Zukunft braucht Erinnerung

  • Startseite
  • Über uns
    • Auszeichnungen für unser Projekt
    • Grußwort von Yad Vashem
    • Dies sind unsere Autoren und Redakteure
  • Mitmachen
    • Themenliste Biographien
    • Themenliste Erinnerung und Aufarbeitung
    • Themenliste Extremismus
    • Themenliste Geschichte Deutschlands
    • Themenliste Nahostkonflikt
    • Themenliste NS-Völkermord
    • Themenliste Zeitalter der Weltkriege
  • Kontakt

Das Online-Portal zu den historischen Themen unserer Zeit.

  • Geschichte Deutschlands
    • Deutsche Einigungskriege
    • Deutsches Kaiserreich
    • Weimarer Republik
    • Deutschland im Nationalsozialismus (Drittes Reich)
    • Deutschland unter alliierter Besatzung
    • Geteilte Stadt Berlin
    • Bundesrepublik Deutschland (Bonner Republik)
    • Deutsche Demokratische Republik (DDR)
  • Zeitalter der Weltkriege
    • Erster Weltkrieg
    • Zwischenkriegszeit
    • Zweiter Weltkrieg
  • Völkermorde und Massenverbrechen im Nationalsozialismus
    • Antisemitismus
    • Jüdisches Leben und Verfolgung im Nationalsozialismus
    • Holocaust
    • Porajmos
  • Nahostkonflikt
  • Völkermorde im 20. Jahrhundert
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Afrika
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Asien
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Europa
  • Erinnerung und Aufarbeitung
    • Erinnerung und Aufarbeitung der NS-Diktatur
    • Erinnerung und Aufarbeitung der SED-Diktatur
  • Extremismus in Deutschland
    • Rechtsextremismus in Deutschland
  • Biographien
  • Rezensionen
    • Ausstellungsrezensionen
    • Buchrezensionen
    • Filmrezensionen
    • Theaterrezensionen
    • Veranstaltungsrezensionen
  • News
Startseite > Rezensionen > Filmrezensionen > Safe Exit – von Mohammed Hammad
Geschrieben von: Redaktion Zukunft braucht Erinnerung | Erstellt: 20. Februar 2026

Safe Exit – von Mohammed Hammad

Safe Exit / Land: EGY, LBY, TUN, QAT, DEU / Jahr: 2026 / Regie: Mohammed Hammad / Bildbeschreibung: Marwan Waleed / Sektion: Panorama 2026 / Datei: 202607047_1 / © Pareidolia Productions

Safe Exit / Land: EGY, LBY, TUN, QAT, DEU / Jahr: 2026 / Regie: Mohammed Hammad / Bildbeschreibung: Marwan Waleed / Sektion: Panorama 2026 / Datei: 202607047_1 / © Pareidolia Productions

 

Die Berlinale 2026 hat in diesem Jahr einmal mehr bewiesen, dass sie ein Seismograf für die tiefen, oft schmerzhaften Erschütterungen unserer globalen Gesellschaft ist. Inmitten der Vielzahl an Produktionen, die sich mit den drängenden Fragen unserer Zeit auseinandersetzen, stach im Panorama-Programm ein Werk besonders hervor, das eine fast hypnotische Ruhe inmitten des festivaltypischen Trubels ausstrahlte. Es handelt sich um den Psychothriller „Safe Exit“ des ägyptischen Regisseurs Mohammed Hammad. Fast ein Jahrzehnt nach seinem gefeierten Debüt „Withered Green“ kehrt Hammad mit einer Erzählung zurück, die so präzise wie schmerzhaft die Narben einer Generation freilegt, die im Schatten jahrzehntelanger religiöser und ethnischer Konflikte im arabischen Raum erwachsen geworden ist.

„Safe Exit“ ist kein lauter Film. Er ist kein Werk, das mit der moralischen Keule schwingt oder die Gewalt, die seine Hintergrundfolie bildet, spekulativ ausschlachtet. Vielmehr ist es eine Seelenschau, die sich in den staubigen Straßen Kairos und hinter den bröckelnden Fassaden einer Stadt abspielt, die ihre Bewohner gleichermaßen schützt und erstickt. Im Zentrum steht Samaan, verkörpert von Marwan Waleed in einer darstellerischen Leistung von bemerkenswerter, fast schon beängstigender Zurückhaltung. Samaan arbeitet als Sicherheitsmann – eine Berufswahl, die von einer bitteren Ironie durchzogen ist. Während er den öffentlichen Raum und die Besitztümer anderer bewacht, ist sein eigenes Inneres ein Trümmerfeld, das vor den Einbrüchen der Vergangenheit keinerlei Schutz genießt.

