Flipping Out - von Yoav Shamirs

Flipping Out - von Yoav ShamirsWer einmal in Israel war kennt das für Europäer surrealistisch anmutende Straßenbild, in dem zahllose 18 jährige Jugendliche in Armeeuniformen mit modernen Schnellfeuergewehren in Kaffees sitzen und Einkaufen gehen. Israel ist nach seinem Selbstverständis im Krieg und entlässt seine jungen Soldaten und Soldatinnen auch nicht am Wochenende ins Zivilleben. Der zweijährige Wehrdienst ist unerbittlich und konfrontiert die Jugendlichen nicht nur mit der Härte ihrer Ausbilder, sondern auch mit dem realen Horror des Krieges in den besetzten Gebieten.

Nach Ende ihrer Dienstzeit versuchen viele Israelis mit Auslandsreisen zur Ruhe zu kommen - viele landen im indischen Goa, wo Yoav Shamirs Dokumentation „Flipping Out“ sie besucht. Ihre Abfindung investieren die Ex-Soldaten in Drogen und endlose Parties. Doch auch hier werden sie den Kriegsschock nicht los. Viele leiden unter Wahnvorstellungen und Psychosen. Unreflektiert erzählen die jungen Israelis in dem Film von ihren Einsätzen in den besetzten Gebieten und werden von ihren Erinnerungen eingeholt.

Aber der israelische Staat hat in Goa vorgesorgt. Es gibt therapeutische Auffangzentren, Orthodoxe Juden bieten Gesprächsrunden an und ein ehemaliger Mossad-Agent kümmert sich mit militärischer Autorität um die besonders schweren Fälle. Das ist für den Betrachter sehr spannend erzählt, aber man hätte sich gewünscht, dass der Film hier sein exotisches Setting verlassen und auch darüber erzählt hätte wie die israelische Gesellschaft auch zu hause mit ihrer traumatisierten Jugend umgeht.

Autor: Stefan Mannes

Flipping Out
Israel, Kanada, 2007, 83 min
Regie: Yoav Shamir