisträgers. Es ist ein Werk von monumentaler emotionaler Tiefe, das die Grenzen des Biopics sprengt, um eine universelle Parabel über moralische Standhaftigkeit und die subversive Kraft der Menschlichkeit zu zeichnen. Sam Pollard, der sich bereits mit seinen Analysen der US-Bürgerrechtsbewegung einen Namen gemacht hat, erweist sich hier als der ideale Chronist. Er nähert sich Desmond Tutu nicht mit distanzierter Ehrfurcht, sondern mit einer intellektuellen Neugier, die das Phänomen Tutu in seinen historisch-politischen Kern zerlegt.

Der Film verzichtet bewusst auf eine rein lineare Erzählweise. Stattdessen webt Pollard ein dichtes Netz aus unveröffentlichtem Archivmaterial und zeitgenössischen Reflexionen. Besonders hervorzuheben ist die Einbindung von Aufnahmen der Journalisten Roger Friedman und Benny Gool, die Tutu über Jahrzehnte hinweg begleiteten. Diese Bilder zeigen einen Mann jenseits der öffentlichen Kanzel – einen Tutu, der im privaten Moment von Zweifeln geplagt wird, der weint, der tanzt und dessen berühmtes Lachen im Film als das identifiziert wird, was es im Kern war: ein Akt des radikalen Widerstands gegen ein System, das darauf ausgelegt war, die Würde der schwarzen Bevölkerung zu brechen.

Der politisch-historische Fokus des Films liegt auf der schieren Unausweichlichkeit von Tutus Rolle während der dunklen Jahre der Apartheid. Pollard arbeitet präzise heraus, wie Tutu in den 1980er Jahren zur moralischen Instanz einer Nation wurde, während die politische Führung des ANC entweder im Untergrund, im Exil oder – wie Nelson Mandela – hinter Gittern war. Der Film verdeutlicht, dass Tutus Eintreten für internationale Sanktionen und sein kompromissloser gewaltfreier Protest das Regime in Pretoria moralisch in die Enge trieben. Die Dokumentation macht spürbar, wie gefährlich dieser Gratgang war: Tutu stand buchstäblich zwischen den Fronten, bedroht von der staatlichen Gewalt und oft missverstanden von jenen im Widerstand, die den bewaffneten Kampf als einzigen Ausweg sahen.

Ein zentrales Element der Erzählung ist die Arbeit der Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC). Hier erreicht der Film seine schmerzhafteste Intensität. Pollard zeigt Tutu nicht als triumphierenden Sieger, sondern als einen Mann, der die Last der nationalen Traumata auf seinen eigenen Schultern trägt. Die Aufnahmen von den Anhörungen, in denen Tutu angesichts der Schilderungen von Grausamkeiten sichtlich mit seiner Fassung ringt, gehören zu den bewegendsten Momenten der jüngeren Filmgeschichte. Es wird deutlich, dass sein Konzept der „Ubuntu“ – der tiefen Verbundenheit aller Menschen – kein theoretisches Konstrukt war, sondern eine überlebensnotwendige Praxis, um den Kreislauf der Rache zu durchbrechen.

Der Film erweitert diese historische Perspektive jedoch um eine hochaktuelle Analyse der Parallelen zur heutigen politischen Weltlage. Pollard deutet an, dass die Lehren Tutus in einer Zeit der globalen Polarisierung und des erstarkenden Autoritarismus eine neue, brennende Relevanz besitzen. Der Film zieht eine unsichtbare Linie von den Kämpfen im Südafrika des 20. Jahrhunderts zu den gegenwärtigen sozialen Spannungen weltweit. In einer Ära, in der politischer Diskurs oft durch Hass und die Unfähigkeit zum Kompromiss geprägt ist, wirkt Tutus Philosophie der radikalen Vergebung fast wie ein vergessenes Heilmittel.