Die Handlung setzt ein Jahrzehnt nach dem traumatischen Ereignis ein, das Samaans Leben definierte: der Ermordung seiner Eltern während einer Welle religiös motivierter Gewalt. Hammad verankert seinen Film damit fest im politisch-historischen Kontext der Region. Er erzählt von den „Kindern der Konflikte“, jener Generation, die heute Anfang zwanzig ist und deren Kindheit von Bildern der Zerstörung und dem Verlust familiärer Sicherheit geprägt wurde. Samaan ist ein Repräsentant dieser verlorenen Generation. Er funktioniert, er absolviert seine Schichten, er bewegt sich durch das urbane Labyrinth Kairos wie ein Geist. Sein Alltag ist eine Simulation von Normalität, eine mühsam aufrechterhaltene Fassade, um die posttraumatische Belastungsstörung zu maskieren, die in jedem seiner starren Blicke mitschwingt.

Die Wende in diesem bewusst langsam erzählten Thriller tritt ein, als Samaan mit einer Situation konfrontiert wird, die seine sorgsam errichteten Mauern einzureißen droht. Er findet sich in der Position wieder, einen gesuchten Killer – oder vielmehr eine Person, die vom System als solcher deklariert wurde – zu verstecken. Hier weitet Hammad die Perspektive von der rein persönlichen Traumatisierung auf eine gesellschaftliche Ebene aus. Das Versteckspiel wird zum Kammerspiel der Moral. Wer ist der Täter, wer ist das Opfer in einem Kreislauf der Gewalt, der keine sauberen Ausgänge – keine „Safe Exits“ – mehr zuzulassen scheint? Die Begegnung mit dem „Anderen“, der ebenfalls von der Gewalt gezeichnet ist, zwingt Samaan dazu, die Betäubung aufzugeben, mit der er sich jahrelang vor der Realität geschützt hat.

Regisseur Mohammed Hammad nutzt eine visuelle Sprache, die an die Tradition des ägyptischen Realismus anknüpft, ihn jedoch um eine psychologische Tiefe erweitert, die fast schon ins Metaphysische ragt. Gemeinsam mit seinem Kameramann Samer Al Miniawy setzt er auf statische, oft minutenlang verharrende Einstellungen. Diese Bilder bewerten nicht. Sie beobachten lediglich, wie sich der Putz von den Wänden schält, wie das fahle Licht durch die Jalousien der kargen Wohnungen fällt und wie die Gesichter der Protagonisten im Halbschatten verschwinden. Diese visuelle Strenge erzeugt eine klaustrophobische Atmosphäre, die den Zuschauer spüren lässt, dass es für diese Charaktere keinen Ort gibt, an dem sie wirklich sicher sind. Die Sicherheit, die der Titel verspricht, bleibt eine Sehnsucht, ein unerreichbares Konstrukt.

Die Besetzung trägt diese Last mit einer erstaunlichen Würde. Marwan Waleed verleiht Samaan eine physische Präsenz, die ohne große Gestik auskommt. Sein Schmerz artikuliert sich in der Art, wie er seine Uniform trägt – wie eine Rüstung, die zu schwer geworden ist. An seiner Seite glänzen Noha Foad und Hazem Essam, die das Ensemble vervollständigen und die verschiedenen Facetten einer Gesellschaft zeigen, die zwischen dem Drang nach Aufarbeitung und dem Wunsch nach blindem Vergessen gefangen ist. Besonders die Szenen zwischen Samaan und der Figur, die er verbirgt, gehören zu den stärksten Momenten des Films. In ihren flüsternden Dialogen, die oft eher einem vorsichtigen Abtasten gleichen, offenbart sich die ganze Tragweite der menschlichen Entfremdung, die der Krieg und der religiöse Hass hinterlassen haben.

Historisch gesehen fungiert „Safe Exit“ als eine Art Korrektiv zur oft verkürzten medialen Berichterstattung über den Nahen Osten. Wo Nachrichtenbilder meist nur die Explosion und das unmittelbare Leid zeigen, interessiert sich Hammad für das „Danach“. Er fragt nach den Langzeitfolgen der Entmenschlichung. Wie lebt man weiter, wenn das Fundament des Vertrauens in die Mitmenschen durch ethnische Säuberungen oder religiösen Fanatismus zerstört wurde? Der Film macht deutlich, dass die Traumata nicht mit dem Ende der aktiven Kampfhandlungen verschwinden. Sie vererben sich. Sie nisten sich in den Institutionen ein und in der Art und Weise, wie eine neue Generation auf die Welt blickt.

