Über uns
Mechilot („Forgiveness“) von Udi Aloni
Geschrieben von: Stefan Mannes
Ein „furchtbarer Film“, „grauenhaft“ war aus den diskutierenden Gruppen der kleinen israelischen Zuschauergemeinde nach der Premiere in der Sektion „Panorama“ auf der Berlinale 2006 zu hören. Man war zudem sehr gespannt, ob die Kritikergemeinde sich dieses Urteils anschließen, den Film bejubeln oder sich auf deutlich neutraleres Terrain begeben werde mit einer Aussage über die Wichtigkeit, dass Filme zu diesem politisch brisanten Thema überhaupt zu sehen seien.Udi Alonis, Regisseur von Mechilot (Forgiveness), beschäftigt sich mit nichts Geringerem als dem Traum von jüdisch-palästinensischer Vergebung und Versöhnung. So weit so gut.
Der Protagonist David vergnügt sich zunächst in New York auf den bildungsbürgerlichen Partys seines Vaters. Doch er sucht nach mehr, seinen Wurzeln, und reist bald nach Israel, um dort freiwillig seinen Wehrdienst abzuleisten. Im entfernten Sinne ist auch er wie sein Vater, der eine eintätowierte Häftlingsnummer aus einem Konzentrationslager trägt, gezeichnet. David trägt das Tattoo eines Davidsterns über dem Herzen.
Anfänglich mit dem radikalen Zionismus sympathisierend, gerät er bald in die harte Realität israelisch-palästinensischen Alltags und muss miterleben wie junge Israelis gleichaltrige Palästinenser bei Kontrollen schikanieren. Als er eine junge Palästinenserin kennen lernt, entfacht sich eine dramatische Geschichte. In Panik löst sich ein Schuss aus seiner Waffe und ein junges Mädchen liegt tot im Sand, daraufhin verliert David als Zeichen seines daraus resultierenden Traumas sein Gedächtnis.
Das Psychiatrische Krankenhaus, in dem David behandelt wird, liegt auf dem Massengrab eines palästinensischen Dorfes. Ursprünglich wurde das Krankenhaus für Holocaust-Überlebende errichtet, hier wird es nun zum stilisierten Knotenpunkt aus aktueller Erinnerung, Schuld und Neuanfängen. Leider erfährt Davids Suche nach seinem Gedächtnis, seiner Schuld und letztlich seiner Identität gerade durch die bunten, übertheatralischen Bilder des Kameramanns Paul Hond eine massive symbolische Überfrachtung, die für die meisten Zuschauer bis an die Grenzen des Erträglichen geht. Und für manchen sogar noch darüber hinaus, wenn Udi Aloni Holocaust-Überlebende in Hamletscher Manier mit palästinensischen Totenschädeln
über Schuld und Sühne sinnieren oder das Mädchen, das David irrtümlich tötet als weißgewandete Erynne in seinen Tagträumen erscheinen lässt. Alle denkbaren Symbole werden aufgegriffen, in die Geschichte mit eingeflochten oder gar miteinander verwoben. Alte deutsche SS-Pistolen spielen dabei ebenso eine Rolle wie die versöhnende Liebe Davids zu einer Palästinenserin.
Zu guter letzt rettet ein Holocaust-Überlebender im Verbund mit den Geistern der Opfer des palästinensischen Dorfes auch noch Davids Seele. Er ermöglicht ihm, sich zu erinnern, seine Schuld zu begreifen und gibt ihm die Möglichkeit einer zweiten Chance und eines neuen Lebens.
Ein theatralisches Ende eines Filmes, der im doppelten Sinn demonstriert, das nicht alles, was gut gemeint auch gut gemacht ist.
Regie: Udi Aloni
Produktion: USA; Israel 2006
Cast: Itay Tiran, Clara Khoury, Moni Moshonov, u.a.
