Über uns
Made in Israel
Geschrieben von: Gudrun Wilhelmy
Der letzte Nazi wird an Israel ausgeliefert. Ein alter, beeindruckender Mann, wird bewacht durch das Land zu einem Militärlager gefahren. Dort soll er auf den wenige Tage später stattfindenden Gerichtsprozess warten.
Der letzte Nazi ist ein Mensch Behandlung jüdischen Opfer entsprach. Seine Bewacher verständigen sich in gebrochenem Englisch mit. Sie gehorchen Befehlen. Er hat Befehlen gehorcht. Das versteht er.
Eine kostspielige Rache wird von einem Überlebenden der Shoa geplant, vorbereitet und mit verschiedenen Akteuren in Szene gesetzt. Ein Kopfgeld von zwei Millionen $ werden ausgesetzt. Am Ende soll zu vereinbarter Zeit, an einem vereinbarten Ort, eine persönliche Rache stattfinden. Eine Erschießung ohne Gerichtsverfahren.
Zwei Männer in einem Auto machen den Gefangenentransport ausfindig und verfolgen ihn, um den Gefangenen zum Ort der Vollstreckung der Rache zu bringen. Jeder Transport und jede genaue Anzahl von deportierten Juden repetiert der Fahrer immer wieder. Wieder und wieder bis die Jahrzehnte zurückliegende Tat zur unmittelbaren Gegenwart zu werden scheint.
Ein russisches Ganovenpärchen hat das gleiche Ziel und geht dabei skrupellos vor. Ihnen geht es um das Geld, was sie dabei verdienen wollen. Zwischen dem Paar schwelen persönliche Konflikte, herrscht Aggressivität und das Spiel um Macht.
Ein Trompeter, der sich bei Beerdigungen sein Geld verdient, gerät zwischen die rivalisierenden Kidnapper-Paare. Ihm geht es um seinen ganz normalen Verdienst als Musiker. Die Mitnahme in den Autos sieht er als Mittel, seinen nächsten Arbeitsort rechtzeitig zu erreichen. Deren Vorhaben kann er gar nicht recht fassen, noch weniger, dass beide Paare in ihm einen weiteren Rivalen für den Kidnapping-Auftrag sehen.
Die unterschiedlichen und rivalisierenden Interessen führen zur Eskalation von Gewalt. Der Gefangene kann nicht ohne Gewalt den bewachenden Soldaten entrissen und nicht ohne Gewalt der anderen Kidnapper-Gruppe geraubt werden. Es fließt Blut, es sterben Menschen, Israelis bringen sich gegenseitig um, als seien sie alle miteinander Marionetten eines Spiels, das andere mit ihnen spielen. Unversehrt bleibt der Gefangene.
Der Film lebt von einer wechselhaften Verfolgungsjagd, von auflauern und abhören, von überwältigt werden und scheitern. Es überzeugen im Film die unmittelbaren Begegnungen zwischen den Menschen mit dem Täter. Man kommt sich nahe und erkennt in der unmittelbaren Nähe die Fremdheit. Und dies gilt für den alten Nazi wie für die Israelis.
Ein spannendes Thema wird sehr leicht präsentiert, keine psychologisch ausgefeilten Dialoge oder Begegnungen, sondern die Unmittelbarkeit von Alltäglichkeiten den Abgrund auf, wenn sich Rache und Geldgier verbünden und in sich verselbständigende Aktionen niemand die Zivilcourage aufbringt, stopp zu sagen.
Der Film von Ari Folman, ist kein Hollywood-Film, sondern eine Produktion die zeigt, was man hierzulande nicht wahrhaben will: Vergangenheit wirkt bis in unmittelbare Gegenwart. Die nachgeborenen Generationen sind davon geprägt, weil Familiengeschichte unmittelbare Weltgeschichte für Millionen geworden ist. Das lässt sich nicht auslöschen.
Ab 27. März in den Kinos – Ein Film, der für Diskussionen sorgt
Autorin: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. . Jegliche Kopie dieses Artikels, auch auszugsweise, bedarf der Genehmigung der Autorin.
