Kinovorschau: "Winterkinder" Die schweigende Generation Ein Film von Jens Schanze

WinterkinderIn Winterkinder – Die schweigende Generation dokumentiert Regisseur und Grimme-Preisträger Jens Schanze die Aufarbeitung der lange verdrängten NS-Vergangenheit innerhalb der eigenen Familie. Die Verstrickungen des Großvaters in den Nationalsozialismus wurden innerhalb der Familie Jahrzehntelang verdrängt und verschwiegen. Doch die Entscheidung der Mutter, die kritische Beschäftigung mit der Person ihres Vaters zuzulassen, bringt unverhofft Bewegung in scheinbar festgefahrene Familienstrukturen. Im nun beginnenden Prozess durchleben alle Beteiligten eine aufwühlende und höchst emotionale Reise, an deren Ende die Hoffnung auf Erlösung für die gesamte Familie steht.

Der Film erzählt ein Stück deutscher Gegenwart. Indem der Film die Suche des Regisseurs, seiner Eltern und seiner Geschwister nach dem wahren Bild des Großvaters verfolgt, dokumentiert er auch die entstehende Auseinandersetzung innerhalb der Familie und wirft nie gestellte Fragen auf, die zu einer Diskussion zwischen der Kinder- und der Enkelgeneration führen.

Die Aufarbeitung erfolgt in einem sehr intimen, persönlichen und emotionalen Rahmen. Mit großer Intensität widmet der Film sich der Frage, was die Erfahrungen der NS-Zeit sowie das Schweigen darüber mit dem Lebensgefühl der Kinder- und Enkelgeneration zu tun haben. Deutschland ist für viele Länder ein Vorbild. Der Kniefall Brandts in Warschau, die friedliche Überwindung der Teilung, die vielerorts entstandenen oder entstehenden Gedenkstätten und Mahnmale – es wird allgemein anerkannt, dass Deutschland sich angemessen mit seiner jüngsten Geschichte auseinandersetzt.

Doch die Hälfte aller Deutschen glaubt, dass ihre eigenen Angehörigen dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber standen. Das ergab eine Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2002. Wie passt das mit der "Schuldfrage" zusammen? Wodurch entsteht diese Diskrepanz zwischen dem öffentlichen und dem privaten Erinnern?

Der 1971 in Bonn geborene Regisseur und Autor Jens Schanze erhielt 2002 den Adolf-Grimme-Preis für den Dokumentarfilm Otzenrather Sprung. Sein Film Winterkinder feierte seine Uraufführung mit großem Erfolg beim Dokumentarfilmfest München, wo er zu bewegenden und intensiven Diskussionen anregte. Die Filmbewertungsstelle zeichnete den Film mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ aus. Im September 2005 feierte der Film seine international Premiere bei dem neuen Festival International de Films in Montreal unter der Leitung von Moritz de Hadeln.

Kinostart: 8. Dezember 2005

Eine öffentliche Preview findet am So, 4.12., 11.30 Uhr im Babylon Kino Berlin statt mit anschließendem Publikumsgespräch in Anwesenheit des Regisseurs.