
Informationsmotiv des Augen auf-Kinotags. Quelle: Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ).
Der Augen auf-Kinotag 2027 rückt eine Fotografin ins Zentrum, die sich in den politischen Auseinandersetzungen der 1930er-Jahre ihren eigenen Platz erkämpfte: Gerda Taro. Am Abend des 27. Januar wird Alina Marazzis Film „Das Mädchen mit der Leica“ in Berlin, Halle (Saale), Köln und München vorab gezeigt. Filmgespräche und ein Schulkinoprogramm am 27. und 28. Januar verbinden die Vorführungen mit Fragen an die Geschichte und ihre Darstellung.
Zum dritten Mal lädt die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ins Kino ein. Das Motto lautet diesmal: „Wegsehen war schon immer eine schlechte Idee“. Der Kinotag 2027 richtet sich an ein breites Publikum ebenso wie an Schulklassen. Über das zusätzliche Format Kinotag+ sind weitere Filmvorführungen in 15 Städten vorgesehen.
Gerda Taro: Mit der Kamera gegen das Wegsehen
Paris, 14. Juli 1937: Hier setzt die angekündigte Filmhandlung ein. Gerda Taro verbringt einen Tag mit Robert Capa und Freunden aus dem deutschen Exil, bevor sie an die spanische Front zurückkehrt. Erinnerungen führen zu ihrem politischen Engagement in Leipzig, zur Flucht aus NS-Deutschland und zu ihren Anfängen als Fotografin. Emilia Schüle spielt Taro, Aaron Altaras verkörpert Capa; zum Ensemble gehört auch Luna Wedler.
Nach Angaben der Produktion verbindet Alina Marazzi Archivmaterial und Fiktion. Schon dieser Zugang eröffnet Fragen, die über eine Lebensgeschichte hinausreichen: Wie wird aus einer Fotografie ein Zeugnis? Was bleibt außerhalb des Bildes? Und wie lässt sich eine historische Person im Spielfilm zeigen, ohne ihre Widersprüche hinter einem fertigen Heldenbild verschwinden zu lassen? Taros Weg verbindet Verfolgung und Exil mit dem Anspruch, die politischen Kämpfe ihrer Zeit selbst zu dokumentieren.
Im Rahmen des Kinotags 2027 wird „Das Mädchen mit der Leica“ vor dem für März 2027 angekündigten regulären Kinostart gezeigt. Im Anschluss an die Abendvorführungen sind in allen vier Städten Gespräche mit Gästen aus Film, Kultur und Gesellschaft geplant.
Schulkino zum Kinotag 2027: Geschichte im Gespräch
An den beiden Vormittagen steht das gemeinsame Sehen und Besprechen im Mittelpunkt. VISION KINO begleitet das Schulprogramm filmpädagogisch, in Zusammenarbeit mit den SchulKinoWochen. Die Auswahl reicht von Geschichten über Flucht und Verfolgung bis zur Auseinandersetzung mit Tätern, Nachkriegsgesellschaft und fortwirkender Diskriminierung. Die Filme setzen dabei sehr unterschiedliche historische Kenntnisse und Erfahrungen voraus.
In Berlin sind unter anderem „Nebel im August“ mit Hauptdarsteller Ivo Pietzcker und „Transit“ mit Regisseur Christian Petzold angekündigt. Halle zeigt etwa „The Zone of Interest“ mit Dialogberater Lukas Feigelfeld sowie „Heimsuchung“ mit Regisseur Volker Schlöndorff. In Köln stehen „Zirkuskind“ mit Regisseurin Julia Lemke und „In Liebe, Eure Hilde“ mit Produzentin Claudia Steffen auf dem Programm. In München werden unter anderem Caroline Link zu „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ und Julia von Heinz zu „Treasure – Familie ist ein fremdes Land“ erwartet.
Solche Gespräche bieten Gelegenheit, auch die Entscheidungen hinter den Bildern zu untersuchen. Wessen Perspektive bestimmt eine Erzählung? Wie gehen Darstellerinnen und Darsteller mit historischen Rollen um? Welche Freiheiten nimmt sich eine Literaturverfilmung? Der Kinobesuch kann damit zugleich zur Beschäftigung mit der Vergangenheit und mit dem Medium werden, durch das wir ihr begegnen.
Materialien und Anmeldung für Schulen
Zum Kinotag 2027 stellt VISION KINO für Lehrkräfte Unterrichtsmaterialien zu den ausgewählten Filmen und die Handreichung „Film in der Vermittlung der Geschichte des Nationalsozialismus“ bereit. Online-Fortbildungen unterstützen die Vorbereitung. Entscheidend ist, Filmwahl und Gespräch an Alter und Vorwissen der Klasse auszurichten und Raum für die anschließende Auseinandersetzung zu lassen.
Für den Kinotag 2027 melden Schulen ihre Klassen über die zuständigen SchulKinoWochen an. Die jeweiligen Angebote und Zugänge bündelt VISION KINO: Schulkino zum Gedenktag. Da sich einzelne Spielzeiten und Gesprächsgäste noch ändern können, sind die Angaben der örtlichen Veranstalter maßgeblich.
Termine und Informationen zum Kinotag 2027
Die Abendveranstaltungen finden am 27. Januar 2027 statt, das Schulkino am 27. und 28. Januar. Hauptstandorte sind Berlin, Halle (Saale), Köln und München. Informationen zu den beteiligten Kinos, zu Kinotag+ und zur Buchung veröffentlicht die offizielle Website des Augen auf-Kinotags.
Konzipiert und umgesetzt wird die Initiative der Stiftung EVZ gemeinsam mit der Agentur Jetzt & Morgen. Zukunft braucht Erinnerung hat bereits die Ausgaben 2025 und 2026 begleitet. Auch 2027 geht es um eine Begegnung, die mit dem Abspann nicht abgeschlossen ist: Das anschließende Gespräch gehört zum Kinotag dazu.
Autor: Redaktion