Die Parallelen zur aktuellen Lage in Südafrika selbst werden im letzten Drittel des Films besonders deutlich. Pollard thematisiert Tutus spätere Jahre, in denen er nicht davor zurückschreckte, auch die neue Führung des ANC scharf zu kritisieren, wenn sie den moralischen Kompass der Befreiungsbewegung verlor. Der Film zeigt Tutu als Mahner gegen Korruption und Machtmissbrauch innerhalb der eigenen Reihen. Damit schlägt die Dokumentation eine Brücke zur Gegenwart: Die Enttäuschung über unerfüllte Versprechen der Post-Apartheid-Ära und die anhaltende soziale Ungleichheit finden in Tutus späterer Stimme ein Echo. Pollard legt nahe, dass der „Regenbogen-Traum“, den Tutu einst beschwor, heute gefährdeter ist denn je, und dass seine Forderung nach Integrität und Dienst am Volk heute wichtiger ist als zu Zeiten der Befreiung.

Die Analyse der heutigen politischen Landschaft durch das Prisma von Tutus Leben offenbart eine bittere Ironie: Während die Welt heute technisch vernetzter ist, scheint die Fähigkeit zum echten Zuhören und zur Empathie – jene Qualitäten, die Tutu verkörperte – im Schwinden begriffen. Pollard nutzt Tutus Leben als Spiegel für unsere heutige Unfähigkeit, den „Anderen“ in seiner vollen Menschlichkeit anzuerkennen. Der Film argumentiert, dass Tutus Erfolg nicht auf politischem Kalkül beruhte, sondern auf einer tiefen spirituellen Überzeugung, die heute in einer weitgehend säkularisierten und pragmatischen Politikwelt schmerzlich vermisst wird.

Auch die Rolle seiner Ehefrau Leah Tutu wird in diesem Kontext neu bewertet. Sie wird im Film als die stille, aber unnachgiebige Kraft dargestellt, die das soziale Gewissen der Familie und damit auch Desmonds Rückhalt bildete. Ihre gemeinsame Geschichte wird zur Metapher für die notwendige Ausdauer im politischen Kampf – ein Marathon, kein Sprint.

Regisseur Sam Pollard verzichtet auf reißerische Effekte. Die filmische Gestaltung ist elegant und zurückhaltend, was der Wucht der gezeigten Inhalte den nötigen Raum gibt. Die Montage ist meisterhaft; sie findet einen Rhythmus, der zwischen der Hektik des politischen Alltags und der Stille des Gebets pendelt. Die Kameraarbeit fängt die Landschaften Südafrikas ein, nicht als Postkartenmotive, sondern als stumme Zeugen einer gewaltvollen und zugleich hoffnungsvollen Geschichte.

TUTU ist ein zutiefst wohlwollender Film, der es jedoch vermeidet, seinen Protagonisten zu deifizieren. Er zeigt einen Menschen mit Fehlern, mit einer manchmal anstrengenden Fröhlichkeit und einer tiefen Melancholie. Doch gerade diese menschliche Fehlbarkeit macht seine Botschaft so kraftvoll. Der Film ist ein leidenschaftliches Plädoyer für eine Rückkehr zu moralischen Werten in der Politik. Er erinnert uns daran, dass echter Wandel nicht durch Machtdemonstration, sondern durch moralische Autorität und die Bereitschaft zum Dialog entsteht.

In der Gesamtschau ist Pollards Werk ein essentielles Zeitdokument. Es fordert das Publikum heraus, über die eigene Rolle in einer ungerechten Welt nachzudenken. In einer Zeit, in der viele an der Möglichkeit eines friedlichen Miteinanders zweifeln, bietet TUTU keine einfachen Antworten, aber er zeigt einen Weg auf, der durch Mut, Demut und unerschütterliche Hoffnung geebnet wurde. Es ist ein Film, der lange nachwirkt, weil er uns daran erinnert, dass die Geschichte nicht von anonymen Kräften geschrieben wird, sondern von Individuen, die es wagen, das Unmögliche zu glauben. Die Berlinale 2026 hat mit diesem Film ein Werk präsentiert, das nicht nur die Vergangenheit ehrt, sondern als dringender Weckruf für die Gegenwart fungiert.

 

TUTU / Sam Pollard (Regie) / 101′ / Vereinigtes Königreich / 2026 / Farbe & Schwarz-Weiß / Englisch / Weltpremiere / Dokumentarische Form / Berlinale 2026, Sektion Berlinale Special

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