Verboten! Filmzensur in Deutschland

Geschrieben von: der Redaktion

1. Januar bis 2. Februar 2014 im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums

Verboten ist, was von Gesetzgebern, Politikern, Institutionen der Filmwirtschaft oder Rechteinhabern für unerwünscht erklärt wird und gar nicht oder nur eingeschränkt auf der Leinwand erscheinen darf. Die Retrospektive VERBOTEN! präsentiert im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums bekannte und unbekannte „Zensurfälle“ aus sieben Jahrzehnten deutscher Filmgeschichte. Mit den ausgewählten Filmen und ihren Produktions-, Vertriebs- und Aufführungsgeschichten erschließt sich ein breites Spektrum an Einwänden, Ressentiments und Motiven, die Praktiken der Filmzensur zugrunde gelegen haben und teilweise noch heute zugrunde liegen. Ein Einwand führt die angeblich „entsittlichende“ Wirkung von Filmen ins Feld, etwa von sozialkritischen Dramen wie Cyankali (D 1930) oder von freizügigen Liebesfilmen wie Ekstase (CS/A 1933). Die Argumentationslinie lässt sich weiter verfolgen im Zusammenhang mit dem Prostitutionsdrama Die Sünderin (BRD 1950), dem Aufklärungsfilm Du – Zwischenzeichen der Sexualität (BRD 1968) und der Softsex-Parodie Dorotheas Rache (BRD 1974). Die angebliche Gefährdung der „öffentlichen Sicherheit“ durch politische Stoffe hat ebenfalls regelmäßig zu Verboten geführt. Ideologische Richtungswechsel und Veränderungen der weltpolitischen oder militärischen Lage haben die Zensurpraktiken beeinflusst. Die Retrospektive VERBOTEN! präsentiert zum Beispiel mehrere NS-Filme, die von den Nationalsozialisten selbst verboten oder nicht zugelassen wurden, wie Große Freiheit Nr. 7 (D 1944), Zwischen Nacht und Morgen / Augen der Liebe (D 1944) oder Besatzung Dora (D 1943). Ein interessanter Zensurfall stellt die bundesrepublikanische Synchronfassung von Casablanca (USA 1942) aus dem Jahr 1952 dar, die gänzlich Nazi-frei ist. Die politisch motivierte Zensurgeschichte der DDR ist unter anderem mit „Regalfilmen“ der DEFA berücksichtigt: Berlin um die Ecke (DDR 1965/1990, R: Gerhard Klein), Jahrgang 45 (DDR 1966, R: Jürgen Böttcher), Denk bloß nicht, ich heule (DDR 1965, R: Frank Vogel), Karla (DDR 1966, R: Herrmann Zschoche). Die Filmreihe VERBOTEN! FILMZENSUR IN DEUTSCHLAND versammelt eine Auswahl des im vergangenen November in Hamburg veranstalteten Internationalen Festivals des deutschen Film-Erbes CINEFEST, das von CineGraph Hamburg und dem Bundesarchiv-Filmarchiv kuratiert wurde.

 

Aktuelle Literatur: »Ich schrieb mich selbst auf Schindlers Liste« Die Geschichte von Hilde und Rose Berger

Geschrieben von: der Redaktion

Hilde und Rose Berger wurden in der Zeit des Ersten Weltkriegs als Kinder eingewanderter jüdischer Eltern in Berlin geboren. Beide entwickelten schon früh politisches Bewusstsein und engagierten sich in jüdischen Jugendgruppen, später in der kommunistischen und schließlich in der trotzkistischen Bewegung. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs musste die Familie Deutschland verlassen. Während Rose nach Frankreich fliehen konnte, gehörte Hilde zu den Juden, die im ukrainischen Boryslaw unter dem Schutz von Berthold Beitz standen. Nach dessen Einzug in den Kriegsdienst wurde Hilde in das KZ Plaszow deportiert. Dort hatte sie als Schreibkraft die Aufgabe, Oskar Schindlers später berühmt gewordene Liste zu tippen – ein Zufall, der ihr das Leben rettete. Anhand von Interviews und Erzählungen wird in diesem Band die ungewöhnliche Geschichte zweier Holocaust-Überlebender dargestellt. Zahlreiche Dokumente und Bilder veranschaulichen die Überlebensgeschichten der Schwestern und geben einen Einblick in ihr Leben nach dem Krieg.

