Protocols of Zion - von Marc Levin

Protocols of ZionEntgegen jeden Beweises glauben nach wie vor Millionen von Menschen in aller Welt, die Juden seien verantwortlich für die Zerstörung des World Trade Centers am 11.Sept.2001. Diese abstruse Theorie ist eine moderne Inkarnation der berüchtigten „Protokolle der Weisen von Zion“ – der Fälschung eines angeblichen Masterplans der Juden zur Beherrschung der Welt.

Tatsächlich sind die angeblichen Protokolle eine Fälschung der Geheimpolizei des letzten Zaren, um die Juden für die Instabilität seines Regimes zu beschuldigen. Der erstaunliche Erfolg der Protokolle führte zur Übersetzung in zahlreiche Sprachen und machte das Werk zeitweise zum meistgelesensten Buch nach der Bibel. Obwohl seine Inhalte in zahllosen Gerichtsprozessen und Publikationen als Fälschung entlarvt wurden, hat das Machwerk bis heute nichts von seiner Popularität eingebüßt.

Der jüdische Filmemacher Marc Levin begab sich in dem Dokumentarfilm „Protocols of Zion“ mit seinem Vater auf die Suche nach den Ursprüngen der „Protokolle“ und den Gründen ihrer Neubelebung in der Welt des 21. Jahrhunderts.

Zum ersten Mal stand er dabei selbst vor der Kamera und nähert sich dem Thema auf ein ebenso unterhaltsame wie provokant pointierte Art, wie sie derzeit nur amerikanische Dokumentarfilmer auf die Leinwand bringen.

Der Zuschauer erfährt im Film einerseits etwas über die Inhalte und Hintergründe der Verschwörungstheorie, die für ein aufgeklärtes Publikum so glaubhaft sind wie ein – so Levin – „japanisches Science-Fiction Comic“. Andererseits macht Levin die erschreckenden Abgründe sichtbar: Im Buchversand der rechtsextremen „National Alliance“ sind die Protokolle ein Bestseller. Auf arabischen TV-Sendern werden Verfilmungen der „Protokolle“ einem Millionenpublikum gezeigt, arabisch-stämmige Amerikaner und schwarze Nationalisten halten die Protokolle für authentisch und belegen mit ihnen antisemitische 9/11-Verschwörungstheorien.

Levin sucht dabei immer das direkte Gespräch und meist auch die Konfrontation. Er scheut nicht davor zurück, auch die wirrsten, antisemitischen Theorien mit ihren Verfechtern zu diskutieren. Mutig seziert er antisemitische Argumente und führt sein Gegenüber – wenn immer nötig – vor. Bei den Zuschauern bleiben danach kaum noch Fragen offen.

Bei all den Facetten, denen Levin nachgeht, verliert sich nur manchmal der rote Faden und die Stringenz der Argumentation, z.B. wenn zum Beleg einer möglichen antisemitischen Intention von Mel Gibsons Film „Passion of Christ“ vom Hörensagen her über die politische Einstellung von Gibsons Vater fabuliert wird.

Doch diese Details schmälern keineswegs das Verdienst des Filmes. Mit „Protocols of Zion“ schuf Levin eine der besten Dokumentationen über religiöse Intoleranz, Rassenhass und Antisemitismus, die man in diesen Tagen zu sehen bekommt.

Originaltitel: Protocols of Zion
Regie: Marc Levin
Drehbuch: Marc Levin
Genre: Dokumentation
Land: USA, 2004
Länge: 93 min