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Lemon Tree - von Eran Riklis
Geschrieben von: Stefan Mannes
Der israelisch-palästinensische Konflikt wurde - nicht nur auf den Berlinalen der letzten Jahre - bereits mehrfach filmisch aufgegriffen. Bis auf "Paradise Now" meist ohne überzeugenden Erfolg. Dieses Jahr versucht sich Eran Riklis mit "Lemontree" und macht einen Hain mit Zitronenbäumen zum Ausgangspunkt einer Parabel für das schwierige Leben von Palästinensern und Israelis, das fast nie ein Zusammenleben sein kann.
Selma Zidane lebt alleine in einem kleinen palästinensischen Dorf in der Westbank direkt an der Grenzlinie zu den israelischen Gebieten. Sie ist seit Jahren verwitwet, ihr Sohn lebt in Amerika, die Tochter mit ihrer eigenen Familie in einem anderen Dorf. Seit Generationen besitzt Selmas Familie einen Zitronenhain und sie selbst lebt davon die Früchte auf dem Markt zu verkaufen.
Selmas Leben ändert sich schlagartig, als der israelische Verteidigungsminister und seine Ehefrau ihre Nachbarn werden. Aus für den Zuschauer unerfindlichen Gründen zieht er direkt an die ungesicherte Grenze. Die Zitronenbäume werden zum Sicherheitsrisiko, da mögliche Terroristen sie als Schutz für Anschläge auf den Minister nutzen könnten. Schon kurze Zeit später erhält sie eine Nachricht, dass die Bäume gefällt werden müssen. Eine Entschädigung wird ihr zwar angeboten, aber Selma entschließt sich zu kämpfen. Sie wendet sich an den jungen Rechtsanwalt Ziad Daud, die darin seine Chance sieht sich in einem Prozess öffentlich zu profilieren. Es beginnt ein ungleicher Kampf vor Gericht, der nicht leichter wird, als sich Salma in ihren zehn Jahre jüngeren geschiedenen Anwalt verliebt.
Im Laufe des Konflikts erhält sie noch Hilfe von ungeahnter Seite. Der Frau des Verteidigungsministers imponiert das Engagement ihrer palästinensischen Nachbarin. Als der Streit vor das höchste israelische Gericht geht und damit auch die Aufmerksamkeit der Medien weckt, setzt sie sich mit einem Zeitungsinterview für den Erhalt der Zitronenbäume ein.
Dennoch hat der Film hat kein Happy End. Die israelische "Schutzmauer" hat nun auch Selmas Dorf erreicht und trennt ihren Hain vom Haus des Ministers. Dennoch wurden die Bäume per Gerichtsanordnung auf gekappt und die Stümpfe stehen nun inmitten einer staubigen Leere. Anwalt Daud ist mittlerweile dank seines Teilerfolges vor Gericht in den Diensten der palästinensischen Autonomiebehörde und hat die Tochter eines hohen Beamten geheiratet.
Mit viel gutem Willen muss aber auch Lemontree als Film scheitern, denn die Geschichte strotzt vor logischen Brüchen und Ungereimtheiten, die auch die exzellent besetzten Schauspieler nicht überspielen können. Die symbolüberladene Handlung gibt dem Betrachter ein oberflächliches Gefühl ein engagiertes politisches Plädoyer für eine israelisch-palästinensische Aussöhnung gesehen zu haben. Aber das ist nicht neu. Und Riklis versäumt die Chance uns mehr zu sagen als das, was wir alle bereits wissen.
Autor: Stefan Mannes
Lemon Tree
Israel, Deutschland, Frankreich, 2008, 106 min
Regie: Eran Riklis
Berlinale 2008
