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Bilder vom Juden - von Wolfgang Benz
Geschrieben von: Susanne Benöhr
Christina von Braun/Ludger Heid (Hrsg.): Der ewige Judenhaß, 2. verbesserte Auflage, 251 Seiten, Berlin/Wien 2000.
Wolfgang Benz: Bilder vom Juden. Studien zum alltäglichen Antisemitismus, 159 Seiten, München 2001.
Antisemitismus
bedeutet Judenfeindschaft. Das "Gefühl" ist uralt,
hat viele Facetten und speist sich seit Jahrhunderten aus den unterschiedlichsten
Quellen. Einen fundierten Überblick die Dimensionen der Judenfeindschaft
bietet das Buch "Der ewige Judenhaß". In fünf
Beiträgen beleuchten Christina von Braun, Ludger Heid und Wolfgang
Gerlach die Ursachen und Wirkungen dieses Ressentiments vom Altertum
bis zum Ende der Weimarer Republik. So zeigt Wolfgang Gerlach, dass
die judenfeindlichen Tendenzen ursprünglich religiös
motiviert waren. Der christliche Antijudaismus
basierte im wesentlichen auf der Gottessohnmord-Theorie und geht
zurück bis in die Zeit der Kirchenväter. Israel wurde
als ein Volk stigmatisiert, dass die Gnade Christi zurückwies
und ihn zudem kreuzigte. Juden waren fortab eine verwerfende Gemeinschaft
von Kindermördern, Hostienschändern, Ehebrechern und Huren.
Diese Argumentation folgte freilich nur einem Ziel: Den Juden musste
um jeden Preis nachgewiesen werden, dass sie die Verheißung
des "Alten" Testaments verspielt hätten. An ihre
Stelle rückte nunmehr die Kirche, das "neue Israel".
Diese Denkweise ist auch in der heutigen Zeit nicht überwunden.
So urteilte noch 1948 der Bruderrat der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKiD), dass indem Israel den Messias kreuzigte, es
seine Erwählung und Bestimmung verloren habe. Auf katholischer
Seite konnte die Ritualmord-Lüge an dem "Seligen Anderl
vom Rinn" erst 1994 durch bischöfliches Dekret unterbunden
werden.
Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich aus der religiös motivierten Judenfeindschaft der vorherrschende Antisemitismus unserer Zeit. Die Juden wurden fortab - fälschlicherweise - als Rasse bezeichnet. Damit gingen, wie Ludger Heid und Christina von Braun anschaulich zeigen, letztlich bemerkenswerte Widersprüchlichkeiten einher. Im rassischen Antisemitismus ist der Jude zugleich extrem-männlich und feminin. Er wird verachtet, weil er Kapitalist und gleichzeitig Sozialist ist. Er ist einerseits hochintellektuell wird aber andererseits von seinen Trieben beherrscht. Im Kaiserreich war er sowohl Kriegstreiber als auch verhasster Pazifist. Leicht lesbar und faktenreich zeichnen die Autoren ein Bild des ewigen Antisemitismus. Die Beiträge werden anschaulich ergänzt durch historisches Quellenmaterial. Auszüge aus den Traktaten Luthers, Fichtes, Chamberlains und Rosenbergs - um nur einige zu nennen - vermitteln ein authentisches Bild der jeweiligen antisemitischen Strömungen. Reichhaltiges Bildmaterial zeigt die figürliche Seite des Antisemitismus.
Einen
anderen Ansatz wählt Wolfgang Benz in seinem Buch "Bilder
vom Juden. Studien zum alltäglichen Antisemitismus". Zwar
geht auch er chronologisch vor, jedoch wählt er Fallstudien.
Souverän in Ausdruck und Form zeigt er in zehn Kapiteln Antisemitismen,
die von den "Protokollen der Weisen von Zion" über
die latente Judenfeindschaft Theodor Fontanes bis hin zum aktuellen
Schweizer Antisemitismus reichen. Daß die Jahrhunderte lang
tradierten "Bilder vom Juden" auch sechzig Jahre nach
der Shoa "fröhlich Urständ feiern", wird nicht
zuletzt an seinen Ausführungen zum Antisemitismus in der Schweiz
überdeutlich. So kostümierten sich 1998 bei einem Fastnachtsumzug
im Kanton Wallis Personen auf einem Wagen als orthodoxe Juden und
tanzten auf einem Goldhaufen. Im gleichen Jahr gab auf der Baseler
Fastnacht eine Gruppe eine Vorstellung als "Vertreter des Jüdischen
Weltkongresses". Dabei brachten sie einen "Zeedel"
unter das Volk, der "in einem haarsträubenden Baseldeutsch"
Verse enthielt, in denen die wesentlichen Tätigkeitsmerkmale
des "auserwählten Volkes" mit "Erpressen, Lügen,
Drohen, Bescheißen" angegeben wurden. Das Gerichtsverfahren
endete im Mai 1999 mit einem Freispruch für die 16 Angeklagten,
da diese sich an nichts erinnern konnten und folglich kein Schuldiger
ausfindig gemacht werden konnte. Und wie ist die aktuelle Lage in
Deutschland? Ein Teil der Täter scheut nach wie vor im wahrsten
Sinne des Wortes das Licht: Friedhofsschändungen und Brandanschläge
auf Synagogen begehen Radau-Antisemiten vornehmlich in den Nachtstunden.
Die "geistigen Brandstifter" in Politik und Literatur
hingegen suchen geradezu das Rampenlicht. In diesem Zusammenhang
erweist es sich jedenfalls als grotesk, dass das neuaufgelegte Buch
von Christina von Braun und Ludger Heid ursprünglich als Begleitbuch
für eine dreiteilige Fernsehserie aus dem Jahre 1990 konzipiert
war. Im Mai des Jahres 2002 erscheint eine Wiederholung in Deutschland
durchaus gerechtfertigt - aber bitte nicht nach Mitternacht und
in den Dritten Programmen.
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Christina von Braun/Ludger Heid (Hrsg.): Der ewige Judenhaß, 2. verbesserte Auflage, 251 Seiten, Berlin/Wien 2000, ISBN: 3-8257-0149-2
Wolfgang Benz: Bilder vom Juden. Studien zum alltäglichen Antisemitismus, 159 Seiten, München 2001, ISBN: 3-406-47575-2