Trotz der schweren Thematik ist „Safe Exit“ ein wohlwollender Film. Er ist von einer tiefen Empathie für seine Figuren durchdrungen. Hammad verurteilt Samaan nicht für seine Passivität oder seine anfängliche Flucht in die Gefühllosigkeit. Er zeigt diese Mechanismen als notwendige Überlebensstrategien in einer feindseligen Umwelt. Die Hoffnung, die der Film transportiert, ist leise und fragil. Sie liegt nicht in einer großen politischen Lösung, sondern in den kleinen Momenten der zwischenmenschlichen Verbindung – in der Entscheidung, für einen Augenblick die eigene Sicherheit zu riskieren, um einem anderen Wesen beizustehen.

In der Gesamtschau der diesjährigen Berlinale besetzt „Safe Exit“ einen wichtigen Platz. Er ist ein Plädoyer für die Komplexität und gegen die einfachen Antworten. In einer Zeit, in der die Welt dazu neigt, in Schwarz-Weiß-Kategorien zu denken, erinnert uns Mohammed Hammad daran, dass die Wahrheit oft in den Grauzonen der Erinnerung und des Schmerzes liegt. Der Film fordert Geduld von seinem Publikum, doch wer bereit ist, sich auf seinen Rhythmus einzulassen, wird mit einer tiefgreifenden Reflexion über die menschliche Natur und die Unverwüstlichkeit des Geistes belohnt.

 

Safe Exit / Mohammed Hammad (Regie, Buch) / mit Marwan Waleed, Noha Foad, Hazem Essam, Magda Mounir, Samer Al Miniawy / 113′ / Ägypten, Libyen, Tunesien, Katar, Deutschland / 2026 / Farbe / Arabisch / Untertitel: Englisch / Weltpremiere / Berlinale 2026, Sektion Panorama

Verwandte Beiträge:

  • Who Killed Alex Odeh? - von Jason Osder
  • Where To? - von Assaf Machnes
  • Un hiver russe (A Russian Winter) - von Patric Chiha
  • Effondrement (Collapse) -von Anat Even
  • Staatsschutz (Prosecution) - von Faraz Shariat

Verwandte Beiträge:

  • Who Killed Alex Odeh? - von Jason Osder
  • Where To? - von Assaf Machnes
  • Un hiver russe (A Russian Winter) - von Patric Chiha
  • Effondrement (Collapse) -von Anat Even
  • Staatsschutz (Prosecution) - von Faraz Shariat
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen
  • Barrierefreiheit
Barrierefreiheitsanpassungen

Präsentiert von OneTap

Wie lange möchten Sie die Werkzeugleiste ausblenden?
Dauer des Ausblendens der Werkzeugleiste
Wählen Sie Ihr Barrierefreiheitsprofil aus
Modus für Sehbehinderte
Verbessert das Erscheinungsbild der Website
Profil für Anfallsicherheit
Entfernt Blitze und reduziert die Farbe
ADHS-freundlicher Modus
Fokussiertes Browsen, ablenkungsfrei
Blindmodus
Reduziert Ablenkungen, verbessert die Konzentration
Sicherer Modus bei Epilepsie
Dimmt die Farben und stoppt das Blinken
Inhaltsmodule
Schriftgröße

Standard

Zeilenhöhe

Standard

Farbmodule
Orientierungsmodule
Zukunft braucht ErinnerungLogo Header Menu
  • Geschichte Deutschlands
    • Deutsche Einigungskriege
    • Deutsches Kaiserreich
    • Weimarer Republik
    • Deutschland im Nationalsozialismus (Drittes Reich)
    • Deutschland unter alliierter Besatzung
    • Geteilte Stadt Berlin
    • Bundesrepublik Deutschland (Bonner Republik)
    • Deutsche Demokratische Republik (DDR)
  • Zeitalter der Weltkriege
    • Erster Weltkrieg
    • Zwischenkriegszeit
    • Zweiter Weltkrieg
  • Völkermorde und Massenverbrechen im Nationalsozialismus
    • Antisemitismus
    • Jüdisches Leben und Verfolgung im Nationalsozialismus
    • Holocaust
    • Porajmos
  • Nahostkonflikt
  • Völkermorde im 20. Jahrhundert
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Afrika
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Asien
    • Völkermorde im 20. Jahrhundert in Europa
  • Erinnerung und Aufarbeitung
    • Erinnerung und Aufarbeitung der NS-Diktatur
    • Erinnerung und Aufarbeitung der SED-Diktatur
  • Extremismus in Deutschland
    • Rechtsextremismus in Deutschland
  • Biographien
  • Rezensionen
    • Ausstellungsrezensionen
    • Buchrezensionen
    • Filmrezensionen
    • Theaterrezensionen
    • Veranstaltungsrezensionen
  • News