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Startseite > Rezensionen > Filmrezensionen > Effondrement (Collapse) -von Anat Even
Geschrieben von: Redaktion Zukunft braucht Erinnerung | Erstellt: 20. Februar 2026

Effondrement (Collapse) -von Anat Even

Effondrement | Collapse / Land: FRA / Jahr: 2026 / Regie: Anat Even / Bildbeschreibung: / Sektion: Forum 2026 / Datei: 202606732_1 / © Anat Even

Effondrement | Collapse / Land: FRA / Jahr: 2026 / Regie: Anat Even / Bildbeschreibung: / Sektion: Forum 2026 / Datei: 202606732_1 / © Anat Even

 

Es gibt Momente in der Geschichte des Kinos, in denen die Leinwand nicht mehr nur als Projektionsfläche für Geschichten dient, sondern als ein fragiler Raum des Zeugnisses fungiert. Auf der 76. Berlinale im Jahr 2026 hat die israelische Regisseurin Anat Even mit ihrem neuen Dokumentarfilm Effondrement – international unter dem Titel Collapse bekannt – ein solches Werk vorgelegt. Es ist ein Film, der in der Sektion Forum seine Weltpremiere feierte und der sich mit einer Radikalität und gleichzeitigen Stille den Trümmern einer zerbrochenen Welt nähert. Anat Even, die bereits in früheren Arbeiten wie Asura oder Postcards from the Verge ein tiefes Gespür für die Verwundbarkeit von Grenzen und Identitäten bewiesen hat, kehrt hier an einen Ort zurück, der für sie einst Heimat war und nun zum Schauplatz einer existenziellen Katastrophe geworden ist.

Der Film beginnt mit einer Rückkehr. Kurz nach den verheerenden Ereignissen des 7. Oktober 2023 begibt sich die Regisseurin in das Gebiet, das als „Gaza-Gürtel“ bekannt ist. Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren wandert sie mit ihrer Kamera durch die Ruinen niedergebrannter Kibbuzim und über landwirtschaftliche Flächen, die sich in monströse Parks für Kriegsgerät verwandelt haben. Doch Effondrement ist kein klassischer Bericht über Zerstörung. Es ist ein filmischer Essay, der den Zustand des Zusammenbruchs nicht nur als physisches Phänomen der Architektur begreift, sondern als einen moralischen und ethischen Verfall, der die gesamte Region und darüber hinaus auch die internationalen Beziehungen erfasst hat.

Im Zentrum von Evens Beobachtung steht das Paradoxon der Nähe und der gleichzeitigen absoluten Trennung. Während die Kamera die verkohlten Überreste israelischer Wohnhäuser und die nun brachliegenden Felder abtastet, wandert der Blick immer wieder über den Grenzzaun. Dort, in Sichtweite und doch in einer anderen Realität, liegt der Gazastreifen, dessen Vernichtung in den Bildern des Films zwar oft nur am Horizont oder in der Ferne zu erahnen ist, aber als bleierne Last über jeder Einstellung schwebt. Anat Even wählt für diese Beobachtungen eine Form der statischen, fast wertfrei wirkenden Bildsprache. Es sind ruhige Einstellungen, die den Zuschauer zwingen, die Details der Verwüstung und die Präsenz der Militärmaschinen auszuhalten. Doch gerade in dieser vermeintlichen Distanz entfaltet sich eine enorme emotionale Wucht.

Der filmische Aufbau von Effondrement wird durch drei zentrale Stimmen getragen, die stellvertretend für die verschiedenen Dimensionen des Zusammenbruchs stehen. Da ist zum einen Ariel, ein langjähriger Brieffreund der Regisseurin aus Paris. Durch ihre Korrespondenz wird der ethische Riss spürbar, der durch die Welt geht. Ariel bricht den Kontakt ab, weil die moralischen Diskrepanzen in der Bewertung des Konflikts unüberbrückbar geworden sind. Dieser Bruch im Privaten spiegelt den globalen Zusammenbruch des Dialogs wider. Es ist ein schmerzhafter Prozess der Entfremdung, den Even mit einer entwaffnenden Offenheit dokumentiert. Die Unfähigkeit, sich gegenseitig im Leid des anderen zu erkennen, wird hier zur tragischen Konstante.