Reinhard Hesse (Hg.): Haland & Wirth Verlag: Psychosozial-Verlag 223 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm Erschienen im Juli 2013 ISBN-13: 978-3-8379-2273-8

   

Claude Lanzmann präsentiert Le dernier des injustes auf der Berlinale 2014

Geschrieben von: der Redaktion

In Würdigung der fortwährenden Produktivität des großen Künstlers und der intensiven Erinnerungsarbeit des Intellektuellen zeigen die Berlinale und die Deutsche Kinemathek in Kooperation mit dem Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V. Claude Lanzmanns jüngsten Film Der letzte der Ungerechten (Le dernier des injustes, Frankreich/Österreich 2013, OF m. engl. Untertiteln) am 24. November um 14 Uhr im Kino Arsenal. Claude Lanzmann wird die deutsche Erstaufführung seines Films persönlich in Berlin vorstellen.

Claude Lanzmann, 1925 als Sohn jüdischer Eltern in Paris geboren, kämpfte in der Résistance, studierte in Frankreich und Deutschland Philosophie und hatte 1948/49 eine Dozentur an der neugegründeten Freien Universität Berlin inne. Er war einer der aktiven Unterstützer der algerischen Unabhängigkeitsbewegung Anfang der 60er Jahre. Seine Auseinandersetzung mit der Shoah, dem Antisemitismus und den politischen Freiheitskämpfen durchziehen sein filmisches wie journalistisches Schaffen. Lanzmanns Shoah (1985) ist als epochales Meisterwerk der Erinnerungskultur in die Filmgeschichte eingegangen.

   

"Der Farbfilm marschiert!" Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933–1945

Geschrieben von: der Redaktion

Buchvorstellung und Filmprogramm am 17. Oktober, 20 Uhr

Die politisch-propagandistische Dimension der Farbe im nationalsozialistischen Film hat der Filmhistoriker Dirk Alt in seiner jüngst im belleville Verlag erschienenen Studie „Der Farbfilm marschiert!“ Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933–1945 untersucht. Am 17. Oktober wird Dirk Alt sein Buch im Zeughauskino vorstellen und eine Auswahl bedeutender Kurzfilme präsentieren.

Die Goldene Stadt, Münchhausen und Große Freiheit Nr. 7 – mit solchen wirklichkeitsentrückten Melodramen und Kostümfilmen hat sich der frühe deutsche Farbfilm ins kollektive Bewusstsein eingeschrieben, doch wie Dirk Alt in seiner Studie zeigt, reichte die politisch-propagandistische Dimension der Farbe weit darüber hinaus. Für die staatlich gesteuerte Filmindustrie war der Farbfilm zunächst technisches, dann ideologisches Kampfgebiet: Auf dem Weltmarkt sollten deutsche Farbfilmverfahren denen der Briten und Amerikaner den Rang streitig machen – die Farbe wurde zur Prestigefrage der deutschen Filmindustrie, wenn sie sich gegen Hollywood behaupten wollte. Daneben bedienten sich Staatsführung und Wehrmacht des Farbfilms, um ihr Wirken für die Nachwelt zu dokumentieren: als geheimes Archivmaterial, das 1945 bis auf wenige Splitter vernichtet wurde oder als Kriegsbeute verschwand.

Im Rahmen der Buchvorstellung präsentiert Dirk Alt eine Auswahl bedeutender Kurzfilme, darunter Das deutsche Erntedankfest 1934 auf dem Bückeberg, Reichsparteitag 1936, Tobis-Karikatur Nr. 1, Musterbetrieb AG, Die muselmanische Legion "Harun al Raschid" und Künstler bei der Arbeit.

Weitere Informationen zum Programm finden sie auf der Internetseite des DHM, Informationen zum Buch auf der Seite des belleville Verlags.

   

Arbeitsministerium lässt NS-Geschichte aufarbeiten

Geschrieben von: der Redaktion

Bei der Aufarbeitung der eigenen Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus sind andere Bundesministerien bereits mit gutem Beispiel voran geschritten. Jetzt folgt auch das Ministerium für Arbeit und Soziales: Gestern (10. April 2013) hat Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dafür die Mitglieder einer unabhängigen Historikerkommission berufen. Bis Ende 2016 soll das Forschungsprojekt abgeschlossen sein.

Als erster öffentlicher Meilenstein des Forschungsprojektes soll am 25. Juni 2013 ein Symposium in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zum Thema statt finden. Die Forschungsarbeiten insgesamt sollen bis Ende 2016 abgeschlossen und anschließend veröffentlicht werden.

Quelle und weitere Infos auf http://geschichtspuls.de

   

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