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Sharon - von Dror Moreh
Geschrieben von: Stefan Mannes
Im Februar 2006 erlitt der israelische Premierminister Ariel Sharon einen Schlaganfall und befindet sich seitdem im Koma. Mit ihm verließ eine der prägendsten Figuren das politische Parket Israels. Jahrzehnte lang der Exponent einer aggressiven Siedlungspolitik, leitete er überraschenderweise 2003 die Räumung zahlreicher jüdischen Siedlungen ein und machte damit unter anderem den israelischen Rückzug aus Gaza möglich. In seiner Dokumentation "Sharon" nimmt Regisseur Dror Moreh diesen wichtigen Wendepunkt zum Anlass seines Portraits.
Niemand konnte damit rechnen, dass ausgerechnet Ariel Sharon beschloss 21 jüdische Siedlungen im Westjordanland und Gazastreifen abzureißen. Der „Held des Sechstagekriegs“, als Verteidigungsminister verantwortlich für das Blutbad, das mit Israel verbündete libanesisch-christliche Falange-Milizen 1982 in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila ein Blutbad anrichteten, galt keinesfalls als Mann der Aussöhnung. Unter seiner Regierung hatten die jüdischen Siedler immer größeren Einfluss erlangt, und Sharon förderte sogar den Bau von illegalen Siedlungen in den besetzten Gebieten.
Die Gründe, die Sharon 2003 dazu bewegten, all seine bisherigen Überzeugungen in Frage zu stellen, sind bis heute nicht geklärt. In seinem Film versucht Dror Moreh diesen auf die Spur zu kommen. Dabei wird sowohl die Geschichte Israels reflektiert, mit zahllosen Kriegen und enttäuschten Friedenshoffnungen, als auch die Familiengeschichte Sharons, der als Sohn eines polnisch-deutschen Vaters und einer Russin 1928 in Israel geboren wurde.
Letztlich kann auch Dror Moreh keine Antwort auf diese Fragen geben. Vielleicht deshalb verliert sich der Film nahezu in einer Hommage. Weder die Korruptionsvorwürfe gegen Sharon noch die Tatsache, dass 40 Siedlungen im Westjordanland von der Räumungsaktion ausgenommen wurden, kommen in Morehs Film vor. Dennoch ist der Film ein Dokument, dass selbst an unerwarteter Stelle Hoffnung für den Nahen Osten entstehen kann.
Autor: Stefan Mannes
Sharon
Israel, Deutschland, 2007, 90 min
Regie: Dror Moreh
Berlinale 2008