Die zweite Stimme gehört Avichai, der die israelische Militärstrategie mit einer nüchternen Grausamkeit beschreibt, die den Zuschauer frösteln lässt. Seine Ausführungen über die Mechanismen der Zerstörung und die Logik des Krieges bilden den harten, realpolitischen Kontrast zu den poetisch-traurigen Bildern der Landschaft. Hier wird deutlich, wie die Sprache des Krieges die menschliche Empathie korrodiert hat. Dem gegenüber steht die Stimme von Dr. Ezzideen Shehab, einem palästinensischen Arzt aus Gaza City. Sein verzweifelter Appell an die Welt, der über die Grenze dringt, bildet das moralische Korrektiv des Films. In seinen Worten verdichtet sich das Leid derer, die hinter dem Zaun im Schatten der Weltöffentlichkeit auszuharren versuchen.

Anat Even versucht in Effondrement das Unmögliche: Sie will das Verhältnis zwischen Verantwortung und Ohnmacht ausloten, ohne in einfache Schuldzuweisungen zu verfallen. Der historische Kontext ist dabei omnipräsent. Der Film verhandelt die Traumata des 7. Oktober als Zäsur, die eine ganze Gesellschaft in einen Zustand der Paralyse und der gleichzeitigen Raserei gestürzt hat. Doch er geht darüber hinaus, indem er die darauffolgende Zerstörung Gazas nicht als isoliertes Ereignis, sondern als Teil einer langen Kette von Entmenschlichung und Diskriminierung begreift. Die Regisseurin stellt die schmerzhafte Frage, wie aus der Asche der eigenen Vernichtung eine Gewalt entstehen konnte, die nun die Existenz des Nachbarn auslöscht.

Die filmischen Details unterstützen diese essayistische Suche nach Wahrheit. Mit einer Laufzeit von 78 Minuten ist der Film konzentriert und lässt keinen Raum für überflüssige Dramaturgie. Die Bildgestaltung, für die Even selbst verantwortlich zeichnet, nutzt das natürliche Licht der Grenzregion, das oft in einem harten Kontrast zur Schwere der Themen steht. Der Soundtrack von Eli Shargo ist sparsam eingesetzt; er arbeitet mit minimalistischen Klängen, die die Stille der Ruinen eher betonen, als sie zu überdecken. Es ist eine Musik des Verschwindens, die perfekt mit den Bildern der sich auflösenden Landschaften korrespondiert.

Besonders hervorzuheben ist die Montage von Oron Adar. Er verwebt die verschiedenen Zeitebenen der zweijährigen Wanderung so geschickt, dass das Gefühl einer ewigen Gegenwart entsteht – einer Zeit nach der Katastrophe, in der die Zukunft noch nicht begonnen hat. Die Briefwechsel, die Telefonate und die Radioberichte legen sich wie eine zusätzliche Schicht über die Bilder und schaffen einen polyphonen Raum, in dem unterschiedliche Wahrheiten nebeneinander existieren können, auch wenn sie sich gegenseitig ausschließen.

Anat Evens Film ist ein Dokument der Wut, aber auch ein Dokument der tiefen Trauer. Wohlwollend betrachtet man diesen Film als einen Akt des Widerstands gegen das Vergessen und gegen das Wegsehen. In einer Zeit, in der Bilder von Krieg und Leid oft inflationär gebraucht werden, gibt Even jedem Bild eine Schwere zurück, die den Zuschauer zur Positionierung zwingt. Effondrement ist kein Film, den man nach dem Verlassen des Kinos einfach beiseitelegen kann. Er bleibt als eine offene Wunde bestehen, als eine Erinnerung daran, dass der Zusammenbruch von Gebäuden nur der Anfang ist, während der Zusammenbruch der Menschlichkeit ein Prozess ist, der uns alle betrifft.

Das Werk zeigt eindrücklich, wie das Kino der Berlinale 2026 weiterhin ein Ort für die schwierigsten Diskurse unserer Gegenwart bleibt. Even ist es gelungen, die Ohnmacht, die viele angesichts des Nahostkonflikts empfinden, in eine künstlerische Form zu gießen, die den Opfern auf beiden Seiten mit Respekt begegnet, ohne die politischen Realitäten zu verschleiern. Der Film endet nicht mit einer Lösung, sondern mit einer Suche – einer Suche nach den Resten von Normalität und Würde inmitten einer Landschaft der Zerstörung. Es ist ein schmerzhaftes, aber notwendiges Seherlebnis, das die Kraft des dokumentarischen Erzählens in seiner reinsten Form feiert.

 

Effondrement (Collapse) / Anat Even (Regie, Buch), Ariel Cypel (Buch), Oron Adar (Buch) / 78′ / Frankreich / 2026 / Farbe / Hebräisch, Englisch / Untertitel: Englisch / Weltpremiere / Dokumentarische Form / Berlinale 2026, Sektion Forum

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